Mitglieder der ukrainischen Delegation landen mit einem Hubschrauber am Ort der geplanten Friedensgespräche mit Russland. | AFP

Treffen mit Kreml-Delegation Ukrainische Verhandler eingetroffen

Stand: 28.02.2022 11:37 Uhr

Die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland über eine mögliche Friedenslösung haben begonnen. Die Ukraine fordert einen "sofortigen Waffenstillstand" und den Abzug der Truppen. Russland will eine schnelle Einigung.

Eine ukrainische Delegation ist zu Gesprächen mit russischen Vertretern an der ukrainisch-belarusischen Grenze eingetroffen. Die Ukraine fordere einen "sofortigen Waffenstillstand" und den Abzug der russischen Truppen, teilte das ukrainische Präsidialamt mit. Die Abordnung der Ukraine wird von Verteidigungsminister Oleksij Resnikow geleitet. Er wird unter anderem von Präsidentenberater Mychailo Podoljak begleitet.

Nach Angaben von Podoljak und dem russischen Außenministerium haben die Verhandlungen am Mittag begonnen. Belarusische Staatsmedien meldeten, der belarusische Außenminister Wladimir Makej habe die Gespräche eröffnet. Die Kampfhandlungen gingen trotzdem weiter.

Die Gespräche finden in der belarusischen Grenzregion Gomel in der Nähe der zerstörten ukrainischen Atomanlage von Tschernobyl statt. 

Kreml: Verhandlungen hätten früher beginnen können

Russland hofft nach Kreml-Angaben auf eine rasche Einigung bei den Gesprächen. "Wir sind definitiv daran interessiert, so schnell wie möglich zu einer Einigung zu kommen", sagte der russische Unterhändler Wladimir Medinski dem russischen Fernsehen vor Beginn der Gespräche. Die Einigung müsse aber "im Interesse beider Seiten sein".

Der Kreml bedauerte, dass Verhandlungen erst jetzt zustande kommen - "obwohl die Gelegenheit dazu da war", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Staatsagentur Tass zufolge in Moskau. Die russische Delegation warte im Nachbarland "schon lange". Die Gespräche hätten auch in der Nacht zum Montag beginnen können, sagte Peskow. "Aber die Gegenseite ist gerade erst angereist."

Ukrainischen Berichten zufolge kam ein Treffen am Sonntag nicht zustande, weil sich die Anreise aus der Ukraine wegen der Gefechte als schwierig gestaltet habe.

Selenskyj: Wenig Hoffnung auf Ergebnis

Die Ukraine hatte Friedensgespräche in Russlands Partnerland Belarus zunächst abgelehnt. Das Land beteilige sich an Kampfhandlungen gegen die Ukraine, sagte Selenskyj. Er sei offen für alle Orte, "von denen aus keine Raketen auf die Ukraine geschossen werden".

Später ging der Präsident dann doch auf das Angebot der Russen ein. "Ich glaube nicht an ein Ergebnis dieses Treffens, aber lasst es uns versuchen", sagte Selenskyj. Er versuche, den Krieg zu stoppen, solange es eine minimale Chance gebe. Daran dürfe kein einziger Ukrainer zweifeln, sagte Selenskyj.

Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko hatte am Sonntag eingeräumt, dass russische Truppen von seinem Land aus die Ukraine angegriffen hätten. Zwei Raketen seien abgefeuert worden, "weil Kiew drei bis vier Raketendivisionen an der Grenze" zu Belarus stationiert habe, sagte Lukaschenko Staatsmedien zufolge.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Vatikan bietet Vermittlung an

Der Vatikan hat indes sein Angebot erneuert, im Krieg zwischen der Ukraine und Russland als Friedensvermittler einzuspringen. Der Heilige Stuhl sei "jederzeit bereit", den Konfliktparteien bei der Suche nach einer Lösung zu helfen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der oberste Diplomat des Kirchenstaates, in einem Interview mit mehreren italienischen Zeitungen.

"Ich wiederhole die dringende Aufforderung des Heiligen Vaters bei seinem Besuch in der russischen Botschaft, die Kämpfe zu beenden und zu Verhandlungen zurückzukehren." Papst Franziskus hatte am Freitag in einer außergewöhnlichen Aktion die russische Vertretung besucht. "Er ist dorthin gegangen, um seine Besorgnis über den Krieg auszudrücken", sagte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni.

Über dieses Thema berichteten am 28. Februar 2022 Deutschlandfunk um 11:00 Uhr und tagesschau24 um 12:00 Uhr.