Bundeskanzlerin Angela Merkel | Bildquelle: REUTERS

Telefonat mit saudischem König Merkel verurteilt Khashoggis Tötung

Stand: 26.10.2018 04:07 Uhr

Kanzlerin Merkel hat Saudi-Arabien zur raschen Aufklärung des Tathergangs im Fall des getöteten Journalisten Khashoggi aufgefordert. Unterdessen rief die EU-Ratspräsidentschaft zu einem Waffenembargo gegen Saudi-Arabien auf.

Klare Worte im Fall des getöteten Journalisten Khashoggi: Kanzlerin Angela Merkel hat in einem Telefonat mit dem saudischen König Salman gefordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Tathergang müsse rasch aufgeklärt werden. Dies müsse zudem glaubhaft und transparent erfolgen, verlangte sie nach Angaben eines Sprechers der Bundesregierung.

Die Kanzlerin verurteilte demnach die Tötung Khashoggis "aufs Schärfste". Im Lichte der laufenden Entwicklungen des Falles stehe Deutschland bereit, zusammen mit internationalen Partnern angemessene Maßnahmen zu ergreifen.

EU fordert Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien

Angesichts der Tat rief die österreichische EU-Ratspräsidentschaft zu einem Waffenexport-Stopp aller EU-Länder nach Saudi-Arabien auf. Die Tötung Khashoggis sei "zutiefst erschütternd", sie sei aber "nur der Gipfel des Horrors", sagte die österreichische Außenministerin Karin Kneissl der "Welt".

Am Donnerstag hatte bereits das EU-Parlament einen europaweiten Stopp von Waffenexporten nach Saudi-Arabien gefordert. Deutschland will als Reaktion auf die Tötung Khashoggis keine Waffen mehr an Saudi-Arabien liefern.

Andere Länder wollen so weit nicht gehen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez etwa schloss einen solchen Schritt aus. Er müsse "die Interessen Spaniens schützen", sagte er zuletzt vor dem Parlament in Madrid. Saudi-Arabien importiert laut dem Stockholmer Sipri-Institut für Friedensforschung die zweitmeisten Waffen weltweit, Spitzenreiter ist Indien.

Jamal Khashoggi | Bildquelle: AP
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Der saudische Journalist Jamal Khashoggi wurde am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul getötet.

Khashoggis Sohn in die USA ausgereist

Der Sohn des Getöteten scheint das Königreich indes nach Aufhebung einer monatelangen Ausreisesperre verlassen zu haben und in die USA geflogen zu sein.

Der Sender CNN berichtete, dass er nach Aufhebung seiner Ausreisesperre in den Vereinigten Staaten angekommen sei und berief sich dabei auf eine Quelle aus dem Umfeld der Familie. Demnach hat Salah bin Jamal Khashoggi sowohl die saudische Staatsbürgerschaft als auch die der USA.

Zunächst wochenlang Dementi

Khashoggi war Anfang Oktober in das Konsulat gegangen, um Unterlagen für seine Hochzeit abzuholen. Saudi-Arabien hatte erst nach wochenlangem Dementi eingestanden, dass er dort dann getötet wurde.

Kronprinz Mohammed bin Salman kündigte eine strenge Bestrafung der Täter an. Der 33-Jährige steht unter zunehmendem Druck des Westens: US-Präsident Donald Trump sagte, der Kronprinz trage die Verantwortung für den Einsatz, der zum Tod des Regierungskritikers geführt hatte.

CIA-Chefin hörte offenbar Aufnahmen

Die "Washington Post" und die türkische "Sabah" berichten unterdessen, die türkische Regierung habe CIA-Direktorin Gina Haspel während ihres Türkei-Besuchs Audioaufnahmen vom Tod Khashoggis vorgespielt. Nachdem zuletzt die Zweifel der US-Regierung an der saudischen Version eines tödlichen Faustkampfs immer größer geworden waren, reiste Haspel zu Wochenbeginn in die Türkei.

Unklar ist, woher die Aufnahmen stammen. Immer wieder taucht die Vermutung auf, dass die Türkei das Konsulat mit Abhörgeräten ausspioniert hat. Bisher hatte die Türkei die angeblichen Aufnahmen streng geheim gehalten, obwohl Regierungsmitarbeiter anonym fast täglich neue Details aus den angeblichen Aufnahmen an Medien weitergaben.

Nach der türkischen Version wiederum wurde Khashoggi von einem 15-köpfigen, eigens für die Tat aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando gefoltert und ermordet.

Saudischer Generalstaatsanwalt hält Khashoggis Tod für vorsätzlich geplante Tat
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
25.10.2018 16:50 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Oktober 2018 um 22:15 Uhr und Deutschlandfunk am 26. Oktober 2018 um 02:00 Uhr.

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