Feuerwehrmänner kämpfen gegen einen Waldbrand in der Nähe von Manresa, Spanien. | REUTERS

Hitze in Süd- und Westeuropa Extreme Temperaturen und viele Brände

Stand: 19.07.2022 11:51 Uhr

Eine Hitzewelle hat weite Teile West- und Südeuropas fest im Griff. In Großbritannien ist es so heiß, dass Bahntrassen unbefahrbar sind. In Frankreich wüten Waldbrände. In den Niederlanden und Belgien gelten Hitzewarnungen.

Extreme Temperaturen haben den Bahnverkehr in Teilen Großbritanniens lahmgelegt. Wie der Streckennetzbetreiber Network Rail mitteilte, wurde der Betrieb auf den Hauptbahntrassen entlang der englischen Ostküste und in die Midlands komplett eingestellt. Die Menschen wurden aufgerufen, ihre Reisepläne zu ändern.

"Wir treffen diese Entscheidungen nicht leichtfertig. Unsere Techniker arbeiten sehr hart daran, die Infrastruktur auf ihre Widerstandsfähigkeit angesichts dieser Rekordhitze zu prüfen und wir haben beschlossen, dass wir keine andere Wahl hatten, als sie zu sperren", sagte der zuständige Network-Rail-Manager Jake Kelly der BBC.

Temperaturrekorde in Großbritannien erwartet

Erwartet werden in Teilen Englands im Laufe des Tages bis zu 42 Grad Celsius. Sollte sich das bestätigen, wäre es die höchste je gemessene Temperatur in Großbritannien. Der bisherige Temperaturrekord in Großbritannien liegt bei 38,7 Grad und wurde im Jahr 2019 in Cambridge gemessen. In der irischen Hauptstadt Dublin war es mit 33 Grad bereits so warm wie seit 1887 nicht mehr.

Der britische Wetterdienst Met Office hatte Ende vergangener Woche erstmals eine rote Wetterwarnung wegen der hohen Temperaturen ausgegeben. Die Nacht zum Dienstag war laut Met Office bereits die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die extreme Hitze sorgte am Londoner Flughafen Luton bereits für erhebliche Störungen. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen mit. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.

Hitze verursacht Luftverschmutzung in Frankreich

Verkehrseinschränkungen löste das Wetter auch in Frankreich aus. Wegen einer durch Sonne und Hitze verursachten Luftverschmutzung verhängte die Region Grand Est im Osten des Landes Einschränkungen für Autofahrerinnen und Autofahrer. Zu den Maßnahmen zählte etwa eine Temporeduzierung um 20 km/h auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen.

Zuvor waren in Frankreich in mehreren Orten die höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen verzeichnet worden. In Brest an der bretonischen Atlantikküste stieg die Temperatur auf 39,3 Grad Celsius und übertraf damit den bisherigen Hitzerekord gleich um mehr als vier Grad. In Nantes wurden 40,3 Grad gemessen, hier stammte der bisherige Rekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 1949.

Festnahme wegen Verdachts der Brandstiftung

Bei den Ermittlungen zu einem Waldbrand im westfranzösischen Département Gironde, der bereits 12.000 Hektar Wald zerstört hat, ist derweil ein Verdächtiger festgenommen worden. Die Ermittlungen zu dem Feuer in der Gemeinde Landiras hätten den Verdacht der Brandstiftung erhärtet, teilte die Staatsanwaltschaft von Bordeaux mit. Die Ermittlungen würden mit weiteren kriminaltechnischen Untersuchungen und der Befragung von Zeugen fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zuvor erklärt, bei dem Feuer im südlich von Bordeaux gelegenen Landiras bestehe der Verdacht der Brandstiftung. Demnach hatte ein Zeuge beobachtet, wie sich am Ort des Feuers ein Auto schnell entfernte. Laut Staatsanwaltschaft gab es am selben Tag in der Gegend weitere Feuer, außerdem drei weitere Ausbrüche in den folgenden Tagen.

Hitzewelle verschiebt sich nach Osten

In der Gironde wüten derzeit zwei große Waldbrände. Zusammen haben die Feuer rund 17.000 Hektar Wald zerstört; etwa 32.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Bei dem zweiten Waldbrand in La Teste-de-Buch nahe Arcachon gehen die Behörden davon aus, dass das Feuer durch einen in Brand geratenen Lieferwagen ausgelöst wurde.

Die Hitzewelle in Frankreich klingt im Westen des Landes nun voraussichtlich etwas ab. Der französische Wetterdienst Météo-France hob die höchste Hitze-Warnstufe für 15 Départements an der Atlantikküste auf. Für 73 der 101 Départements in Frankreich gilt jedoch weiterhin die zweithöchste Warnstufe. Im Osten des Landes soll es bis zu 40 Grad heiß werden.

Warnstufe "Orange" in den Niederlanden und Belgien

Auch in den Niederlanden erwartet der Wetterdienst Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad Celsius. Es gilt "Code Oranje" im Land: Menschen sollen körperliche Anstrengungen vermeiden, viel trinken und möglichst nicht in die Sonne gehen.

Im Nachbarland Belgien hat das Königliche Meteorologische Institut wegen ähnlich hoher Temperaturvorhersagen bereits vor einigen Tagen die vorletzte Warnstufe im Hitzelplan ausgerufen: orange. Durch das heiße Wetter werden zudem hohe Ozonwerte erwartet.

Häuser in der Toskana wegen Waldbrandes evakuiert

In Italien sind von heißen Temperaturen und schwüler Luft unter anderem Bozen, Brescia, Florenz und Perugia betroffen. Zudem sind auch hier die Feuerwehren weiter in Alarmbereitschaft und kämpfen landesweit gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus.

In der Toskana brachte die italienische Feuerwehr wegen eines großen Waldbrandes mehrere Bewohnerinnen und Bewohner in Sicherheit. Das Feuer brach in der Gemeinde Massarosa nördlich von Pisa aus, wie die Feuerwehr mitteilte. Laut des toskanischen Zivilschutzes hätten Winde aus Nordosten die Flammen weiter angetrieben, so dass sie auch Wohnhäuser bedrohten. Aus denen wurden rund 30 Menschen evakuiert. Die Behörden sperrten zwischenzeitlich immer wieder eine Verkehrsbrücke, die Lucca und Viareggio verbindet.

Brände auch in Spanien und Portugal

Weiterhin brannte es auch in Teilen Spaniens und Portugals. Die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände zerstörten in Spanien bisher nach amtlichen Schätzungen insgesamt 25.000 Hektar Wald sowie Dutzende Häuser, Läden und Fabriken.

In Portugal und Spanien starben mehrere Menschen bei Bränden oder durch Hitzeschläge.

Kreta: Tausende Olivenbäume zerstört

Auf der griechischen Insel Kreta zerstörten schwere Brände südlich der Hafenstadt Rethymno große Flächen landwirtschaftlich genutzten Landes. Dies sagte der Bürgermeister der Region, Giannis Tatarakis, dem griechischen Nachrichtensender "Real FM". Bislang seien mehr als 1850 Hektar landwirtschaftlich genutzten Landes verbrannt. "Es handelt sich hauptsächlich um Olivenbäume. Viele Menschen haben gar kein Einkommen mehr", sagte der Bürgermeister.

Die Feuerwehr dämmte das Feuer mit Löschhubschraubern, Löschflugzeugen und Hunderten Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern ein. Es sei Ende der vergangenen Woche ausgebrochen, berichtete der staatliche Rundfunk. Die Brandgefahr bleibt wegen der Trockenheit und starker Winde im gesamten Süden Griechenlands sehr hoch, warnte der Zivilschutz.

Mit Informationen von Nadia Aboulwafi, ARD-Studio Brüssel