Der britische Premier Boris Johnson. | dpa

Coronavirus Britischer Premier Johnson auf Intensivstation

Stand: 07.04.2020 00:51 Uhr

Der britische Premierminister Johnson ist wegen seiner Coronavirus-Erkrankung auf die Intensivstation verlegt worden. Die Regierungsgeschäfte führt nun vorerst Außenminister Raab.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Der Zustand des Premierministers habe sich im Laufe des Montagnachmittags verschlechtert, heißt es in einer Stellungnahme aus 10 Downing Street. Auf Rat seines medizinischen Teams sei Johnson deshalb auf die Intensivstation verlegt worden. Dort erhalte er exzellente Betreuung, sagte ein Regierungssprecher. Johnson ist Angaben seines Büros zufolge nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Außenminister Dominic Raab erklärt, der Regierungschef habe ihn gebeten, die Amtsgeschäfte dort zu übernehmen, wo dies erforderlich sei.

Es ist ein unglaublich starker Mannschaftsgeist hinter dem Premierminister. Der stellt sicher, dass alle Pläne des Premierministers umgesetzt werden. So werden wir das Land durch die Coronakrise bringen, der wir gerade gegenüber stehen.
Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Noch am Montagnachmittag hatte Johnson berichtet, er sei "in good spirits", bei guter Stimmung. Per Twitter meldete sich Johnson aus dem Krankenhaus. Er habe immer noch Symptome seiner Erkrankung, schrieb der Premierminister, deshalb habe er sich zu Routinetests in die Klinik begeben. Einzelheiten - zum Beispiel zum Ergebnis der Untersuchungen - sind bislang nicht bekannt. 

Regierung: Der Chef hält die Fäden weiterhin in der Hand

Ian Duncan Smith, früherer Parteichef der Konservativen, versucht, zu beruhigen.

Wir sollten in die Verlegung auf die Intensivstation nicht zu viel hinein interpretieren. Ich bin sicher, dass die Ärzte das getan haben, um ihn komplett zu stabilisieren, und zum Beispiel eine weitere Infektion behandeln zu können.

In seinem Tweet am Nachmittag hatte Johnson versichert, er halte weiterhin Kontakt mit seiner Regierungsmannschaft. Auch von der Regierungszentrale ging immer wieder die Botschaft aus: der Chef hält die Fäden weiterhin in der Hand. Dass Boris Johnson zunächst versucht hatte, auch vom Krankenbett aus zu regieren, dafür hat Ian Duncan Smith volles Verständnis.

Er wurde als Premierminister gewählt, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dem fühlt er sich verpflichtet. Jetzt liegt die Verantwortung beim Kabinett, da wird es keine Reibereien geben, alle wissen, was sie zu tun haben und werden so weitermachen, als wäre Boris da, auch unter Dominic Raab.

Der 55-jährige Johnson befindet sich seit Sonntagabend im Krankenhaus. Vor zwölf Tagen war bei ihm eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Die Symptome wurden zunächst als "milde", seit dem Wochenende aber schon als "hartnäckig" bezeichnet.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. April 2020 um 22:45 Uhr.