Antonio Guterres und Sergej Lawrow | AP

UN-Chef in Moskau Guterres fordert Waffenruhe in Ukraine

Stand: 26.04.2022 15:07 Uhr

Als "Botschafter des Friedens" war UN-Generalsekretär Guterres nach Moskau gereist. Nach einem Treffen mit Außenminister Lawrow forderte er eine Waffenruhe. Ein Treffen mit Putin soll folgen - nächste Station ist Kiew.

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich bei seinem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow für eine rasche Waffenruhe und ein Ende des Krieges in der Ukraine ausgesprochen. Er habe ein Interesse daran, alles zu tun, um den Krieg und das Leiden der Menschen zu beenden, sagte er in Moskau.

Obwohl die Lage in der Ukraine komplex sei und es "unterschiedliche Interpretationen dessen, was dort geschieht", gebe, sei ein Dialog möglich, so der UN-Generalsekretär. Er sei bereit, die Ressourcen der Vereinten Nationen in vollem Umfang zu mobilisieren, um Leben zu retten. "Tausende Zivilisten benötigen dringend lebensrettende humanitäre Hilfe", sagte Guterres.

Krieg lässt Lebensmittelpreise steigen

Die Vereinten Nationen seien "äußerst daran interessiert, Wege zu finden, um die Bedingungen für einen effektiven Dialog, für einen möglichst baldigen Waffenstillstand und für eine friedliche Lösung zu schaffen", sagte Guterres. Es gehe ihm auch darum, die Auswirkungen der Gefechte in der Ukraine auf die Lebensmittelsicherheit in anderen Teilen der Welt zu vermindern.

Der Krieg habe schon jetzt weltweit auch Auswirkungen auf die Preise bei Lebensmitteln und Energie, sagte der UN-Chef. Deshalb sei es nötig, den Dialog zu führen und eine Waffenruhe zu erreichen, um die Bedingungen für eine friedliche Lösung des Konflikts zu finden.

Guterres: Vorwürfe von Kriegsverbrechen aufklären

Guterres äußerte sich zudem besorgt über mögliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine. Die Vorwürfe gegen die russischen Streitkräfte müssten unabhängig untersucht werden, sagte er. Die Vereinten Nationen seien bereit, alles dafür zu tun, um Menschenleben in der belagerten Hafenstadt Mariupol zu retten.

Er schlug die Bildung einer trilateralen Gruppe zur Lösung humanitärer Probleme in der Ukraine vor, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von UN sowie den Regierungen in Kiew und Moskau. Diese Kontaktgruppe könne die Sicherheit von Fluchtkorridoren gewährleisten, sagte Guterres.

Lawrow beklagt Errichtung monopolarer Welt

Vor seinem Treffen mit dem UN-Generalsekretär hatte Lawrow gesagt, er wolle mit Guterres über die Situation rund um die Ukraine reden, die "Auslöser einer großen Zahl von Problemen sind, die sich im Laufe der jüngsten Jahrzehnte in der Euro-Atlantik-Region angehäuft haben". Sprechen wolle Russland aber auch über die Entwicklung der Vereinten Nationen insgesamt. Lawrow beklagte, es gebe Tendenzen im Westen, eine monopolare Welt zu errichten.

Guterres war als "Botschafter des Friedens" - wie er selbst sagte - nach Moskau gereist. Nach dem Treffen wies Lawrow wiederum den Vorschlag der ukrainischen Regierung zurück, in Mariupol Friedensgespräche zu führen. Russland sei zwar an einer diplomatischen Lösung interessiert. Es sei aber noch zu früh, um darüber zu sprechen, wer bei den Verhandlungen vermitteln werde.

Guterres trifft Putin und Selenskyj

Für Guterres war es die erste Reise nach Moskau seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Nach seinem Gespräch mit Lawrow wollte der UN-Chef auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Nach seinem Russland-Aufenthalt reist Guterres über Polen in die Ukraine weiter, wo er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammenkommen will.

Zuletzt war der Druck auf Guterres gestiegen, eine aktivere Rolle in dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine einzunehmen. Die ukrainische Regierung hatte die Abfolge seiner Reise scharf kritisiert. Er sehe "in dieser Reihenfolge weder Gerechtigkeit noch Logik", sagte Selenskyj.

Erdogan telefoniert mit Putin zu Fluchtkorridoren

Unterdessen setze sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat mit Putin für sichere Fluchtrouten in der Ukraine ein. Erdogan habe in dem Gespräch bekräftigt, wie wichtig Fluchtkorridore für Zivilistinnen und Zivilisten seien und erneut einen Waffenstillstand gefordert, teilte das Präsidialamt mit.

Die Türkei werde weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Die "positive Dynamik" von Friedensgesprächen in Istanbul müsse fortgesetzt werden und komme allen zugute, hieß es. Erdogan habe außerdem angeboten, die Gespräche in Istanbul mit einem Treffen zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wieder aufzunehmen.

Die Türkei unterhält gute Beziehungen zu den Regierungen in Moskau und Kiew und sieht sich als Vermittler im Ukraine-Krieg. Im März hatten sich Delegationen beider Seiten zu Verhandlungen in Istanbul getroffen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. April 2022 um 13:01 Uhr.