Atomanlage im Iran | dpa

Weitere Zentrifugen Iran und USA streiten weiter über Atomabkommen

Stand: 04.11.2019 13:04 Uhr

Nach dem US-Rückzug aus dem Atomabkommen hatte der Iran angekündigt, sich ebenfalls nicht mehr in Gänze daran halten zu wollen. Nun hat das Land weitere Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb genommen.

Nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen hat der Iran ein weiteres Mal die Vorgaben des Deals missachtet. Der Chef des nationalen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, teilte mit, das Land betreibe nun 60 IR-6-Zentrifugen zur Anreicherung von Uran. Damit hat sich ihre Zahl verdoppelt.

Es würden nun täglich fünf Kilogramm angereicherten Urans produziert, sagte Salehi im staatlichen Fernsehen. Das bedeutet eine Steigerung um das Zehnfache gegenüber der noch vor zwei Monaten produzierten Menge. Zudem entwickelt der Iran laut Salehi eine Zentrifuge, die 50 Mal schneller arbeite als im Atomvertrag zugelassen.

Die Ankündigung fällt auf einen für die iranisch-amerikanischen Beziehungen brisanten Tag: Vor genau 40 Jahren hatten radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran gestürmt und die Mitarbeiter als Geiseln genommen - aus Protest, weil die USA dem gestürzten Schah Reza Pahlavi Zuflucht gewährt hatten.

"Nieder mit den USA"

Anlässlich des Jahrestages nahmen in Teheran heute Tausende Schüler und Studenten an einer Veranstaltung vor der ehemaligen US-Botschaft teil. Mit dem Slogan "Nieder mit den USA" verurteilten die Teilnehmer die Politik des "Großen Satans". Die Botschaftsbesetzung wird von den Hardlinern im Land immer noch als revolutionäre Heldentat und Sieg über den US-Imperialismus gefeiert.

Die seit dem Vorfall belasteten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran schienen sich 2013 und in den Folgejahren kurzfristig zu normalisieren. In dieser Zeit nahmen beide Seiten auf Außenministerebene direkte Verhandlungen auf, was letztendlich zu dem Wiener Atomabkommen von 2015 führte. Die Lage änderte sich allerdings schlagartig mit der Präsidentschaft von Donald Trump.

USA-feindliche Demonstration in Teheran | ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX

Tausende Schüler und Studenten beteiligten sich an einer USA-feindlichen Demonstration in Teheran. Bild: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX

Festhalten am Vertrag auch ohne USA

Er zog sich 2018 einseitig aus dem Vertrag zurück und verhängte wieder Sanktionen gegen den Iran - vor wenigen Tagen erst gegen den Bausektor des Landes. Der Iran reagierte, indem er sich an einzelne Vertragsvorgaben nicht mehr hielt.

Während die USA den Vertrag als nichtig ansehen, wollen die restlichen Vertragspartner Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China, daran festhalten.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Überschrift des Artikels nachträglich geändert.