Flüchtlinge kommen im Hafen von Thessaloniki an

Mehr Migranten aus der Türkei Aus Hunderten werden wieder Tausende

Stand: 11.09.2019 03:46 Uhr

Die Zahl der aus der Türkei auf die griechischen Inseln flüchtenden Menschen ist dramatisch gestiegen - und Präsident Erdogan droht mit weiteren Ausreisen. Das EU-Flüchtlingsabkommen könnte bald ganz scheitern.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Polizisten und viel Sicherheitspersonal sollen auf Lesbos rund um das umstrittene Flüchtlingslager Moria für Ruhe und halbwegs Ordnung sorgen. Routine ist zu spüren, auch Frust und Resignation. Grade kommen täglich einige Hundert neue Migranten dazu, der Druck im Lager steigt.

Rachel Ellis von der Schweizer Hilfsorganisation SAO sorgt sich um die Betreuung von Flüchtlingsfrauen außerhalb des Lagers und sagt, vielen könne medizinisch überhaupt nicht mehr richtig geholfen werden: "Für die, die jetzt neu ankommen, ist es absolut unmöglich, einen Termin im Krankenhaus zu bekommen", sagt sie.

Immer mehr Flüchtlinge auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland
tagesschau 16:00 Uhr, 11.09.2019, Michael Schramm, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Medizinische Versorgung kaum möglich

Das heiße ganz praktisch, dass chronische Erkrankungen weitgehend unbehandelt bleiben. "Das gilt sogar für Krebs, weil es keine Diagnose geben kann - und somit auch Flüchtlinge keine Rezepte mehr bekommen für das, was sie eigentlich bräuchten."

Mit fast 10.000 Bewohnern, Flüchtlingen hinter Stacheldraht, ist Moria auf Lesbos seit dem Wochenende noch mal extremer überfüllt als bislang schon. Darunter sind weiterhin auch viele Kinder. Die Lage auf den Inseln Samos oder Kos - ähnlich dramatisch.

Das Flüchtlingslager Moira auf Lesbos. | Bildquelle: AFP
galerie

Das Flüchtlingslager Moira auf der griechischen Insel Lesbos. Allein dort leben über 10.000 Menschen.

Erdogan erhöht Druck auf EU

Mehr als 8000 Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder Afrika sind alleine im August neu auf die griechischen Inseln geflüchtet. Und es könnten demnächst noch sehr viel mehr Syrer dazukommen - so drohte es der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vergangene Woche an.

Erdogan will den Druck auf die Europäische Union erhöhen, fordert mehr Geld für die Versorgung von syrischen Flüchtlingen in der Türkei, andernfalls würde sie die Tore öffnen: "Entweder geben Sie uns Unterstützung oder Entschuldigung - es gibt nur diese Chance - wir werden die Last nicht alleine tragen."

Zu wenig Unterkünfte auf dem Festland

Die im Juli neu gewählte griechische Regierung hatte schnelle Besserung bei der Versorgung der Flüchtlinge auf den Inseln versprochen. Davon sei noch nichts zu spüren, sagt Theodoros Alexellis vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), der auf gute Zusammenarbeit mit den Behörden bauen muss: "Wir haben Leute, die eigentlich die Insel verlassen dürften als anerkannte Asylbewerber - aber sie haben keine Chance, es gibt auf dem Festland für sie keine Unterkünfte."

Die Regierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagt, es gebe immer noch genug Platz auf dem Festland für neue Migranten. Hunderte Flüchtlinge werden zurzeit täglich mit Schiffen nach Athen oder Thessaloniki gebracht. Trotzdem sind auf Samos, Kos oder Lesbos die Zustände für Flüchtlinge noch mal dramatischer geworden.

Einen ersten Hilferuf an andere Länder in Europa gab es von der neuen griechischen Regierung vor wenigen Tagen. Sie will zunächst vor allem an die Einlösung ihrer Wahlversprechen gehen und es aus eigener Kraft schaffen - kürzt dabei aber beispielsweise auch bei der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge.

Regierung unterschätzt offenbar Ausmaß

Das kritisiert Nicolien Kegels, eine Ärztin im Feldhospital von Lesbos. Sie hat - selbst hochschwanger - ihren freiwilligen Dienst noch mal verlängert, um mitzuhelfen, ein neues, katastrophales Flüchtlingsdrama auf der Insel doch noch zu verhindern: "Die Lösung hängt immer davon ab, wie man das Problem einschätzt."

Sie sei nicht sicher, ob die neue griechische Regierung das wahre Ausmaß der Lage so erkenne, wie sich die Helfer das wünschten, sagt Kegels. "Eine Lösung aus ihrer Sicht dürfte vermutlich nicht die Lösung sein, die uns vorschwebt - eine menschlichere Lösung wäre in unseren Augen dringend nötig."

Der für Migration zuständige stellvertretende Minister für Bürgerschutz, Giorgos Koumoutsakos, nennt auf Nachfrage den Dezember - bis dahin wolle die neue Regierung ihr neues Konzept für Flüchtlinge auf den Inseln und dem Festland vorstellen. Flüchtlingshelfer sind sich in diesen Tagen einig, dass sich die Regierung angesichts der neuesten Ankunftszahlen nicht mehr so lange Zeit lassen kann.

Neue große Welle? Griechenland und die stark steigenden Flüchtlingszahlen
Michael Lehmann, ARD Istanbul
11.09.2019 06:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. September 2019 um 06:08 Uhr.

Darstellung: