Flammen lodern auf bei einem Waldbrand in der Nähe von Louchats in Frankreich | dpa

Hitze und Brände in Südeuropa Mancherorts so heiß wie nie zuvor

Stand: 18.07.2022 23:44 Uhr

Die Hitzewelle macht mehreren Ländern in Südeuropa weiter zu schaffen. Tausende Menschen mussten in Frankreich evakuiert werden, wo teils Rekordtemperaturen gemessen wurden. Gleiches erwartet Großbritannien, wo mit 48 schwierigen Stunden gerechnet wird.

Europa steuert auf heiße Sommertage zu. In Großbritannien und Frankreich werden nach Einschätzungen der Wetterdienste noch nie gemessene Rekordtemperaturen erwartet. Aber auch die Zahl der Waldbrände macht Teilen Südeuropas zu schaffen.

Meteorologen in Großbritannien rechnen mit Temperaturen über 40 Grad. Dies würde den bisherigen Rekord von 38,7 Grad 2019 deutlich übertreffen. "Uns stehen schwierige 48 Stunden bevor", sagte Staatssekretär Kit Malthouse dem Nachrichtensender BBC.

Krankenhäuser warnen vor Überlastung

Angesichts der Hitze hat die Regierung in London die nationale Notlage ausgerufen. Diese Warnstufe wird nach Angaben des britischen Wetteramtes nur dann angekündet, wenn Krankheiten und Todesfälle auch bei gesunden Menschen und nicht nur bei Risikogruppen auftreten.

Krankenhäuser befürchten, in den kommenden Tagen an ihre Belastungsgrenzen zu stoßen. Einige Schulen machten hitzefrei, während sich in anderen die Schülerinnen und Schüler mit Sprühwasser abkühlen konnten. Bahnbetreiber riefen dazu auf, nur zu reisen, wenn es unbedingt nötig sei. Der Betrieb auf der Bahnstrecke von London nach York und Leeds wurde aus Sorge vor Hitzeschäden für Dienstag zwischen 11.00 Uhr und 19.00 Uhr ausgesetzt. 

Grund ist der Klimawandel

Der Chefmeteorologe der britischen Wetterbehörde, Paul Gundersen, sagte, die Rekordhitze sei eindeutig dem Klimawandel geschuldet. Er und seine Kollegen seien besorgt, dass "beispiellose" Hitzetage wie diese bis Ende des Jahrhunderts ein regelmäßiges Phänomen werden könnten.

Höchsttemperaturen und Waldbrände in Frankreich

In Frankreich wurden in mehreren Orten die höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen verzeichnet. In Brest an der bretonischen Atlantikküste stieg die Temperatur auf 39,3 Grad und übertraf damit den bisherigen Hitzerekord gleich um mehr als vier Grad. In Nantes wurden 40,3 Grad gemessen, hier stammte der bisherige Rekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 1949.

Wegen durch Sonne und Hitze verursachter Luftverschmutzung verhängte die Region Grand Est, die sich von den Vogesen über das Elsass, Lothringen und die Ardennen bis zur Champagne erstreckt, Einschränkungen im Autoverkehr. Zu den Maßnahmen, die ab Dienstagmorgen greifen, zählen eine Temporeduzierung um 20 Stundenkilometer auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen. Zudem sollen verstärkt Geschwindigkeits- und Schadstoffkontrollen durchgeführt werden. Auch Trainings- und Testzeiten für Motorsportveranstaltungen sollen eingeschränkt werden. In der Region wird am Dienstag mit bis zu 40 Grad gerechnet.

In Frankreich gilt für 15 von 101 Départements die rote Warnstufe für Hitzewelle. Betroffen sind vor allem die Atlantikküste und erstmals auch die Bretagne. Südlich von Bordeaux am Bassin d'Arcachon sind bereits 15.000 Hektar Wald abgebrannt, vor allem Pinienwälder. Das entspricht etwas mehr als der Gesamtfläche des Stadtgebiets von Bonn.

Im Ort Teste-de-Buch gelangte das Feuer bis zum Atlantikstrand. Hier wurden 8000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Bei Landiras, südlich von Bordeaux weiter im Landesinneren gelegen, wurden zunächst 3500 Menschen in Sicherheit gebracht. Am Nachmittag begann dann die Räumung weiterer Gemeinden.

Bereits zuvor waren wegen der seit Dienstag wütenden Brände in dem Gebiet mehr als 16.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, auch Urlauber auf Campingplätzen. Südlich der Dune du Pilat, einem beliebten Reiseziel, waren immense Rauchwolken zu sehen. In der Region sind mittlerweile 1700 Feuerwehrleute im Einsatz.

Zweites Todesopfer bei Bränden in Spanien

Bei den verheerenden Waldbränden im Nordwesten Spaniens hat es ein zweites Todesopfer gegeben. In der Nähe der Ortschaft Escober de Tábara in der Provinz Zamora sei ein 69-jähriger Schäfer tot aufgefunden worden, teilten die örtlichen Behörden mit.

In der Nachbargemeinde Losacio war bereits ein Feuerwehrmann beim Löschen der Flammen ums Leben gekommen. Die Brände machten in den vergangenen Tagen Zehntausende Hektar dem Erdboden gleich, wie der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf die verschiedenen Regionalbehörden berichtete.

In Portugal kämpften am Sonntagabend insgesamt rund 1000 Einsatzkräfte gegen 16 aktive Waldbrände. In der Nähe von Murça im Norden des Landes kamen ein Mann und eine Frau ums Leben, als sie vor den immer näher auf ihr Haus vorrückenden Flammen fliehen wollten. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten die Flammen in Portugal binnen einer Woche rund 30.000 Hektar Wald. In beiden Ländern der iberischen Halbinsel gibt es derweil in Erwartung sinkender Temperaturen Grund zur Hoffnung.

Auch Waldbrände auf Kreta

Auch auf der Urlaubsinsel Kreta kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen und die Glut eines Waldbrandes, der am Freitag ausgebrochen war. 120 Feuerwehrleute waren mit 35 Löschzügen im Einsatz, wie die Tageszeitung "Kathimerini" berichtete. Auch andernorts in Griechenland brannte es - die Feuerwehr registrierte von Sonntag auf Montag 108 Brände binnen 24 Stunden.

Die Waldbrandgefahr wird örtlich als "sehr hoch" eingeschätzt, unter anderem auf den Inseln Kreta, Euböa, Samos und Lesbos, aber auch im Nordosten der Halbinsel Peloponnes und in der Umgebung der Hauptstadt Athen.

Italien macht neben immer wieder aufflammenden Waldbränden auch der ausbleibende Regen zu schaffen. Der Bauernverband Coldiretti warnte am Sonntag vor Ernteverlusten von gebietsweise bis zu 70 Prozent. Obst und Gemüse verbrenne auf den Feldern, hieß es in einer Mitteilung. Betroffen seien Sorten von Paprika bis zu Melonen, Aprikosen, Tomaten und Auberginen. Auf Sizilien und Sardinien hoben die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln erneut an. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2022 um 12:00 Uhr.