Ein Schild in Austin, Texas fordert die Mitarbeiter eines Restaurants auf, Maske zu tragen. | REUTERS

Coronavirus in US-Bundesstaaten Quarantäne und Maskenpflicht zum 4. Juli

Stand: 03.07.2020 07:11 Uhr

Angesichts der rasant steigenden Corona-Fallzahlen ändern viele US-Staaten ihren Kurs. Vor dem Feiertagswochenende nehmen sie Lockerungen zurück, sperren Strände oder führen eine Maskenpflicht ein.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Es muss ihn große Überwindung gekostet haben, das labberige Ding überhaupt anzufassen. Doch gestern hatte der Gouverneur von Texas offenbar keine Wahl mehr. Er hielt eine Stoffmaske mit der Flagge seines Staates in die Kamera, ganz kurz nur, um seine Botschaft loszuwerden.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Mehr Patienten, mehr schwere Fälle

"Ich ordne eine Maskenpflicht für alle Landkreise mit mehr als 20 Corona-Fällen an", sagte der Republikaner Greg Abbott in einer Videobotschaft. Eine spektakuläre Wendung, die zeigt, wie ernst die Lage ist. Der Texaner hatte im Mai zügig die Corona-Auflagen seines Staates gelockert und gerade noch behauptet, die Regierung könne einzelne Menschen gar nicht zwingen, Maske zu tragen.

Das ist jetzt vorbei. Täglich werden rund 8000 neue Infektionen in Texas bestätigt, Anfang Juni waren es noch um die 1000. Die Krankenhäuser sind überwältigt: "Es kommen mehr Patienten, als wir gebrauchen können", sagt Lungenarzt Jeffrey Dellavolpe aus San Antonio in einer CNN-Reportage. Die Patienten, sagt er, werden jünger und kränker.

Greg Abbott, Gouverneur von Texas | AP

Der texanische Gouverneur Greg Abbott hatte sich lange geweigert, eine Maskenpflicht anzuordnen. Bild: AP

Vorbereitungen auf das Feiertagswochenende

Auch Florida gehört zu den neuen Hotspots, das mit rund 10.000 Fällen einen neuen Rekord gesetzt hat. Francis Suarez, der Bürgermeister von Miami, hat für seine Stadt bereits eine Maskenpflicht  angeordnet. "Wir verpflichten Menschen dazu, die Sicherheitsgurte anzulegen", sagt er. "Es beschneidet nicht ihre Freiheit, es macht sie sicher." Doch Gouverneur Ron de Santis, ein Republikaner, weigert sich, die Pflicht für den ganzen Staat anzuordnen.

Mit großer Sorge blicken die Küstenstädte auf das kommende Feiertagswochenende. Viele Strände werden geschlossen, Bars und Restaurants machen zu - erneut. Wer übers Wochenende verreisen will, muss sich vorher genau informieren. Etliche Bundesstaaten, aber auch Städte wie Chicago, schicken Gäste aus bestimmten Bundesstaaten in Quarantäne und drohen mit Strafen. Es ist ein schwacher Versuch, sich gegen die Rückkehr des Virus zu schützen.

Menschen stehen in der Schlange zu einer Corona-Teststation in Miami | AP

In Miami gilt bereits eine Maskenpflicht - im Gegensatz zum Großteil des restlichen Staates Florida. Bild: AP

Realismus in New Hampshire

New Hampshire hat sich anders entschieden und lässt nun Besucher aus seinen Nachbarstaaten wieder ins Land. Der kleine Staat im Nordosten ist im Moment einer der ganz wenigen, in dem täglich weniger neue Infektionen gemeldet werden. Doch laut Gouverneur Chris Sununu wird das nicht so bleiben. "Es wäre ignorant und arrogant zu glauben, dass wir komplett immun gegen das sind, was in anderen Teilen des Landes passiert", sagte Sununu im Lokalfernsehen. Immerhin: New Hampshire ist besser vorbereitet als im März.

Es ist eine realistische Einschätzung. Texas, Kalifornien, Florida und Arizona sind zwar verantwortlich für einen Großteil der neuen Infektionen, das Problem aber ist viel breiter: In 38 der 50 Staaten kehrt das Virus gerade zurück. Bei mehr als 55.000 Menschen wurde gestern das Virus zum ersten Mal bestätigt, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Das hat es bisher in keinem anderen Land der Welt gegeben.

Über dieses Thema berichteten am 03. Juli 2020 Deutschlandfunk um 05:41 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.