Gudni Johannesson | picture alliance / AA

Islands Staatsoberhaupt bestätigt Ein Präsident wie "Kloppo"

Stand: 28.06.2020 13:00 Uhr

Es ist ein Ergebnis, wie man es sonst nur aus straffen Diktaturen kennt: Die Isländer haben ihren Präsidenten mit haushoher Mehrheit im Amt bestätigt. Er will es nach dem Vorbild eines deutschen Fußballtraines ausüben.

Ein Sieg mit überwältigender Mehrheit und dennoch keine Überraschung: Islands Präsident Gudni Johannesson ist mit einem Stimmenanteil von nicht weniger als 92,2 Prozent im Amt bestätigt worden. Der 52-jährige, parteilose Politiker setzte sich damit klar gegen seinen einzigen Herausforderer durch, den Nationalkonservativen Gudmundur Franklin Jonsson. Dieser kam auf nicht einmal acht Prozent.

Umfragen hatten schon vor der Wahl auf eine Zustimmungsrate von 90 Prozent hingedeutet. Er fühle sich "geehrt und stolz", sagte Johannesson, als sich das Ergebnis in der Nacht abzeichnete. Die Wähler hätten ihm "das Mandat erteilt, meine Rolle genauso fortzusetzen wie in den vergangenen vier Jahren." 

Ein Meistertainer als Vorbild

Wie er das Land führen wolle, hatte er zuvor in einem Interview des Senders RUV erläutert. Darin erklärte er, er wolle eine Führungspersönlichkeit sein wie der deutsche Fußballtrainer Jürgen Klopp, der sich jüngst mit dem FC Liverpool den ersten englischen Fußball-Meistertitel seit 30 Jahren sicherte.

"Er hat Verantwortung aber auch Bescheidenheit gezeigt. Er war wettbewerbsfähig aber auch höflich. Hart aber auch bescheiden", sagte Johannesson. Das sei guter Führungsstil. "Das ist die Art von Präsident, die ich in den kommenden vier Jahren sein möchte."

Die Corona-Pandemie hatte die Wahl kaum beeinflusst. In dem Inselstaat gelten derzeit nicht mal zehn Menschen als infiziert. Bei der Stimmabgabe sollten die Wähler dennoch einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten, in den Wahllokalen stand Desinfektionsmittel bereit. Wahlberechtigt waren rund 250.000 Bürger. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 67 Prozent.

Ein überwiegend repräsentatives Amt

Der Präsident in Island hat eine weitgehend repräsentative Rolle, er kann allerdings das Inkraftsetzen von Gesetzen verhindern und Referenden dazu ansetzen. Die politische Entscheidungsgewalt liegt bei der Regierung, die derzeit von Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir geführt wird.

Johannesson war 2016 zum jüngsten Präsidenten seit der Unabhängigkeit Islands 1944 gewählt worden. Seine Zustimmungswerte lagen laut dem MMR-Umfrageinstitut während seiner gesamten Amtszeit zwischen 76 und 86 Prozent, durchschnittlich rund 25 Prozent höher als die seines Vorgängers. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2020 um 10:00 Uhr.