Polizisten einer paramilitärischen Einheit tragen bei ihrer Patrouille in Peking Atemschutzmasken. | Bildquelle: AP

China und das Coronavirus Zarte Hinweise auf Selbstkritik

Stand: 05.02.2020 07:51 Uhr

Das Coronavirus breitet sich weiter aus und die chinesische Führung macht einen ungewöhnlichen Schritt: Sie kritisiert die eigenen Behörden. Solche Aussagen sind sonst tabu.

Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Normalerweise fällt die Kommunistische Partei Chinas nicht häufig mit selbstkritischen Botschaften auf, daher ist jeder zarte Hinweis darauf nennenswert. Nach einem Treffen des Politbüros unter Führung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping verbreitete das Staatsfernsehen CCTV, die politische Führung habe Unzulänglichkeiten und Defizite in der Reaktion auf den Ausbruch des neuartigen Coronavirus eingeräumt.

Im Text, der über den Bildschirm lief und verlesen wurde, heißt es weiter: Die Epidemie sei ein Test für Chinas Regierungssystem. Das nationale Krisenmanagement und das Gesundheitssystem generell müssten verbessert werden. Man müsse Erfahrungen bündeln und entsprechende Lehren daraus ziehen.

Regierung verspricht mehr Helfer und Material

Passend dazu versprach Jiao Yahui von der nationalen Gesundheitskommission in Peking mehr Personal und medizinisches Material im Kampf gegen das Coronavirus. Besonders für die am meisten betroffene Stadt Wuhan in der Provinz Hubei.

"Wir haben medizinische Ressourcen landesweit mobilisiert, um in Wuhan die Behandlung der Patienten im kritischen Zustand zu unterstützen. Mehr als 3000 führende medizinische Experten aus Krankenhäusern, von der Nationalen Gesundheitskommission und aus Universitätskrankenhäusern aus rund einem Dutzend Provinzen sind nach Wuhan entsendet worden", sagte Yahui. Die zusätzlichen Helfer sollen medizinische Einsatzteams bilden, um Krankenhaus-Stationen mit ernsteren Fällen zu übernehmen.

Führung warnt vor Panik

China versucht so, die Situation in Wuhan in den Griff zu bekommen. Zugleich mahnt die Führung, nicht in Panik zu verfallen. Die Sterberate des Coronavirus auf dem chinesischen Festland liegt nach den offiziellen Zahlen derzeit stabil bei etwas über zwei Prozent. Zum Vergleich: bei SARS in den Jahren 2002/2003 lag die Sterberate nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bei fast zehn Prozent. Bei MERS 2012 bei knapp 35 Prozent.

Experten: Sterberate wird weiter sinken

Viele Experten gehen zudem davon aus, dass die Sterberate weiter sinken wird. "Die Mehrheit der infizierten Fälle sind milde Krankheitsverläufe. Bitte denken Sie nicht, dass sich alle Patienten, über die wir reden, in kritischem Zustand befänden. Bitte verfallen Sie nicht in Angst – das ist die Botschaft, die ich verbreiten möchte", appellierte Yahui an die Bevölkerung.

In mehreren Provinzen, darunter Hubei, Hunan und Anhui, wurden Staatsbedienstete der chinesischen Gesundheitsbehörden entlassen. Der Grund: sie hätten nicht entschlossen und ehrlich genug versucht, die Verbreitung des Coronavirus zu bekämpfen. Das traf das vor allem Beamte der mittleren Ebene - hohe Parteikader sind bislang nicht dabei.

China übt Selbstkritik, erste Funktionäre müssen gehen
Axel Dorloff, ARD Peking
05.02.2020 07:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Februar 2020 um 08:20 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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