Fischbrötchen mit Räucherlachs aus dem 3D-Drucker | BR/Yvonne Samsarova

Wiener Startup Veganer Lachs aus dem 3D-Drucker

Stand: 16.03.2021 16:31 Uhr

Sieht aus wie Lachs, schmeckt wie Lachs - ist aber rein pflanzlich und kommt aus dem 3D-Drucker. Ein Wiener Startup möchte mit dieser Idee durchstarten, denn vegane Alternativen zu Fischprodukten sind rar.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

"Mhm, schmeckt wie Lachs - ich finde es super." Michael Böhm ist überzeugt. Er hat gerade bei einer Verkostung in ein Bagel gebissen. Belegt ist das runde Gebäck mit dem typischen Loch in der Mitte mit einem besonderen Produkt: mit veganem Räucherlachs aus dem 3D-Drucker. "Ich war jetzt überzeugt, dass das echter Fisch ist", sagt er. "Vom Geschmack, von der Konsistenz und von der Farbe her. Ich finde es gut."

Robin Simsa hat die Verkostung organisiert. Er ist einer von drei Gründern des Startups Revofoods, das hinter dem veganen Räucherlachs steckt. Es seien zwar einige pflanzliche Alternativen für Fleisch auf dem Markt und auch vegane Fischstäbchen und Soja-Thunfisch gebe es schon, räumt Robin Simsa ein.

Srdjan Govedarica ARD-Studio Wien

"Aber wenn man an Lachs denkt - den meistgegessenen Fisch auf der Welt - da gibt es noch keine guten Produkte für Leute, die sich ein bisschen nachhaltiger ernähren wollen", sagt er. "Und das haben wir als große Chance gesehen und jetzt haben wir die erste Verkostung von unserem veganem Lachs."

Räucherlachs aus dem 3D-Drucker | BR/Yvonne Samsarova

"Mit dem 3D-Druck hat man die komplette Kontrolle über die Struktur", sagt Revofoods-Mitbegründer Robin Simsa. Bild: BR/Yvonne Samsarova

Erbsen, Algen und Öle

Simsa und seine Startup-Partner kommen aus den Bereichen Lebensmittelwissenschaft und Engineering. Sie haben lange getüftelt - denn es ist alles andere als einfach, Geschmack, Konsistenz und Aussehen von Fisch künstlich herzustellen. Am Ende hat sich eine Mischung aus Erbsenproteinen, Algenextrakten, Pflanzenfasern und pflanzlichen Ölen durchgesetzt. Daraus wird eine Art Teig gemacht, der dann erhitzt und in einen 3D-Drucker gegeben wird.

"Mit herkömmlichen Methoden ist es fast unmöglich, ein so komplexes Produkt wie Lachs in dieser Weise herzustellen", erklärt Simsa. "Lachs hat diese orangenen Muskelfasern und das weiße Bindegewebe." Das erfordere eine sehr genaue Kontrolle über die Struktur des Produkts. "Das hat man mit fast keiner anderen Herstellungsmethode. Aber mit dem 3D-Druck hat man die komplette Kontrolle über die Struktur."

Robin Simsa (2.v.r.) mit den anderen Gründern des Startups Revofoods. | BR/Yvonne Samsarova

Robin Simsa (2.v.r.) mit den anderen Gründern des Startups Revofoods. Bild: BR/Yvonne Samsarova

Volker Lammers ist am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik tätig. Aus seiner Sicht hat der Wiener Druckerlachs durchaus Potential: "Wenn Sie mich das vielleicht vor fünf oder zehn Jahren gefragt hätten, dann hätte ich gesagt, hmm, es ist wirklich nur eine kleine Nische." Damals seien die Produkte auch nicht so gut gewesen, sagt er. "Aber mittlerweile hat sich auch meine persönliche Meinung dazu geändert und ich sehe sogar die Notwendigkeit, dass wir mehr in diesem Bereich machen und diese Produkte noch besser machen."

"Wir sehen, dass das den Zeitgeist trifft"

Auch Simsa ist überzeugt, dass Ersatzprodukte wie sein veganer Lachs längst das Nischendasein verlassen haben - auch dank eines wachsenden Bewusstseins der Verbraucher, dass industrielle Tierhaltung umweltschädlich ist und auch große Fischfarmen und Aquakulturen einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben.

Noch kann man den veganen Räucherlach nirgendwo kaufen - Simsa rechnet aber damit, dass es in wenigen Monaten soweit sein wird: "Wir sehen, dass das den Zeitgeist trifft. Wir werden sehr oft angeschrieben von Leuten, die es toll finden, die es gerne probieren würden, aber die es auch gerne in ihrem Lokal verkaufen würden", sagt er. Deshalb habe sich das Startup in Wien ein kleines Partnernetzwerk aufgebaut aus Lokalen, in denen sie die Produkte anfangs verkaufen wollen. "Aber dann natürlich auch gerne möglichst bald in andere Länder expandieren, wie zum Beispiel Deutschland und die Schweiz."

Eine Verpackung mit Räucherlachs aus dem 3D-Drucker | BR/Yvonne Samsarova

So soll das fertige Produkt in der Verpackung bald verkauft werden. Bild: BR/Yvonne Samsarova

Zurück bei der Verkostung im Bagelshop in Wien: "Sehr rauchig, sehr fischig." Auch Jasmin Speer ist vom veganen Lachs angetan. Sie gibt dem Fisch aus dem 3D-Drucker gute Zukunftschancen. "Ich denke, das wird noch eine Weile dauern. Sobald es aber preislich massentauglich ist, denke ich, ist es auf jeden Fall zukunftstauglich - absolut."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 11:35 Uhr.