Eine Filiale der Restaurant-Kette "Waffle House" im Südosten der USA | Bildquelle: AFP

Hurrikan "Florence" Katastrophenschutz dank "Waffle House"-Index

Stand: 13.09.2018 11:28 Uhr

Die US-Behörden haben eine Methode entwickelt, um nach einem Hurrikan die Lage einzuschätzen. Sie nutzen die Stromversorgung einer Restaurantkette als Indikator - den "Waffle House"-Index.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag sind die Filialen der Kette "Waffle House" geöffnet. Dafür sind die Schnellrestaurants in den USA bekannt. Und das Unternehmen nimmt das Versprechen sehr ernst, selbst wenn schwerste Unwetter herrschen. Auch nachdem der Hurrikan "Florence" auf die Küste der USA getroffen ist, soll der Betrieb weiterlaufen. Für den Katastrophenschutz hat die Kette deshalb eine besondere Bedeutung.

Floridas Senator Bill Nelson sagt: "Wenn 'Waffle House' nach einem Hurrikan geöffnet hat, dann heißt das, es gibt Strom und Wasser. Wenn 'Waffle House' aber geschlossen hat, sieht es schlecht aus."

Als inoffizieller Indikator etabliert

In der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA hat sich der "Waffle House"-Index seit Jahren schon als inoffizieller Indikator für das Ausmaß von Stürmen etabliert. Der Index funktioniert wie eine Ampel: Grün bedeutet: nur kleine Schäden, es gibt Strom. Gelb bedeutet, dass es ein begrenztes Angebot in den Filialen und möglicherweise Probleme bei der Stromversorgung gibt. Rot bedeutet, dass die Läden zu sind, es ist mit schwersten Schäden zu rechnen. 

Vor allem in den ersten Stunden nach einem Sturm könne der "Waffle House"-Index für die Behörden hilfreiche Informationen liefern, sagte Unternehmenschef Walt Ehmer dem Sender Fox. "Wenn wir wieder aufmachen können, dann mögen die Dinge schlecht aussehen, aber nicht furchtbar", so Ehmer. "Aber wenn wir nicht verkaufen können, ist das ein Zeichen dafür, dass die Umgebung in einem sehr schlechten Zustand ist."

Der Hurrikan Florence fotografiert von der Internationalen Raumstation. | Bildquelle: NASA HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutter
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Hurrikan "Florence" fotografiert von der Internationalen Raumstation. Der Sturm könnte schwere Schäden an der US-Ostküste verursachen.

Notfalls wird mit Gas gekocht

Nach eigenen Angaben trainiert die Restaurantkette ihre Mitarbeiter für solche Krisenfälle. In manchen Filialen der Kette stehen Stromgeneratoren bereit. Und notfalls wird mit Gas gekocht. Reporter berichten, es gebe Mitarbeiter, die während der schweren Stürme in der Nähe ihrer Filialen in Hotels übernachten, um auch unter widrigsten Bedingungen noch Eier, Speck, Toast und frische Waffeln zuzubereiten. Denn darum gehe es ja, sagt Firmenchef Ehmer. "Schon nach vielen Stürmen sind Kunden auf uns zugekommen und haben gesagt, es sei das erste warme Essen, dass sie seit einer Woche bekommen."

Auch im Fall von Hurrikan "Florence", der in den kommenden Tagen schwere Schäden an Amerikas Ostküste verursachen könnte, scheint "Waffle House" gerüstet. Die Lage in den 230 Filialen in der betroffenen Region wird aus einer firmeneigenen Sturm-Zentrale im Georgia überwacht.

US-Behörde nutzt Restaurantkette als Indikator für Schäden
Sebastian Schreiber, ARD Washington
13.09.2018 09:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2018 um 11:00 Uhr.

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