Mehrere Menschen warten an einer Straße in London.  | AFP

Corona-Pandemie Briten wollen von Dienstag an impfen

Stand: 04.12.2020 17:02 Uhr

Die ersten Impfdosen gegen das Coronavirus sind in Großbritannien eingetroffen, nun wollen die Briten von Dienstag an loslegen: Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, deren Betreuer sowie über 80-Jährige sollen zuerst geimpft werden.

Nachdem die ersten Impfdosen in Großbritannien eingetroffen sind, will der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) von Dienstag an mit dem Impfen beginnen. Das sagte NHS-Providers-Geschäftsführer Chris Hopson in der BBC. Premierminister Boris Johnson sprach von der größten Massenimpfung in der Geschichte Großbritanniens.

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Mittwoch dem Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff erteilt. Großbritannien ist damit das erste Land überhaupt, das den Impfstoff zur breiteren Anwendung freigab.

Pflegeheimbewohner werden zuerst geimpft

Bereits in der kommenden Woche sollen 800.000 Impfdosen zur Verfügung stehen. Millionen weitere sollen bis Jahresende hinzukommen. Mit dem größten Teil der insgesamt 40 Millionen bestellten Impfdosen werde in der ersten Jahreshälfte 2021 gerechnet, sagte ein Regierungssprecher.

Als erstes geimpft werden sollen Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen sowie über 80-Jährige und besonders gefährdetes medizinisches Personal. Wegen der komplizierten Lagerung bei minus 70 Grad soll der Impfstoff aber zunächst nur in 50 Kliniken im Land verabreicht werden. Später sollen weitere Zentren hinzukommen.

Kritik an Notfallzulassung aus den USA

Die britische Regierung hatte die rasche Zulassung des Impfstoffs als Erfolg gefeiert. Experten aus der EU und den USA äußerten jedoch auch Kritik an der Notfallzulassung. Der US-Virologe Anthony Fauci ruderte jedoch zurück, nachdem er in einem US-Podcast gesagt hatte, die britische Arzneimittelbehörde habe die Zulassung des Vakzins "überstürzt". Er habe großes Vertrauen in die wissenschaftlichen und regulatorischen Abläufe in Großbritannien, sagte Fauci in einem BBC-Interview. Er betonte jedoch, dass der Prozess in den USA aufwendiger ablaufen muss - wegen der hohen Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Impfstoffen.

Großbritannien gehört zu den Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen sind: Nach offiziellen Angaben der Regierung sind inzwischen mehr als 60.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch höher liegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. Dezember 2020 um 12:19 Uhr.