Gegenoffensive der Anhänger der international anerkannten Regierung in Libyen | Bildquelle: Screenshot Videomaterial

Libyen-Konflikt Regierungskräfte starten Gegenoffensive

Stand: 07.04.2019 15:50 Uhr

Trotz internationaler Aufrufe zu einem Ende der Gewalt steuert Libyen auf einen neuen Bürgerkrieg zu. Anhänger der Regierung in Tripolis verkündeten eine Gegenoffensive gegen die Truppen von General Haftar.

Die Anhänger der international anerkannten Regierung in Libyen haben erklärt, eine Gegenoffensive gegen die Truppen des einflussreichen Generals Chalifa Haftar zu beginnen.

Die Operation "Vulkan des Zorns" habe das Ziel, alle libyschen Städte von illegalen Kräften zu "säubern", erklärte der Militärsprecher der Regierungsanhänger, Mohammed Kanunu. Die Streitkräfte würden mit "eiserner Faust" gegen jeden vorgehen, der denke, die Einheit und Sicherheit Libyens anzugreifen.

Viele libysche Milizen nutzen umgebaute Fahrzeuge. | Bildquelle: AFP
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Viele libysche Milizen nutzen umgebaute Fahrzeuge. Dieses auffällige Gefährt verfügt über zusätzliche Panzerung und ein Maschinengewehr - vermutlich russischer oder osteuropäischer Bauart - auf dem Dach.

Haftars Truppen fliegen offenbar Luftangriffe

Haftars Truppen teilten mit, sie hätten in Vororten von Tripolis Luftangriffe gegen "bewaffnete Milizen" geflogen. Damit hätte das Leben von Zivilisten beschützt werden sollen, erklärte die Medienabteilung der Anhänger Haftars.

Die Truppen des Generals versuchen seit Donnerstag, auf die Hauptstadt Tripolis vorzurücken, wo die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj ihren Sitz hat. Der General will offenbar Tripolis einnehmen und das ölreiche Land unter seine Führung bringen.

Die internationale Gemeinschaft befürchtet eine Eskalation des Konflikts in Libyen. Der UN-Sicherheitsrat appellierte am Freitag an die Parteien, alle militärischen Bewegungen zu stoppen. Der Appell richtete sich insbesondere an General Haftar. Auch Russland forderte einen Dialog.

US-Militär zieht Soldaten ab

Die US-Armee hat unterdessen Soldaten aus dem Krisenland abgezogen. Das Afrika-Kommando teilte mit, ein Kontingent von Soldaten sei aufgrund der Unruhen vorübergehend aus dem Land abgezogen worden. Die Sicherheitsbedingungen vor Ort seien zunehmend unvorhersehbar, erklärte Kommandeur Thomas Waldhauser. Um wie viele Soldaten es sich handelt und wohin sie verlegt wurden, erklärte er nicht.

Asselborn fordert Signale aus Ägypten

Mit Blick auf den Konflikt hat auch der luxemburgische Außen- und Asylminister Jean Asselborn reagiert: Er forderte deutliche Signale aus dem Nachbarland Ägypten und klare Worte des UN-Sicherheitsrats. Um Flüchtlingslager in Libyen kriminellen Menschenschmugglern zu entziehen, brauche es zudem "massive europäische finanzielle Unterstützung" des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR und der Internationalen Organisation für Migration.

Zudem müssten schutzbedürftige Menschen identifiziert sowie sicher und legal in die EU gebracht werden, forderte Asselborn: "Dies alles parallel zu Anstrengungen, damit in Libyen eine neue Verfassung und Wahlen Wirklichkeit werden können, um schrittweise Rechtstaatlichkeit zu schaffen."

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen Chaos. Die Einheitsregierung ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Immer wieder gibt es internationale Vermittlungsversuche.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. April 2019 um 15:00 Uhr.

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