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Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.  | Bildquelle: dpa

Globale Impfallianz Mit Gavi gegen Covid-19

Stand: 04.05.2020 11:12 Uhr

7,5 Milliarden Euro sollen bei einer internationalen Geberkonferenz zusammenkommen, um einen Corona-Impfstoff zu entwickeln. Wichtiger Akteur ist die globale Impfallianz Gavi. Wer ist das?

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Ghana in Westafrika vor einem Jahr: Erstmals werden in einem Pilotversuch Kleinkinder gegen das von Stechmücken übertragene Tropenfieber Malaria geimpft, an dem laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle zwei Minuten ein Kind stirbt. Drei Jahrzehnte dauerte die Entwicklung des Impfstoffs. Finanziert wurde das Mittel unter anderem von Gavi, der globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung.

Gegründet wurde die Allianz im Jahr 2000 auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos. Damals stagnierten in den ärmsten Ländern der Welt die Impfraten oder waren gar rückläufig, erzählt Gavi-Geschäftsführer Seth Berkley: "Da waren wirksame neue Impfstoffe verfügbar, die aber nicht die Menschen erreichten, bei denen sie die größte Wirkung gehabt hätten - Menschen in Entwicklungsländern, die keinen Zugang zu medizinischer Behandlung und anderen Möglichkeiten zur Vermeidung von Infektionen hatten."

Impfungen für Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern

Ziel von Gavi ist es, Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern den Zugang zu Impfungen zu vereinfachen und die Gesundheitssysteme dort zu stärken. Seit ihrer Gründung wurden mit Hilfe der Allianz mehr als 760 Millionen Kinder gegen lebensbedrohliche Krankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis B oder Gelbfieber geimpft.

Seth Berkley (Archivbild 2015) | Bildquelle: dpa
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Seth Berkley ist Epidemiologe und seit 2011 Geschäftsführer von Gavi (Archivbild 2015).

Mehr als 13 Millionen Menschenleben habe man gerettet, so Berkley. "90 Prozent der Kinder in der Welt erhalten mindestens eine Routineimpfung." In den vergangenen 20 Jahren habe man feststellen können, dass die durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten um 70 Prozent zurückgegangen seien und sich die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren insgesamt halbiert habe.

Öffentliche und private Geldgeber

Bei ihrer Arbeit setzt Gavi auf öffentliche und private Partner. Mitglieder sind Regierungen, die WHO, das Kinderhilfswerk UNICEF oder die Weltbank, aber auch die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die Hunderttausende Dollar zur Verfügung stellte, sowie Pharmafirmen.

Letzteres sorgte für Kritik: Die Industrie nehme Einfluss auf die Arbeit der Impfallianz. Geschäftsführer Berkley entgegnet dem, gemeinsam könne man mehr erreichen als jede Institution für sich allein. "Es ist entscheidend, dass wir mit den Pharmaunternehmen zusammenarbeiten. Weil wir Impfstoffe für etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung kaufen, ist Gavi in der Lage, viel bessere Preise auszuhandeln als jede Regierung einzeln."

Die Impfallianz lässt die Länder festlegen, welche Impfungen sie benötigen. Auch müssen sie einen Teil der Programme selbst finanzieren und überwachen. So soll das Verantwortungsgefühl der Staaten und die Nachhaltigkeit der Programme gesichert werden.

Zukünftiger Corona-Impfstoff muss allen zugänglich sein

Die derzeitige Coronavirus-Pandemie betrachtet man bei Gavi als echte Herausforderung. So engagiert sich die Allianz bereits jetzt dafür, dass ein künftiger Impfstoff für alle verfügbar sein muss.

Man müsse eine Vereinbarung erzielen, die auch Entwicklungsländern den Kauf von Impfstoffen ermöglicht, mahnt Gavi-Chef Berkley. "Und wir müssen sicherstellen, dass die Produktionskapazitäten so groß sind, dass eine ausreichende Anzahl von Impfdosen hergestellt werden kann, sodass wir alle Menschen auf der Welt impfen können."

Andere Krankheiten nicht außer Acht lassen

Außerdem betont Berkley, wie wichtig es ist, dass neben dem Kampf gegen Covid-19 die Impfprogramme gegen andere Krankheiten nicht vernachlässigt werden. Man müsse weiterhin sicherstellen, dass diese Krankheiten nicht ausbrechen, denn sonst wären die Gesundheitssysteme und das Gesundheitspersonal überfordert. "Das sorgt für Durcheinander und das kann viele Menschenleben kosten."

Impfkampagnen, etwa gegen Malaria, davon ist man bei Gavi überzeugt, müssen also trotz Coronavirus weitergehen. Neben der heutigen Geberkonferenz, bei der Mittel für den weltweiten Kampf gegen Covid-19 gesammelt werden, ist für Anfang Juni eine weitere Geberrunde geplant. Dann geht es allein um die Finanzierung der Arbeit der Impfallianz in den kommenden fünf Jahren.

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Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
04.05.2020 09:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Mai 2020 um 11:20 Uhr.

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