Ein Bild des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu auf seinem Grab | Bildquelle: dpa

Rumänien Die Revolution von 1989 kommt vor Gericht

Stand: 08.04.2019 20:51 Uhr

1989 stürzte das Ceausescu-Regime in Rumänien. Binnen weniger Tage starben Hunderte Menschen. Die Ereignisse wurden nie aufgearbeitet, doch das soll sich nun ändern. Ein früherer Präsident soll auf die Anklagebank.

30 Jahre nach dem Sturz des kommunistischen Regimes unter dem Diktator Nicolae Ceausescu sollen die dramatischen und blutigen Ereignisse vom Dezember 1989 vor Gericht aufgearbeitet werden. Generalstaatsanwalt Augustin Lazar teilte mit, die Anklageschrift gegen den früheren Präsidenten und Nachfolger Ceausescus, Ion Iliescu, und zwei weitere hochrangige Ex-Politiker sei fertiggestellt und an das Gericht weitergeleitet worden.

Im Wendejahr 1989 war es auch in Rumänien zu Protesten gegen die kommunistische Herrschaft gekommen, die schließlich auf die Hauptstadt Bukarest übergriffen. Am 22. Dezember floh Ceausescu vor wütenden Demonstranten, wurde aber noch am selben Tag von Revolutionskräften festgesetzt. Drei Tage später wurde er zusammen mit seiner Frau Elena von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und umgehend hingerichtet.

Der rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu (li.) mit seiner Frau Elena bei einem Deutschlandbesuch. (Archivbild von 1984)
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Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena wurden 1989 auf der Flucht gefasst und nach einem kurzen Prozess hingerichtet. (Archivbild von 1984)

Neun Tage im Dezember

Im Prozess geht es darum zu klären, warum auch nach Ceausescus Flucht bis zum 30. Dezember 1989 insgesamt 862 Demonstranten von Sicherheitskräften getötet wurden. Dem heute 89-jährigen Iliescu wurde vorgeworfen, in diesen Tagen bewusst Chaos provoziert und Todesopfer in Kauf genommen zu haben, um die eigene Macht zu legitimieren.

Die Ermittlungen dazu hatten bereits 1996 begonnen. Seither wurde das Verfahren immer wieder eingestellt und neu aufgenommen. Zuletzt sah sich die rumänische Staatsanwaltschaft 2016 durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg (EGMR) zur Wiederaufnahme genötigt. Das EGMR hatte Rumänien zu hohen Schmerzensgeldzahlungen an 17 Rumänen verurteilt, deren Angehörige während der blutigen Wende getötet worden waren.

Ion Iliescu - hier auf einem Bild aus dem Jahr 2003 bei einem Besuch des Schlosses Sanssouci in Potsdam | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Welche Rolle spielte Iliescu in den Revolutionstagen von 1989? Das soll nun ein Gericht aufklären.

Das frühere Staatsoberhaupt äußerte sich bislang nicht zur Anklageerhebung. Doch seine Ansicht darüber ist bekannt. 2016 hatte Iliescu sich als unschuldig bezeichnet und auf revolutionäre Umstände verwiesen. Sein späterer Nachfolger im Amt, der heutige Staatspräsident Klaus Iohannis, begrüßte dagegen die Anklagen. Die Verbrechen der Revolution dürften nicht unbestraft bleiben, erklärte er.

Mit Informationen von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Anklage gegen Ex-Staatschef Iliescu
Andrea Beer, ARD Wien
08.04.2019 19:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2019 um 23:00 Uhr.

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