Ein Hinduführer feiert die Freisprüche. | Bildquelle: AP

Zerstörung der Moschee von Ayodhya Freisprüche für Hindu-Politiker

Stand: 30.09.2020 21:56 Uhr

Die gewaltsame Zerstörung der Moschee in Ayodhya wühlt Muslime in Indien bis heute auf. Nach fast 30 Jahren wurden nun mehr als 30 Angeklagte freigesprochen. Das wollen muslimische Vertreter nicht hinnehmen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Großer Jubel bei den Hindus in Indien. Ein Gericht in Lucknow hat führende Politiker der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP freigesprochen, die wegen der Zerstörung der Moschee in Ayodhya im Jahr 1992 angeklagt waren. Unter ihnen ist der frühere Vize-Premierminister Lal Krishna Advani und mehrere frühere Minister der Zentralregierung. Ihnen war vorgeworfen worden, die Zerstörung des muslimischen Gebetshauses aus dem 16. Jahrhundert geplant und angeführt zu haben.

Bei den schweren Krawallen, die dadurch ausgelöst wurden, waren mehr als 2.000 Menschen ums Leben gekommen. Prashant Singh Atal, der Verteidiger der Angeklagten: "Das Gericht hat festgestellt, dass es keine Beweise für die erhobenen Vorwürfe der Konspiration und Beteiligung gab." Nach Ansicht der Richter habe es formale Fehler der Anklage gegeben, Video-Kassetten mit Beweismaterial seien manipuliert worden. "Für die Zerstörung der Moschee waren kriminelle chaotische Gruppen verantwortlich."

Die Moschee in Ayodhya vor ihrer Zerstörung | Bildquelle: AP
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Die Moschee in Ayodhya zwei Jahre vor ihrer Zerstörung.

Hindu-Extremisten zerstörten 1992 die Babri-Moschee. | Bildquelle: AP
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1992 rissen Hindu-Extremisten die jahrhundertealte Babri-Moschee nieder.

Ayodhya - das spirituelle Zentrum der Hindus

Auf Filmmaterial aus dem Archiv ist zu sehen, wie im Dezember 1992 radikale Hindus das schon weitgehend verfallene Gebäude stürmten und zum Einsturz brachten. Die für indische Verhältnisse kleine Stadt Ayodhya mit etwa 500.000 Einwohnern und angeblich mehr als 7.000 Tempeln gilt als das spirituelle Zentrum der Hindus. Hier soll der Gott Rama geboren sein, eine der bedeutendsten Gottheiten des Hinduismus. Und genau an der Stelle stand seit dem 16. Jahrhundert eine Moschee. Erbaut von dem Mogulherrscher Babur.

Die Muslime in Ayodhya reagierten mit Entsetzten auf das Urteil. Haji Mehboob, einer der Kläger, sagt: "Alle wurden freigesprochen. Das kann doch nicht wahr sein. Da muss es doch Druck von Seiten der Regierung gegeben haben. Bei solchen Urteilen ist das doch immer so." Auch Jaffaryab Jilani vom All India Muslim Law Board in Lucknow kam zu diesem Schluss: "Das ist doch ein willkürliches Urteil, das sich weder auf die Beweise stützt noch auf das geltende Recht. Das widerspricht sogar dem Strafrecht des Landes."

Hindu-Tempel darf gebaut werden

Der Sturm auf die Moschee vor 28 Jahren war der Höhepunkt einer geradezu fanatisch geführten Kampagne radikaler Hindus, die schon in den 1980er-Jahren begonnen hatte. Die heutige Regierungspartei BJP war damals eine kleine politische Bewegung ohne viel Einfluss. Zusammen mit ihrer straff organisierten Untergruppierung RSS starteten die BJP-Führer einen Marsch von Gujarat im Westen Indiens durch das ganze Land, bis nach Ayodhya. Sie forderten die Vertreibung der Muslime vom Geburtsort des Gottes Rama und den Bau eines Tempels.

Im November vergangenen Jahres hatte der Oberste Gerichtshof in Delhi einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen Hindus und Muslimen um das Gelände zugunsten der Hindus beendet und grünes Licht für den Tempelbau gegeben. Anfang August wurde der Grundstein gelegt.

Freisprüche im Fall der zerstörten Moschee von Ayodhya
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
01.10.2020 06:07 Uhr

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