Passagiere verlassen das Kreuzfahrtschiff "Westerdam", das zwei Wochen lang wegen der Angst vor dem Coronavirus in mehreren Ländern nicht anlegen durfte. | Bildquelle: REUTERS

Kreuzfahrtschiff in Kambodscha Doch Corona-Fall auf der "Westerdam"

Stand: 16.02.2020 09:37 Uhr

Die Freude der Passagiere der "Westerdam" war groß, als sie in Kambodscha von Bord gehen durften. Aus Angst vor dem Coronavirus hatten mehrere Häfen dem Schiff das Anlegen verwehrt. Jetzt gibt es einen Krankheitsfall.

Unter den in Kambodscha an Land gegangenen Passagieren der Kreuzfahrtschiffes "Westerdam" ist nun doch ein Coronavirus-Fall festgestellt worden. Eine 83-jährige Amerikanerin sei bei ihrer Weiterreise über Malaysia positiv getestet und ins Krankenhaus in Kuala Lumpur gebracht worden, teilte die malaysische Gesundheitsbehörde mit.

Die Amerikanerin sei eine von 145 Passagieren gewesen, die über Malaysia nach Hause fliegen wollten. Bei der Ankunft seien bei der Frau und bei ihrem Ehemann Symptome des neuen Virus festgestellt worden, weshalb sie ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Die 83-Jährige werde jetzt auf der Isolierstation behandelt. Der 85-jährige Ehemann, bei dem die Tests negativ ausgefallen waren, werde im Krankenhaus überwacht.

Die Reederei wollte vor einer Stellungnahme zunächst weitere Tests abwarten.

Odyssee durch asiatische Gewässer

Die "Westerdam" hatte eine Odyssee durch asiatische Gewässer hinter sich gebracht, da mehrere Länder aus Sorge vor dem Coronavirus dem Schiff das Anlegen untersagt hatten. Erst Kambodscha stimmte dem schließlich zu. Am Freitag durften schließlich die ersten von knapp 2300 Menschen in Sihanoukville das Kreuzfahrtschiff verlassen.

An Bord der "Westerdam" waren laut Reederei auch 57 Deutsche. Für sie ging die Heimreise nach Twitterangaben der deutschen Botschaft am Freitag und Samstag in Richtung Frankfurt.

Weitere Infektionen auf der "Diamond Princess"

Auf dem wegen des Coronavirus abgeriegelten Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" in Japan steigt die Zahl der Infizierten weiter. Mittlerweile wurden mindestens 355 Menschen positiv getestet, darunter auch zwei Deutsche.

Bei den zwei infizierten Staatsbürgern handelt es sich nach Informationen des ARD-Hörfunks um ein deutsch-irisches Paar. Sie verlassen heute - wie weitere 70 neu auf das Virus getestete Menschen - das Kreuzfahrtschiff und werden in ein Krankenhaus gebracht.

Zwei Busse warten vor dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" im Hafen von Yokohama, Japan. | Bildquelle: AFP
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Zwei Busse warten vor der "Diamond Princess" im Hafen von Yokohama.

Fast 66.000 Fälle in China

Am Samstag wurde der erste Corona-Todesfall in Europa bestätigt: In Frankreich starb ein 80-Jähriger Tourist aus China. Im am stärksten betroffenen Land stieg die Zahl der Erkrankten derweil auf 65.800. Binnen eines Tages seien 2009 Infektionen bestätigt worden, teilte die nationale chinesische Gesundheitskommission mit.

Die Zahl der neuen Fälle sinkt demnach seit drei Tagen: Am Freitag war von mehr als 5000 neu Infizierten die Rede, am Samstag von 2641. Experten vermuten jedoch eine hohe Dunkelziffer. Bisher hat die Lungenkrankheit in Festlandchina 1665 Menschen das Leben gekostet.

Xi rechtfertigt sich in Rede

Die chinesische Führung bemüht sich offenbar darum, dem Eindruck entgegenzuwirken, sie habe angesichts der Situation in der besonders betroffenen Provinz Hubei zu spät eingegriffen. Am Samstag zitierten Staatsmedien aus einer Rede von Staatspräsident Xi Jinping von Anfang Februar. Darin erklärt er, bereits am 7. Januar erste Anweisungen gegeben zu haben, um den Ausbruch der Krankheit einzudämmen. Auch verdeutlichte die Rede, dass Xi sich persönlich für die strengen Reisekontrollen in Hubei eingesetzt hatte.

Zuletzt war immer mehr Kritik an der Reaktion der Behörden auf den Ausbruch laut geworden. Für landesweite Bestürzung und Anteilnahme sorgte vergangene Woche der Tod des Arztes Li Wenliang, der frühzeitig vor dem Ausbruch des Coronavirus gewarnt hatte, aber laut Berichten gezwungen wurde, diese "Gerüchte" nicht weiter zu verbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er sich mit dem Virus angesteckt hatte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Februar 2020 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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