Eine Kontrollstation für Lkw am Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich. | dpa

Nach Reisebeschränkungen Der Verkehr rollt wieder an

Stand: 23.12.2020 10:41 Uhr

Hoffnung für Tausende Lkw-Fahrer im südenglischen Dover: Frankreich lässt den Frachtverkehr aus Großbritannien wieder zu. Voraussetzung ist ein negativer Corona-Test. Bis der Stau aufgelöst ist, dauert es aber wohl noch Tage.

Frankreich hat die wegen der neuen Coronavirus-Variante verhängte Beschränkung für Reisen aus Großbritannien wieder gelockert. EU-Bürger sowie Briten dürfen ab heute wieder einreisen. Das teilte die französische Regierung in Paris mit - zwei Tage nachdem die Reisebeschränkung verhängt worden war. Voraussetzung ist aber ein negativer Corona-Test.

Aufgrund einer mit den britischen Behörden erzielten Einigung werde der Verkehr mit Schiffen, Zügen und Flugzeugen wieder starten, erklärte der französische Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari. Der für die Einreise nach Frankreich benötigte Corona-Test darf nicht älter als 72 Stunden sein und muss auch die neue Variante des Coronavirus nachweisen können. 

"Kommen Sie nicht nach Dover, warten Sie erstmal ab"

Auch der Frachtverkehr aus Großbritannien solle heute wieder anlaufen. Der Hafen im südenglischen Hafen Dover kündigte seine Wiederöffnung für Fahrten in Richtung Frankreich an. Noch immer warten dort Tausende Lkw-Fahrer.

Der britische Verkehrsminister Grant Shapps versicherte, es seien genügend Tests unterwegs. Gleichzeitig warnte er aber: "Kommen Sie nicht nach Dover, warten Sie erst mal ab". Es könne zwei, drei Tage dauern, bis der Stau aufgelöst sei.

Handgemenge zwischen Lkw-Fahrern und Polizisten

Zwischen den wartenden Lastwagenfahrern und der Polizei kam es zwischenzeitlich auch zu Schubsereien und Handgemenge. Frustrierte Fahrer hätten die Polizei ausgepfiffen, einige versuchten, an den Beamten vorbeizukommen, wie britische Medien berichteten.

London und Paris hatten bis zuletzt offenbar um die Frage gerungen, welche Tests durchgeführt werden sollen. Die französische Regierung hat Labortests gefordert, weil diese als verlässlicher gelten, allerdings muss man auf deren Ergebnis 24 bis 48 Stunden warten. Das erschien der britischen Regierung als nicht praktikabel. Stattdessen sollen die Lkw-Fahrer nun einen Schnelltest machen dürfen, sofern gesichert ist, dass der das mutierte Virus erkennt.

Lkw auf einem Parkplatz bei Dover | AP

Tausende Lkw-Fahrer mussten auf Parkplätzen auf ihre Weiterfahrt warten. Bild: AP

Bis zu 4000 Lkw warten auf Weiterreise

Nach Angaben der Regierung stehen knapp 3000 Lkw auf der Autobahn, einem alten Flughafengelände in der Nähe oder auf Straßen und in Ortschaften der Umgebung. Vertreter der Transportindustrie sprechen von bis zu 4000. Viele mussten die dritte Nacht in ihren Fahrzeugen verbringen und berichten, dass es kaum Versorgung gibt, während sie in ihren Kabinen festsitzen und die nächste Einkaufsmöglichkeit viele Kilometer entfernt ist. Einige der Lkw haben verderbliche Ware wie Fisch oder Meeresfrüchte geladen.

Frankreich hatte die Grenze in der Nacht von Sonntag auf Montag geschlossen. Inzwischen haben mehr als 50 Länder die Einreise aus Großbritannien gestoppt, nachdem hier eine neue, sich besonders schnell verbreitende Mutation des Corona-Virus festgestellt wurde. Gestern meldeten die britischen Behörden fast 37.000 Neuinfektionen, das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen und Imke Köhler, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2020 um 06:00 Uhr.