Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg

EGMR-Urteil Muslimas müssen zum Schwimmunterricht

Stand: 10.01.2017 12:06 Uhr

Muslimische Eltern dürfen ihre Töchter nicht im Namen der Religion vom Schwimmunterricht ausnehmen - das entschied der Europäische Menschenrechtsgerichtshof. Geklagt hatte eine Schweizer Familie mit türkischen Wurzeln, die ihren Töchtern den Besuch einer Schwimmklasse verboten hatte.

Zwei muslimische Eltern sind vor dem Menschenrechtsgerichtshof mit Klagen gegen die Pflicht zur Teilnahme ihrer Töchter am gemischten Schwimmunterricht gescheitert. Die Schweizer Behörden durften der Schulpflicht und der Integration der Kinder Vorrang einräumen gegenüber dem religiös begründeten Wunsch der Eltern nach einer Befreiung, entschieden die Richter in Straßburg.

Den Eltern waren Bußgelder in Höhe von 1300 Euro auferlegt worden, weil sie sich geweigert hatten, ihre Töchter zum gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen zu schicken. Die Straßburger Richter sahen in dem Bußgeldbescheid keinen Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Sie argumentierten, die Schule spiele eine besondere Rolle bei der sozialen Integration, insbesondere von Kindern ausländischer Herkunft. Die Kläger kommen ursprünglich aus der Türkei, sie haben mittlerweile aber auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Auch Klagen in Deutschland

Auch in Deutschland ziehen immer wieder Eltern vor Gericht, die ihre Töchter und Söhne von den Stunden im Hallenbad befreien lassen möchten. 2013 lehnte das Bundesverwaltungsgericht die Klage einer Frankfurter Schülerin ab. Leicht bekleidete junge Männer seien in Deutschland im Sommer überall zu sehen. Der Anblick leicht bekleideter männlicher Schüler im Schwimmbad beinträchtige die 13-Jährige somit nur "geringfügig" in ihrer Glaubensfreiheit. Der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag überwiege. Im Übrigen sei ein Ganzkörperbadeanzug ("Burkini") ein akzeptabler Kompromiss.

Beschwerde-Nr. 29086/12

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Januar 2017 um 12:00 Uhr.

Darstellung: