Libanons Ministerpräsident Hassen Diab hält eine Rede in der Nationalversammlung. | dpa

Wirtschaftskrise Libanon droht Staatsbankrott

Stand: 08.03.2020 12:39 Uhr

Der Libanon kann seine Staatsschulden nicht mehr zurückzahlen. Das kündigte Ministerpräsident Diab an. Das Land kämpft seit Jahren mit einer Wirtschaftskrise. Nun droht der Staatsbankrott.

Der Libanon kämpft mit einer schweren Wirtschaftskrise und steuert auf einen Staatsbankrott zu. Zum ersten Mal in seiner Geschichte kommt der Libanon seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach.

Ministerpräsident Hassan Diab sagte in einer Fernsehansprache, dass der Staat eine am Montag fällige Anleihe in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro nicht zurückzahlen werde.

Die ausländischen Devisen-Reserven seien auf ein kritisches Niveau abgesunken, erklärte der Ministerpräsident. Deshalb sollten mit den Anleihe-Investoren faire Gespräche zur Umstrukturierung der Schulden begonnen werden.

Der Libanon leidet unter einem riesigen Schuldenberg von mehr als 80 Milliarden Euro. Die Schuldenlast zählt mit etwa 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Angaben der Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) zu den höchsten der Welt.

Proteste wegen Misswirtschaft

Potenzielle internationale Geldgeber hatten wiederholt Hilfen von Reformen im Libanon abhängig gemacht. Experten gehen davon aus, das der einzige Weg des Landes für finanzielle Unterstützung nun über ein Programm des Internationalen Währungsfonds führt.

Die wirtschaftliche Situation im Libanon ist so schlecht wie seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 nicht mehr. Das Land kämpft mit Devisenengpässen, Banken stehen vor dem Kollaps. Sparer haben keinen Zugriff auf ihre Konten und können nur noch etwa 100 Dollar pro Woche abheben.

Seit November wurden 200.000 Angestellte entlassen, Löhne werden bis zu 50 Prozent gekürzt. Weil sich viele Menschen die Miete nicht mehr leisten können, steigt die Zahl der Obdachlosen. Landesweit war es immer wieder zu gewaltsamen Protesten gegen die Misswirtschaft und Korruption gekommen.

Die Staats- und Finanzkrise hatte sich seit Oktober noch verschärft. Der eher dem Westen zugewandte Regierungschef Saad al-Hariri trat Ende Oktober zurück. Im Januar wurde Diab zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Er wird von der vom Iran unterstützten Hisbollah mit getragen.

Diab hatte sich im Februar mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF) getroffen, eine offizielle Bitte um Hilfe gab es aber noch nicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2020 um 13:15 Uhr.