Hintergrund

Pendler, die Gesichtsmasken tragen, sitzen am Bahnhof Atocha in Madrid in einem Zug, Spanien. | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie Wie andere Länder die Regeln lockern

Stand: 13.04.2020 15:50 Uhr

Die Bundesregierung will vor Ostern nicht über die Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen reden, andere Staaten haben die Einschränkungen für Bevölkerung und Wirtschaft bereits aufgeweicht. Ein Überblick.

Spanien

Hunderttausende Spanier durften am Montag erstmals nach zwei Wochen wieder zur Arbeit fahren. Der sogenannte Winterschlaf, mit dem die Regierung den Kampf gegen die Pandemie intensiviert hatte, ging in jenen Regionen zu Ende, in denen der Ostermontag kein Feiertag ist, zum Beispiel in Madrid.

Von der umstrittenen Verschärfung der Ausgangssperre waren vor allem Baugewerbe und Industrie betroffen gewesen. Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte allerdings, es gebe noch keine echte Abschwächung der Ausgehsperre. "Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein", sagte er.

Die 47 Millionen Bürger dürfen somit weiterhin weder spazieren gehen noch Sport im Freien treiben. Im von der Pandemie schwer betroffenen Land war der Alarmzustand samt Ausgangssperre jüngst bis Mitternacht des 25. Aprils verlängert worden.

Österreich

Im Tiroler Ski-Ort Ischgl reagierten die Behörden spät auf Warnungen vor dem Coronavirus, umso rigider setzte die österreichische Regierung dann Anti-Corona-Maßnahmen um.

In der Alpenrepublik geht es nun am Dienstag mit dem zaghaften Rückweg los: Kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte dürfen dann unter strengen Auflagen wieder öffnen. Vom 1. Mai an sollen alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure folgen. Ein Zeitplan zur Öffnung von Hotels und Gastronomie soll Ende April stehen, Ziel ist eine Wiederaufnahme des Betriebs von Mitte Mai an.

Die Ausgangsbeschränkungen werden bis Ende April verlängert - das bedeutet, dass man die Wohnung weiter nur mit triftigem Grund verlassen darf. Die Schulen bleiben bis Mitte Mai zu.

Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. Die bestehende Maskenpflicht im Supermarkt wird von Dienstag an auf alle geöffneten Läden und die öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt.

Dänemark

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach von einer "ersten vorsichtigen Phase" der Öffnung: In einem ersten Schritt werden von Mittwoch an Kinderkrippen, Kindergärten sowie die Schulen für Kinder bis zur fünften Klasse wieder öffnen.

Damit will die dänische Regierung zunächst die Eltern entlasten, die sich bislang neben der Arbeit auch noch um ihre jüngeren Kinder kümmern mussten.

Alle weiteren Maßnahmen hat Frederiksen im selben Atemzug um vier Wochen verlängert: Die dänischen Grenzen, auch die nach Deutschland, bleiben vorläufig bis zum 10. Mai dicht. Gleiches gilt - Frederiksen zufolge zumindest bis zur nächsten Phase der Öffnung - für Restaurants, Cafés, Kneipen sowie Theater und weitere Freizeiteinrichtungen.

Versammlungen mit mehr als zehn Personen sind weiter verboten, Großveranstaltungen bis Ende August untersagt.

Tschechien

In Tschechien dürfen seit Donnerstag erste Geschäfte wieder öffnen. Es gab daraufhin einen Ansturm der Kunden auf Hobby- und Baumärkte, weil viele in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen ihren Garten oder ihr Haus auf Vordermann bringen wollen.

In den Tagen nach Ostern will die Regierung einen Plan für die weitere Lockerung der Corona-Maßnahmen vorlegen. Der Schulbetrieb soll frühestens Ende Mai wiederaufgenommen werden.

Die Regierung hat zwar weitere Ausnahmen beim geltenden Ein- und Ausreiseverbot in Aussicht gestellt, eine Öffnung der Grenzen für den Reiseverkehr scheint aber aktuell nicht zur Debatte zu stehen: "Ich denke, dass das sicherlich keine Frage der nächsten Wochen ist - vielleicht nicht einmal der nächsten Monate", sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech.

Italien

Gleich nach Ostern sollen zusätzlich zu Apotheken und Lebensmittelgeschäften einige Geschäfte, etwa Buch- und Schreibwarenläden, wieder öffnen. Die besonders heftig betroffene Lombardei will aber auch diese Läden nicht so schnell wieder aufmachen. Auch andere Regionen erlassen derzeit eigene Bestimmungen.

Weitgehend bleibt es somit bei den strikten Regelungen in Italien. Die Ausgangsbeschränkungen für die 60 Millionen Einwohner wurden bis zum 3. Mai verlängert. Sie gelten seit dem 10. März.

Die Regierung kündigte allerdings an, dass ein Expertengremium die schrittweise Rückkehr zur Normalität planen soll. Es ist vorgesehen, dass Unternehmen den Anfang machen, bevor die Maßnahmen für die Menschen gelockert werden. Die Schulen könnten bis nach den Sommerferien, also bis September, geschlossen bleiben.

China

Von einer Rückkehr zur Normalität lässt sich nicht sprechen. Die Schulen sind weiter geschlossen, sollen voraussichtlich aber bis Ende April öffnen. Weiter wird im Land überall Fieber gemessen. Alle Chinesen sollen unverändert Mundschutz tragen.

Im Ursprungsort der Pandemie in Wuhan in Zentralchina sind nach zweieinhalb Monaten Abriegelung die Bewegungsbeschränkungen für die elf Millionen Bewohner aufgehoben - sofern sie in einer Corona-Gesundheits-App auf ihrem Handy einen grünen Code nachweisen können. Wer Kontakt zu Infizierten hatte, wird da automatisch auf Rot gesetzt und darf nicht reisen.

Die Angst vor einer zweiten Welle der Infektionen geht um - besonders durch heimkehrende Chinesen und andere Reisende aus dem Ausland.

Leere Autobahn in Wuhan | Bildquelle: AFP
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Von Wuhan aus hatte sich das Virus weltweit ausgebreitet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2020 um 07:00 Uhr.

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