Eine Frau dekoriert das Schaufenster eines Restaurants in Brüssel | AP

Corona-Krise in Europa Deutschlands Nachbarn lockern Auflagen

Stand: 03.12.2020 09:13 Uhr

Anfang November schnellten die Infektionszahlen in die Höhe, nun sinken sie in vielen EU-Staaten wieder. Wie kommen die Nachbarländer durch die Krise - und was wollen sie Weihnachten anders machen? Ein Überblick.

Tschechien: Maskenpflicht und Rentner-Weihnachtsgeld

In Tschechien lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen Anfang November nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität noch bei 6542 Fällen - und schnellte binnen weniger Tage auf 15.731. Am 10. November wurden 295 Coronavirus-bedingte Todesfälle in den vergangenen 24 Stunden gemeldet - inzwischen liegt die Zahl bei 112 Toten. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen ist jedoch im Vergleich zum Monatsanfang kaum gesunken: Am Dienstag wurden 5176 Fälle registriert.

Dennoch sollen von morgen an alle Geschäfte und Restaurants im Land wieder öffnen dürfen - die tschechische Tageszeitung "Hospodarske noviny" sieht das kritisch, auch wenn die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit weiterhin gilt: "Wenn die Maßnahmen gelockert werden, aber die Testbemühungen und die Kontaktverfolgung von Infizierten nicht verbessert werden, kann das nur so ausgehen: Die Epidemie wird wieder an Fahrt gewinnen", schrieb sie und vermutete: Der Regierung gehe es wohl vor allem darum, das Weihnachtsgeschäft nicht zu verderben. Tatsächlich erhält ein beachtlicher Teil der 10,7 Millionen Tschechen eigens einen kleinen Stimulus vom Staat: 2,8 Millionen Rentner sollen ein Corona-Weihnachtsgeld von umgerechnet 190 Euro erhalten.

Polen: Galoppierende Infektionszahlen, Warten auf die Impfung

Das Infektionsgeschehen explodierte in Polen zuletzt regelrecht: Am 24. November meldete das Land laut Johns-Hopkins-Universität 32.733 Neuinfektionen und 674 Todesfälle binnen eines Tages - am 1. Dezember waren es noch 9113 Ansteckungen und 449 Tote. Schon Anfang November hatte die Regierung deshalb alle Schulen auf Fernunterricht umgestellt. Kinos, Theater und Museen wurden erneut geschlossen - ebenso wie Geschäfte in Einkaufszentren, mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken.

In der Vorweihnachtszeit wurden die Auflagen für den Einzelhandel allerdings wieder gelockert: In der Vorweihnachtszeit darf es auch verkaufsoffene Sonntage geben. Polens Regierung weckt bei der Bevölkerung Hoffnung auf flächendeckende Impfkampagnen ab Februar, die laut Regierungschef Mateusz Morawiecki "kostenlos, freiwillig und in zwei Durchgängen" stattfinden sollen - bei mehreren Herstellern seien insgesamt 45 Millionen Dosen für die 38 Millionen Polen geordert worden.

Dänemark: Digitaler Unterricht wegen vieler infizierter Jugendlicher

In Deutschlands nördlichstem Nachbarstaat steigt die Zahl der Neuinfizierten trotz strenger Auflagen weiter: Zuletzt wurden 1468 Ansteckungen binnen eines Tages registriert - Anfang November waren es noch unter 1000 gewesen.

Sorge bereitet der hohe Anteil junger Menschen, die sich mit dem Coronavirus anstecken. Gesundheitsminister Magnus Heunicke appellierte an sie, die Kontakte zu verringern - denn vor allem in den 17 Gemeinden der Hauptstadtregion sei die Situation besorgniserregend. In den nächsten Wochen soll deshalb in den Hauptstadtgemeinden massiv getestet werden - vor allem Leute zwischen 15 und 25 Jahren. Sport ist auf höchstens zehn Personen begrenzt. Von nächster Woche an soll der Unterricht für die Oberstufe digital verlaufen.

Internationale Profisport-Ereignisse dürfen hingegen weiterhin stattfinden: Das EM-Auftaktspiel der deutschen Handballerinnen gegen Rumänien soll morgen Abend in Kolding stattfinden - obwohl es Anfang der Woche im Kader einen positiven Test gegeben hatte.

Österreich: An Weihnachten auf den Skipisten unter sich

In Österreich flachen die Neuinfektionszahlen trotz des bereits zweiwöchigen harten Lockdowns nur langsam ab. Waren am 13. November noch 9586 Neuansteckungen registriert worden, hat sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf weniger als ein Drittel verringert - die gemeldeten Todesfälle erreichten am Dienstag mit 141 jedoch einen neuen Höchststand. "Es geht noch immer sehr langsam runter, aber der Trend stimmt", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Vom kommenden Montag an dürfen in Österreich Geschäfte, Friseursalons und Museen unter Beachtung der üblichen Hygieneregeln wieder öffnen - Ausgangsbeschränkungen bestehen weiterhin zwischen 20 Uhr und 6 Uhr. Kinos, Theater und Konzertsäle bleiben bis zum 6. Januar zu - und die Skipisten, die am 24. Dezember geöffnet werden sollen, stehen de facto nur den Österreichern selbst zur Verfügung: Hotels müssen bis zum 7. Januar schließen, für Einreisende aus Risikogebieten ist eine zehntägige Quarantäne Pflicht.

Frankreich: Ein Monat harter Lockdown - und viele Impfgegner

Erst vergangenes Wochenende hob Frankreich seinen strikten vierwöchigen Lockdown auf. Nachdem Anfang November laut Johns-Hopkins-Universität noch bis zu 125.414 Neuansteckungen an einem Tag verzeichnet worden waren, ist die Zahl merklich gesunken: Am Dienstag wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur 14.064 Neuinfektionen registriert, die Zahl der täglichen Todesfälle sank demnach von mehr als 1000 Mitte November auf 313.

Nach den ersten Lockerungen bildeten sich sogleich lange Schlangen vor Friseursalons und Geschäften - Bars und Restaurants sollen noch bis zum 20. Januar geschlossen bleiben. Die Maßnahmen trafen insbesondere die Gastronomie und Veranstaltungsbranche so hart, dass sich immer wieder Menschen zu öffentlichen "Die-In"-Protesten versammelten - und die Kritik der Bevölkerung wuchs: Etwa 60 Prozent der Franzosen werfen Präsident Emmanuel Macron und seiner Regierung einer Studie zufolge schlechtes Corona-Krisenmanagement vor.

Sorgen bereitet der Regierung, dass in Frankreich Studien zufolge die Zahl der Impfstoff-Gegner und Pandemie-Skeptiker besonders hoch ist - damit aber ab Herbst 2021 wieder "ein normales Leben" möglich ist, müssten sich laut dem Epidemiologen Arnaud Fontanet vom Pariser Pasteur-Institut "80 bis 90 Prozent" der Franzosen impfen lassen. Eine Impfpflicht soll es nicht geben, betonte Macron mehrfach - wohl aber eine landesweite Impfkampagne im Frühsommer 2021.

Belgien: Homeoffice-Pflicht wendete den "Tsunami" ab

Ende Oktober warnte Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke warnte vor einem "Tsunami" der Corona-Ansteckungen: 23.921 Neuinfektionen an einem Tag drohten das Gesundheitssystem in den Kontrollverlust zu reißen - bei nur 11,5 Millionen Einwohnern.

Die Regierung zog die Notbremse: Nach der Gastronomie mussten auch fast alle Geschäfte außer Supermärkte schließen, das Homeoffice wurde verpflichtend eingeführt. Mitglieder eines Haushaltes durften, ohne Abstandsregeln einhalten zu müssen, nur noch eine einzige Person treffen, den sogenannten "Knuffelcontact".

Die Strategie zeigte Wirkung: Als am Dienstag die Belgier erstmals - alleine und für maximal eine halbe Stunde - wieder Geschäfte betreten durften, lag die Zahl der Neuansteckungen noch bei 1867. Die Zahl der täglich registrierten Todesfälle war im Vergleichszeitraum allerdings sogar gestiegen - vom 112 am 1. November auf 141.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.