Menschen in Danzig versammeln sich, um die Übertragung der Beisetzung von Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz zu sehen | Bildquelle: REUTERS

Danzigs Bürgermeister Zehntausende Polen nehmen Abschied

Stand: 19.01.2019 17:28 Uhr

In Polen erwiesen Zehntausende dem erstochenen Bürgermeister Danzigs die letzte Ehre. Eine Woche nach dem Attentat wurde der Politiker beigesetzt. Die Gewalttat versetzte das Land in einen Schock.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

In Danzig und in anderen polnischen Städten haben sich heute Zehntausende versammelt, um die Beisetzung von Pawel Adamowicz zu verfolgen. Die Zeremonie wurde an vielen Orten auf Leinwänden gezeigt - allein in Danzig an fünf Plätzen.

In der historischen Marienkirche selbst versammelten sich Hunderte polnische Bürgermeister und Ortsvorsteher, ehemalige Staatsoberhäupter und Regierungschefs des Landes. Auch der aktuelle Premierminister Mateusz Morawiecki war da sowie Staatspräsident Andrzej Duda, aber auch EU-Ratspräsident Donald Tusk, der bereits unmittelbar nach dem Anschlag in sein Heimatland geeilt war.

Trauerfeier für getöteten Bürgermeister Adamowicz
tagesschau 20:00 Uhr, 19.01.2019, Olaf Bock, ARD Warschau

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"Wir brauchen jetzt Stille"

Tusk war mit Pawel Adamowicz befreundet. Nach der Todesnachricht hatte er erklärt: "Ich möchte Dir, lieber Pawel, heute versprechen, im Namen von uns allen Danzigern, Polen, Europäern, dass wir für Dich und für uns alle in Danzig, Polen und Europa gegen Hass und Verachtung verteidigen werden. Wir versprechen es Dir."

Nun erinnerte in der Danziger Marienkirche auch die Witwe Adamowiczs daran, dass ihr Mann selbst Ziel von zahlreichen Beschimpfungen geworden sei. Er habe diese Last getragen: "Wir brauchen jetzt Stille, aber Stille bedeutet nicht Schweigen." Denn Schweigen sei nahe an Gleichgültigkeit und Pawel sei nie gleichgültig gewesen und nie ein Opportunist, so Magdalena Adamowicz.

Menschen in Danzig versammeln sich, um die Übertragung der Beisetzung von Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz zu sehen | Bildquelle: REUTERS
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Menschen in Danzig versammeln sich, um die Übertragung der Beisetzung von Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz zu sehen.

Mehrere warnten vor dem Täter

Eine dieser Tage in Polen immer wieder gehörte Mahnung, die auch der Danziger Erzbischof während der Trauerzeremonie wiederholte, lautet: Die Sprache der gegenseitigen Herabsetzung müsse aus Medien, Politik und Gesellschaft verschwinden. Doch schon zuvor hatten Vertreter der verfeindeten politischen Lager im Land begonnen, nicht die eigenen Vergehen, sondern verbale Entgleisung der jeweils Andersdenkenden aufzuzählen.

Die Witwe Magdalena Adamowicz und Antonina Adamowicz, eine Tochter Pawel Adamowicz in der Marienkirche in Danzig. | Bildquelle: ADAM WARZAWA/EPA-EFE/REX
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Witwe Magdalena Adamowicz und Antonina Adamowicz, eine Tochter Pawel Adamowicz in der Marienkirche in Danzig

Parallel ist in Polen eine Diskussion über mögliches Behördenversagen entbrannt, da es offenbar vor der Tat mehrere Warnungen gab. Neben der Mutter des Messerstechers, die die Behörden vor dessen Haftentlassung vor dessen möglicherweise mörderischen Absichten warnte, soll sich auch ein Bekannter von Stefan W. bei der Polizei wegen Drohungen und tätlicher Angriffe gemeldet haben, berichten mehrere Medien. Adamowicz, ein liberaler Katholik, war nach Aussagen seines Angreifers wegen dessen Nähe zur liberalen Bürgerplattform ausgewählt worden.

Adamowiczs Wunsch könnte zum Vermächtnis werden

Mehr als 50.000 Menschen hatten sich in den letzten Tagen an Adamowiczs Sarg von ihm verabschiedet, der auf der früheren Lenin-Werft aufgebahrt worden war, im von Adamowicz maßgeblich entwickelten Begegnungs- und Diskussionszentrum "Solidarnosc". Die letzten Meter in die Marienkirche hatten sechs Bürgermeister den Sarg des Verstorbenen getragen, die allesamt der liberalen Opposition im Lande zugerechnet werden.

Viel zitiert werden nun auch die buchstäblich letzten Worte Adamowiczs, die er auf der Wohltätigkeitsveranstaltung unmittelbar vor dem Angriff ausgerufen hatte:

"Danzig ist großzügig und verbindet sich mit dem Guten. Danzig will eine Stadt der Solidariät sein. Ich danke Euch sehr dafür, dass ihr Euer Geld in die Sammelbüchsen geworfen habt. Es ist eine wunderbare Sache, sich an die Seite des Guten zu stellen. Ihr seid wunderbar. Danzig ist die wunderbarste Stadt der Welt. Danke!"

Derweil könnte auch das diesjährige Gedenken an die ersten freien Wahlen vor 30 Jahren in den Bann des Attentats geraten. Adamowicz hatte nämlich gefordert, dass die Erinnerung daran von der Stadt Danzig organisiert werden müsse, also nicht von der Regierung. Im Geschichtsverständnis der PiS-Partei sind die Ereignisse von 1989 nicht als Schritt in die Freiheit zu verstehen. Vielmehr seien am runden Tisch faule Kompromisse mit den Kommunisten eingegangen worden. Die amtierende Stadtpräsidentin Danzig erklärte nun hingegen, Adamowiczs Wunsch sei als Vermächtnis zu verstehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Januar 2019 um 18:00 Uhr.

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