Eine US-Staatsanwältin zeigt auf ein Bild von Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein | AP

Epstein-Skandal "Sie hat ihm geholfen, Mädchen zu missbrauchen"

Stand: 03.07.2020 04:01 Uhr

Ghislaine Maxwell soll dem verstorbenen Sexualstraftäter Epstein Mädchen beschafft und sich am Missbrauch beteiligt haben. Nun sitzt sie in Haft und ist angeklagt. Damit gerät auch Prinz Andrew wieder unter Druck.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Die 58 Jahre alte Britin war schon länger im Visier der Ermittler. Am frühen Donnerstagmorgen dann schlug das FBI in New Hampshire zu, sagt William Sweeney vom New Yorker Büro der Bundespolizei: "Wir haben Maxwells Aufenthaltsorte verfolgt und dann gesehen, dass sie sich in einem Anwesen in New Hampshire versteckt hat. Dort lebte Ghislaine Maxwell ein privilegiertes Luxusleben, während die Opfer unter ihren Traumata leiden. Bei der Festnahme hat es keine Zwischenfälle gegeben."

Peter Mücke ARD-Studio New York

Die New Yorker Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen die Tochter des verstorbenen britischen Verlegers Robert Maxwell. Sie soll nicht nur Geschäftspartnerin und zeitweise die Freundin von Jeffrey Epstein gewesen sein, sondern auch dessen Komplizin.

"Maxwell war eine der engsten Vertrauten und hat Epstein geholfen, Mädchen zu missbrauchen, die zum Teil erst 14 Jahre alt waren. Sie hat ihm geholfen, diese Mädchen anzuwerben und gefügig zu machen. In manchen Fällen hat sie sogar am Missbrauch teilgenommen", sagt die zuständige New Yorker Staatsanwältin Audrey Strauss.

Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum 1994 bis 1997. Dabei hätten Maxwell und Epstein systematisch Minderjährige in die Falle gelockt: "Sie haben sich mit den jungen Frauen angefreundet, sie ins Kino oder zu Shopping-Trips eingeladen. Maxwell hat sie überredet, Epsteins Geschenke anzunehmen, damit sie sich ihm verpflichtet fühlen. Und dann hat sie so lange auf die Mädchen eingewirkt, bis ihnen der sexuelle Missbrauch normal vorkam. Dieses Vorgehen ist als 'grooming' bekannt, so Strauss.

Alles abgestritten - sogar unter Eid

Maxwell hatte immer wieder bestritten, an den Machenschaften des US-Investmentbankers und Multimillionärs Epstein beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben. 2016 hatte sie das auch zweimal unter Eid ausgesagt. Auch deshalb wird jetzt gegen sie ermittelt. Bei einer Verurteilung würde ihr lebenslange Haft drohen.

Staatsanwältin würde "Aussage von Prinz Andrew sehr begrüßen"

Durch die neue Entwicklung steigt auch noch einmal der Druck auf den britischen Prinz Andrew, der mit Epstein befreundet war und gegen den eine Frau Missbrauchsvorwürfe erhebt. Auf den Fall angesprochen, äußerte sich Staatsanwältin Strauss zurückhaltend: "Ich will das nicht weiter kommentieren. Aber ich kann sagen, dass wir eine Aussage von Prinz Andrew sehr begrüßen würden."

Andrew zeigte sich von dieser Aussage überrascht. Das Team des Herzogs von York sei "verblüfft, angesichts dessen, dass wir zwei Mal mit der US-Justiz im vergangenen Monat kommuniziert haben", hieß es aus dem Umfeld Andrews am Donnerstagabend.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte dem Sohn der britischen Königin mangelnde Kooperationsbereitschaft im Fall Epstein vorgeworfen. Die Anwälte des Royals hatten das zurückgewiesen.

Epstein war vor einem Jahr festgenommen und später tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan aufgefunden worden. Die Behörden gehen von Selbstmord aus. Bei einer Verurteilung hätten ihm bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Juli 2020 um 23:35 Uhr.