Brautpaar Afia und Marcus Taylor bei Zeremonie am Strand in Ghana | Bildquelle: Norbert Hahn

Nach Tod von George Floyd Ghana buhlt um schwarze US-Bürger

Stand: 08.06.2020 11:19 Uhr

In Ghana wird der Tod von George Floyd zum politischen Symbol. Denn das westafrikanische Land wirbt seit Jahren wie kein anderes um die Ansiedlung von schwarzen US-Amerikanern.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

"Wo immer Unrecht ist, bedroht es das Recht überall", zitiert Ghanas Tourismusministerin Barbara Oteng-Gyasi US-Bürgerrechtler Martin Luther King. Sie gibt die Richtung vor: Die "heißesten Plätze in der Hölle" seien für jene reserviert, die Verbrechen begingen wie das an George Floyd, der "unter Schmerzen ermordet worden war". Und sie sagt, was ihr auch sehr wichtig ist auf der Trauerfeier in der Hauptstadt Accra: "Ein besonderer Willkommensgruß geht an unsere Brüder und Schwestern in der Diaspora in Ghana."

Signale an die ghanaische Nation, symbolträchtig ausgesendet vom Du Bois Memorial Centre in Accra. William Edward Burghardt du Bois, US-Bürgerrechtler, war nach der Unabhängigkeit Ghanas 1957 ins Land gekommen. Hier starb er auch 1963. Er ist Mitbegründer des "Pan-Afrikanismus", der die Einheit aller afrikanischen Menschen weltweit, unabhängig von ihrer Ethnie oder Nationalität, zum Ziel hat. Ghana steht dafür wie kein anderes Land auf dem Kontinent.

Karte: Ghana
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Ghana liegt im Westen Afrikas und grenzt an die Elfenbeinküste, Burkina Faso und Togo.

Erfolgreich nach Umzug von USA nach Ghana

Für Menschen wie Marcus Taylor hat das immer noch eine große Bedeutung. Im vergangenen Jahr war er aus den USA nach Ghana gekommen, hatte sich dort niedergelassen, wo Afia aus Los Angeles bereits war: in Accra, der Hauptstadt. Inzwischen sind sie ein Paar, haben geheiratet. Beide sind wirtschaftlich unabhängig, Marcus, der Bodybuilder, betreibt ein Fitnessstudio.

Er ist sich sicher, das Richtige getan zu haben: "Schwarze in den USA sind machtlos. Sie sind nicht in der Lage, die Gewalt zu stoppen. Wo du Armut siehst, wird es keine Gerechtigkeit geben." Viele alte Freunde würden nun nachfragen, sich einen Umzug überlegen: "'Ich sehe, dir geht es gut, dein Geschäft läuft', sagen sie. Das ist gut, denn das ist es, was ich wollte."

Afia und Marcus Taylor nach der Einbürgerungsfeier in Accra, Ghana. | Bildquelle: Norbert Hahn
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Afia und Marcus Taylor sind von den USA nach Ghana gezogen und haben ihr Glück gefunden. Hier posieren sie stolz beim Erhalt der Staatsbürgerschaft des westafrikanischen Landes.

"Jahr der Rückkehr" brachte US-Bürger nach Ghana

400 Jahre nach Beginn des transatlantischen Sklavenhandels hatte die ghanaische Regierung 2019 zum "Jahr der Rückkehr" ausgerufen. Um fast ein Drittel war die Zahl der US-Bürger angestiegen, die das westafrikanische Land besuchten - eine Region, die eine zentrale Rolle im Sklavenhandel gespielt hatte. Einige Hundert blieben als Einwanderer, 100 erhielten in einer großen Zeremonie zum Jahresende die Staatsbürgerschaft - so wie Marcus und Afia. Nun will die Regierung über die nächsten zehn Jahre bis zu 4,3 Millionen internationale Touristen ins Land schleusen.

Bei der Einwanderung war Ghana etwas weniger erfolgreich: Nur ein paar tausend afroamerikanische Einwanderer leben bislang im Land. Dennoch: Als Geschichtsbuch für alle US-Amerikaner ist das Land ein Magnet, das für die Tourismuswirtschaft funktioniert. Wenn keiner verprellt wird. "Unser Dank gilt allen weißen Menschen, die sich der Sache der Schwarzen angeschlossen haben", sagt die Tourismusministerin versöhnlich auf der Trauerfeier.

Polizeigewalt bleibt ein Problem

Letzter Absatz geändert: Auf Facebook, wo die Feier unter anderem live übertragen worden war, gibt es unterdessen Lob, aber auch Unruhe: Wie steht es eigentlich um Polizeigewalt in Ghana? Was zähle das Leben eines Journalisten, was zählten sieben tote, unbewaffnete Jungs aus den Zongos (Armenvierteln der muslimischen Minderheit) wird gefragt. Die Antwort liefert der Schreiber gleich mit: "Zongo lives don't matter."

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurden die Zongos als Minderheit bezeichnet. Zongos sind allerdings Bewohner der Armenviertel der muslimischen Minderheit.

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