Ein Loch durch in der Straße durch den Einschlag einer Rakete in der nördlichen Provinz Haijah im Jemen. | Bildquelle: AFP

Jemen Der Krieg steckt in einer Sackgasse

Stand: 26.12.2017 17:33 Uhr

Der Bürgerkrieg im Jemen verursacht eine unvorstellbare Tragödie. Zum Hungerleiden kommt die größte je erfasste Cholera-Epidemie weltweit. Die Menschen sind Opfer des Stellvertreterkrieges zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der immer heftiger geführt wird.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Bei Luftangriffen der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition auf Ziele im Jemen sollen seit Sonntag mindestens 60 Menschen getötet worden sein. Die Angriffe galten offenbar Stützpunkten der Huthi-Rebellen in der Küstenprovinz Hodeidah. Die Provinz ist vor allem wegen des Hafens am Roten Meer von strategischer Bedeutung. Die Stadt Hodeidah sowie der Hafen werden von den Huthis kontrolliert.

Zu den Todesopfern der Angriffe sollen mindestens 53 Huthi-Rebellen gehören. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP bestätigten Krankenhäuser der Gegend diese Zahl. Gesundheitsbehörden auf Rebellenseite behaupteten allerdings, bei den Opfern handele es sich überwiegend um Zivilisten.

Zerstörungen in der Hafenstadt Hodeidah im Süden des Landes. | Bildquelle: AFP
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Zerstörungen in Hodeidah im Süden des Landes. Die Stadt sowie der Hafen werden von den Huthis kontrolliert.

Zweite Rakete in Richtung Riad abgeschossen

Vor einer Woche war aus der Provinz Hodeidah zum zweiten Mal eine Rakete auf die saudi-arabische Hauptstadt Riad abgeschossen worden. Seitdem wurden die Kämpfe intensiver. Die Rebellen wie auch die Truppen der international anerkannten Regierung des Jemen verstärkten ihre Präsenz in der Gegend.

Im Jemen kämpfen die Kräfte des sunnitischen Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die in begrenztem Maße vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien geführte sunnitische Koalition Luftangriffe auf Ziele in dem Land.

Viele Tausend Luftangriffe

Die Menschen leiden somit nicht nur unter einem Bürgerkrieg, sie sind auch Opfer eines Stellvertreterkrieges zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der vor allem von saudi-arabischer Seite immer brutaler geführt wird. Nach Angaben einer UN-Behörde flog die Koalition des Königreiches 2016 knapp 4000 Luftangriffe. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2017 sollen es fast 5700 gewesen sein. Eine Mäßigung scheint nicht in Sicht.

Ein durch einen Luftangriff zerstörtes Haus in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. | Bildquelle: REUTERS
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Ein zerstörtes Haus in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien geführte Koalition Luftangriffe auf Ziele in dem Land.

Die Huthi-Rebellen könnten nur militärisch zu Verhandlungen gezwungen werden, behauptet der jemenitische Politologe Nagib Ghallab im saudischen Fernsehen. Frieden könne nur erreicht werden, wenn die Huthis mit Waffengewalt besiegt würden.

Über eine Million Cholera-Verdachtsfälle

Der Krieg steckt in einer Sackgasse. Er verursacht eine unvorstellbare Tragödie - wie zum Beispiel die größte je erfasste Cholera-Epidemie weltweit.

Die Zahl der Cholera-Verdachtsfälle sei inzwischen auf mehr als eine Million gestiegen, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation. 2227 Menschen seien bislang an der Infektion gestorben. Außerdem habe man jüngst mehr als 300 Fälle von Diphterie registriert, vor allem in der Küstenprovinz Hodeidah.

Die Versorgung mit Medizin und mit Lebensmitteln ist in vielen Landesteilen zusammengebrochen.

Im Jemen herrsche die derzeit größte Nahrungsmittelkrise der Welt, sagt UN-Nothilfekoordinator Jamie McGoldrick. Fast 18 Millionen Menschen seien dringend auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

Viele Tote bei Luftangriffen im Jemen
Jürgen Stryjak, SWR Kairo
26.12.2017 16:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 26. Dezember 2017 tagesschau24 um 11:00 Uhr und NDR Info um 18:30 Uhr.

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