Menschen mit gelber Atemmaske stehen Anfang November 2019 in Neu Delhi. Im Hintergrund ist das India Gate in Smog eingehüllt. | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Luftverschmutzung Indiens Justiz macht Druck beim Smog

Stand: 26.11.2019 17:11 Uhr

Erst Anfang des Monats musste in Indiens Hauptstadt der Gesundheitsnotstand ausgerufen werden - wegen der hohen Luftverschmutzung. Nun verschärft das oberste Gericht den Ton gegenüber der Politik.

Der indische Supreme Court, das höchste Gericht des Landes, erhöht im Kampf gegen die hohe Luftverschmutzung den Druck auf die Politik. In einer online veröffentlichen Verfügung forderte das Gericht die Regierungen besonders stark betroffener Bundesstaaten auf, Maßnahmen für eine bessere Luftqualität umzusetzen.

Vor allem in der Hauptstadt Neu-Delhi sowie in den umliegenden Bundesstaaten ist das Problem der verschmutzten Luft akut. Laut WHO sind unter den weltweit am meisten verschmutzten Städten 14 indische.

Millionen Menschen müssen früher sterben

Es sei die verfassungsmäßige Pflicht der Regierungen, für bessere Luft zu sorgen, heißt es in der Verfügung. Und die Mitglieder des Supreme Court warnten explizit vor den gesundheitlichen Risiken, die die Luftverschmutzung für die Bevölkerung mit sich bringe. Millionen von Menschen müssten aufgrund der Folgen früher sterben.

Darum forderten die Richter Entschädigungszahlungen für die Betroffenen. Die Regierungen sollten sich innerhalb von sechs Wochen zu dem Vorschlag äußern und eventuell Gegenargumente anbringen.

Feinstaubbelastung in Neu-Delhi auf Rekordwert

Erst Anfang des Monats hatte Neu-Delhi den Gesundheitsnotstand ausgerufen: Millionen Atemmasken wurden verteilt, Schulen blieben geschlossen. Die Werte der Feinstaubbelastung erreichten ein Rekordniveau. Die gemessenen Werte der Feinstaubpartikel PM 2,5 lagen bei bis zu 900 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: In Deutschland gilt ein durchschnittlicher Grenzwert von 20, bei Überschreitung von 50 Mikrogramm werden in einigen deutschen Großstädten Fahrverbote verhängt. Auch die indische Regierung verhängte zumindest partielle Fahrverbote in der Metropole.

Das Problem liegt auch in der Landwirtschaft

Es ist aber nicht nur der Smog, der durch Verkehr, Fabriken und den Staub von Baustellen, in die Luft gelangt und so die Feinstaubbelastung in die Höhe treibt. Ein großes Problem liegt auch in der Landwirtschaft: Bauern brennen abgeerntete Felder ab, um sie schnell und auf günstigem Wege für die neue Aussaat vorzubereiten. In der kühleren Jahreszeit nimmt die Luft den Rauch von den Feldern auf und trägt ihn bis in die großen Städte.

Eigentlich ist diese Praxis bereits seit Längerem verboten, doch wenige Landwirte halten sich daran und die Politik geht kaum gegen das Verbrennen vor. Nachdem der Gesundheitsnotstand in Neu Delhi ausgerufen worden war, erneuerte der Supreme Court das Verbot für die Bauern. Diese wiederum hatten ebenfalls Entschädigung gefordert, sollten sie auf das Abbrennen ihrer Felder verzichten. Doch bisher ist für den Streit keine politische Lösung gefunden worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. November 2019 um 20:00 Uhr.

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