Ein indischer Arbeiter spritzt sich Wasser ins Gesicht, um sich an einem heißen Sommernachmittag abzukühlen. | Bildquelle: dpa

Aktionsplan in Indien Ahmedabad rüstet sich gegen die Hitze

Stand: 21.06.2019 05:01 Uhr

In diesem Jahr sind bereits mehr als 100 Menschen an extremen Temperaturen in Indien gestorben. In der Millionenstadt Ahmedabad hat man einen Aktionsplan gegen die Hitze entwickelt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Die Millionenstadt Ahmedabad im indischen Bundesstaat Gujarat hat aus der verheerenden Hitzewelle im Jahr 2010 gelernt. Mehr als 1300 Menschen waren damals ums Leben gekommen, als die Temperaturen tagelang bei über 50 Grad Celsius lagen. Besonders betroffen waren ältere und kranke Einwohner der Hauptstadt des Bundesstaates an der indischen Westküste, südlich der Wüstenregion Rajasthan, wo die Temperaturen im Sommer regelmäßig auf über 50 Grad steigen.

Damals sei der "Ahmedabad Heat Action Plan" beschlossen worden, der bis heute in Kraft sei, sagte Tejas Shah, der für den Aktionsplan zuständige Beamte:

"Als erstes haben wir ein Frühwarnsystem entwickelt. Auf der Grundlage von Wetterdaten für die nächsten sieben Tage informieren wir die Öffentlichkeit über die besondere Gefahrenlage. Ab 40 Grad Celsius gelten gelbe, orange oder rote Gefahr-Kennzeichnungen, rot bei über 45 Grad. Und die verbreiten wir über Informationstafeln, die Medien und sozialen Netzwerke. Und wir informieren die anderen Behörden, die Wasserbehörde, damit sie mehr Wasserlieferungen vorbereitet, die Verkehrsbehörde, denn viele Polizisten arbeiten draußen auf der Straße und sind der Hitze ausgesetzt und die Baubehörde, damit die Bauarbeiten an den extrem heißen Tagen eingestellt werden."

Schäfer mit durch die Hitze verendetem Vieh | Bildquelle: AFP
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Aufgrund der Hitze sind in Indien in diesem Jahr mehr als 100 Menschen gestorben und auch zahlreiche Tiere.

Aktionsplan reduziert Sterberate

Durch den Hitze-Aktionsplan sei die Sterberate während der heißen Sommermonate deutlich reduziert worden, sagte Tejas Shah. Die Einwohner von Ahmedabad seien nun aufmerksam und orientierten sich an den farbigen Kennzeichnungen für besonders heiße Tage.

"Wenn wir die Zahlen in den vergangenen Jahren vergleichen, mit der Situation im Jahr 2010, dann stellen wir fest, dass die Sterberate deutlich reduziert wurde. Im Jahr 2016 hatten wir eine ähnliche Hitzewelle, mit Temperaturen von 48 Grad, wie in diesem Jahr in Delhi. Und ich kann sagen, dass wir nur rund 15 Prozent so viele Hitzetote hatten, wie in 2010."

In diesem Jahr hat die Hitzewelle in Indien bereits den Tod von über 100 Menschen verursacht. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber allein im Bundesstaat Bihar waren am vergangenen Wochenende 76 vorwiegend ältere und kranke Menschen infolge der Hitze gestorben. In manchen Orten verhängten die Behörden Ausgangssperren.

In Ahmedabad suchen Kinder und Jugendliche Abkühlung im Fluss. | Bildquelle: DIVYAKANT SOLANKI/EPA-EFE/REX
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In Ahmedabad suchen Kinder und Jugendliche Abkühlung im Fluss.

Extreme Temperaturen

Auf den Straßen von Ahmedabad versuchen die Menschen mit den extremen Temperaturen klarzukommen. Ein junger Motorradfahrer hat die Lektion des Hitze-Aktionsplans schon verinnerlicht:

"Es ist ganz besonders heiß in diesen Tagen. Da vermeide ich es, zwischen eins und vier überhaupt rauszugehen. Auf dem Motorrad ist es besonders schlimm. Ich habe immer ein Taschentuch unter dem Helm, gegen den Schweiß. Und ich trinke viel, das hilft."

"Bei dieser Hitze fällt es allen schwer, überhaupt raus zu gehen. Wenn man draußen arbeiten muss, muss man viel trinken, um keinen Hitzeschlag zu bekommen. Und ganz besonders die Kinder sind bei dieser Hitze gefährdet."

Lage in den Slums besonders dramatisch

Hinter einer riesigen Werbetafel, auf deren LED-Bildschirm die Warnung der Stadtverwaltung vor der akuten Hitzewelle angezeigt wird, macht ein Arbeiter gerade eine Pause:

"Ich weiß nicht, was dort oben geschrieben steht. Es ist heiß und ich habe mein Wasser und trinke, soviel ich kann. Und mache Pause hier im Schatten."

In den Hütten der Slums ist die Lage besonders schlimm. Unter den Wellblechdächern der einfachen Behausungen steigen die Temperaturen bei dieser Hitze um einige Grad höher.

Neue Isolation für Dächer

Deshalb wurde im Rahmen des "Ahmedabad Heat Action Plans" eine flächendeckende Isolation der Hütten in Auftrag gegeben. Hasit Ganatore, der Chef der Firma Modroof:

"Wir haben ein Material aus Altpapier entwickelt, das besonders gut isoliert. Das wird mit einer wasserfesten Schicht beklebt und mit Metall verstärkt, denn die Leute wollen auf das Dach gehen, dort sitzen und essen, sogar mit mehreren Personen. Wir haben festgestellt, dass die Temperatur in den Hütten im Vergleich mit den üblichen Dächern zwischen 6 und 10 Grad Celsius niedriger ist."

Auch in anderen indischen Bundesstaaten orientiert man sich inzwischen an dem Hitze-Aktionsplan der Stadt Ahmedabad. Nach einem Bericht des sogenannten Weltklimarates IPCC werden Hitzewellen auf dem indischen Subkontinent künftig häufiger vorkommen und noch höhere Temperaturen erreichen.

Schon viele Hitzetote in Indien
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
21.06.2019 09:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Weltbilder im NDR Fernsehen am 18. Juni 2019 um 23:30 Uhr.

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