Hintergrund

Der Hafen von Beirut ist nach dem Unglück komplett verwüstet. | Bildquelle: WAEL HAMZEH/EPA-EFE/Shutterstock

Mutmaßliche Explosionsursache Woher stammt das gefährliche Ammoniumnitrat?

Stand: 05.08.2020 12:11 Uhr

Die Behörden vermuten 2750 Tonnen Ammoniumnitrat als Ursache für die schweren Explosionen in Beirut. Es stammt wohl von einem Schiff, das vor Jahren konfisziert worden war. Die Spuren führen in den postsowjetischen Raum.

Von Demian von Osten, ARD-Studio Moskau

Es ist ein Material, das für die Herstellung von Düngemitteln, aber auch von Sprengstoffen gebraucht wird: Ammoniumnitrat. 2750 Tonnen dieses hochexplosiven Stoffs hatte 2013 der Frachter "Rhosus" geladen, unterwegs von Georgien in Richtung südliches Afrika.

Genau dieses Schiff wird jetzt als Lieferant der Ladung vermutet, die mit so heftiger Wucht im Hafen der libanesischen Hauptstadt explodiert ist und viele Todesopfer gefordert hat.

Dass die Ladung der "Rhosus" explodiert sein könnte, berichtet unter anderem der libanesische Fernsehsender LBCI und beruft sich auf eine Sitzung des libanesischen obersten Sicherheitsrats.

Alexander Stenzel, ARD Kairo, zur Ursachenforschung
05.08.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Experte: Gefahr über Ammoniumnitrat war wohl bekannt

Im Oktober 2013 war das Schiff im Hafen von Beirut angekommen. Zunächst waren zehn Menschen an Bord, der russische Kapitän Boris Prokoschew sowie neun weitere Besatzungsmitglieder, alles Ukrainer.

Das Schiff wurde im Hafen festgehalten, wegen "grober Verletzung der Betriebsregeln" und weil der Crew der Lohn nicht ausgezahlt worden war. "Es passiert regelmäßig, dass ein Schiff verlassen und die Ladung konfisziert wird", sagt der russische Marineexperte Michail Wojtenko. "Es ist dann die Aufgabe der lokalen Behörden, sich darum zu kümmern. Oft wird die Ladung später versteigert."

Warum in diesem Fall nichts weiter passiert sei, außer die gefährliche Ladung möglicherweise unsachgemäß in einem Hafengebäude zu lagern, müssten die Verantwortlichen im Libanon beantworten, sagt Wojtenko. "Ammoniumnitrat ist eigentlich ein verbreitetes Gut in der Schifffahrt. In der Regel läuft der Transport ohne Zwischenfälle ab." Dass es sich um eine gefährliche Ladung handelt, war damals bereits bekannt - und es war auch öffentlich über den Libanon hinaus berichtet worden.

Crewmitglieder wurden im Libanon festgehalten

Der russische Kapitän Prokoschew wandte sich an die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF), die sich um Seeleute kümmert. Er und drei weitere Crewmitglieder wurden im Libanon festgehalten. Libanesische Behörden wollten sie zunächst nicht ausreisen lassen, während das Schiff mit der gefährlichen Ladung im Hafen festsaß.

Erst ein Jahr später durften die Seeleute nach einem juristischen Streit das Land verlassen. Kapitän Prokoschew war damals nicht sonderlich beunruhigt wegen der gefährlichen Ladung, erzählt Olga Ananina von der ITF. "Es sind Seeleute, sie befördern unterschiedlichste Güter. Sie machen einfach ihren Job."

1/9

Explosionen in Beirut

Ein Drohnenbild zeigt den Explosionsort im Hafen vom Beirut.

Beirut am Tag danach: Ein Drohnenbild zeigt die Schäden in der Stadt. Die Gebäude in der Nähe des Explosionsortes im Hafen sind eingestürzt. Die Explosionen waren im gesamten Land zu hören. | Bildquelle: AP

Russischer Geschäftsmann als Schiffseigner

Die Ladung stammt aus dem georgischen Schwarzmeerhafen Batumi. Ammoniumnitrat ist dort das drittwichtigste Umschlagprodukt. Das Schiff "Rhosus" gehört dem russischen Geschäftsmann Igor Gretschuschkin. Seine Firma Teto Shipping ist auf Zypern registriert. Er soll auch dort leben - nicht unüblich unter russischen Geschäftsleuten.

Doch Gretschuschkin hatte offenbar finanzielle Schwierigkeiten. "Der Kapitän hat mir damals sehr oft geschrieben", erzählt Ananina von der ITF. "Es gab Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung, mit Wasser und damit, dass der Lohn von mehreren Monaten geschuldet wurde. Mir hat der Eigentümer nicht geantwortet. Am Anfang hat er dem Kapitän geantwortet, den dann aber ignoriert", sagt sie.

In einem Forum warnten andere Seeleute damals vor Teto Shipping. "Nur Verrückte gehen mit dieser Firma irgendeine Verbindung ein", schreibt einer dort. Unter einer zypriotischen Nummer des Geschäftsmanns erreichte das ARD-Studio Moskau niemanden.

"Rhosus" fährt unter moldauischer Flagge

Das Schiff "Rhosus" ist unter moldauischer Flagge registriert. Die Republik Moldau ist ein Land ohne Seegrenze, es gilt aber als sogenanntes Billigflaggenland. Diese Ausflaggung wird von Reedereien genutzt, um Kosten zu sparen. Meist geht es dabei um niedrige Steuern oder Gesetze, die wenig Schutz für Matrosen bieten.

Das Schiff befindet sich bis heute im Hafen von Beirut, die Ladung wurde in einem Lager untergebracht.

Mit Informationen von Katja Kusnezowa, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. August 2020 um 15:00 Uhr.

Darstellung: