Ein Schild, auf dem "Exit" steht neben einer britischen Flagge. | Bildquelle: dpa

London will Handelsabkommen mit EU Rückkehr an den Verhandlungstisch

Stand: 21.10.2020 19:13 Uhr

Vergangene Woche hatte London die Gespräche mit Brüssel über ein Handelsabkommen noch für beendet erklärt. Jetzt sollen sie doch weitergehen - denn die wirtschaftlichen Perspektiven sehen düster aus.

Die britische Regierung will die festgefahrenen Gespräche über die künftigen Beziehungen zur EU nun doch fortsetzen. Die Verhandlungen könnten bereits morgen in London wieder aufgenommen werden, erklärte ein Sprecher von Premierminister Boris Johnson. Es gebe zwar noch "erhebliche" Differenzen in den "schwierigsten Bereichen", doch die Regierung sei zu einem neuen Versuch bereit.

Damit wächst die Chance, dass ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen zum Jahreswechsel vermieden werden kann.

EU zeige Respekt für Souveränität Großbritanniens

Am Freitag hatte Johnson der EU noch vorgeworfen, sie wolle gar kein Abkommen. Deshalb erwarte er einen Bruch ohne Vertrag - es sei denn, die EU ändere ihre Haltung fundamental. Nun die Kehrtwende.

Die Rückkehr an den Verhandlungstisch begründete die britische Regierung auch mit einer Rede des EU-Unterhändlers Michel Barnier am am Vormittag. Barnier habe für Großbritannien wichtige Punkte anerkannt, unter anderem den Respekt für die Souveränität Großbritanniens.

Bei seiner Rede im Europaparlament hatte Barnier der britischen Regierung erneut Verhandlungen angeboten und erklärt: "Ich denke, ein Abkommen ist in Reichweite, wenn wir von beiden Seiten bereit sind, konstruktiv und im Geist des Kompromisses zu arbeiten."

Aus EU-Sicht bleiben nur noch zwei bis drei Wochen, weil ein Vertrag danach noch ratifiziert werden müsste. Barnier sagte, die EU sei bereit, die Gespräche zu intensivieren und rund um die Uhr zu verhandeln.

Nervosität der Wirtschaft auf beiden Seiten

Auch die britische Seite signalisiert Interesse an einer schnellen Einigung, denn die Wirtschaft auf beiden Seiten wird nervös. Befürchtet werden ein Rückgang des Handels, eine Unterbrechung von Lieferketten und der Verlust Zehntausender Jobs durch Zölle und Verzögerungen an den Grenzen.

Im EU-Parlament berichtete Barnier aber auch von Fortschritten bei den Gesprächen, so etwa mit Blick auf die künftige Polizei- und Justizkooperation. Auch bei einigen anderen Aspekten wie Warenverkehr, bei Dienstleistungen und Energie gebe es Bewegung.

Drei Themen bleiben schwierig

Bei drei komplexen Themen müsse man jedoch unbedingt weiterkommen: den von der EU geforderten gleichen Wettbewerbsbedingungen, den Schlichtungsinstrumenten für den Vertrag und bei der Fischerei. Diese drei Punkte werden seit Wochen unverändert als Knackpunkte genannt.

Barnier bekräftigte, die EU werde bis zum Schluss bei ihrer Haltung bleiben: "Wir bleiben ruhig, wir bleiben konstruktiv, wir bleiben respektvoll, aber auch fest und entschlossen bei der Verteidigung unserer Prinzipien und der Interessen jedes Mitgliedstaats der Europäischen Union und der EU selbst."

Brexit-Verhandlungen gehen morgen weiter
Christoph Heinzle, ARD London
22.10.2020 00:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Oktober 2020 um 19:45 Uhr.

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