Michael Cohen | Bildquelle: AP

Ex-Anwalt wehrt sich Cohen beschuldigt Trump schwer

Stand: 14.12.2018 17:50 Uhr

Er galt als Trumps "Ausputzer" - und wurde vom US-Präsidenten der Lüge bezichtigt. Jetzt teilt der frisch verurteilte Anwalt Cohen in einem Interview gegen seinen Ex-Mandanten aus.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Michael Cohen rechnet ab: Der frühere Anwalt von Präsident Donald Trump ist gerade verurteilt worden, zu drei Jahren Haft, unter anderem wegen seines Einsatzes für den Präsidenten. Cohen sagte: "Der Mann sagt nicht die Wahrheit. Es ist traurig, dass ich verantwortlich sein soll für seine schmutzigen Taten."

Cohen hat jetzt dem Fernsehsender ABC ein Interview gegeben, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Er gab sich geläutert, sagte, er habe die Verantwortung für seine Taten übernommen, wolle seine Familie schützen.

Cohen: "Trump wusste alles"

Die als Stormy Daniels bekannte Pornodarstellerin Stephanie Clifford | Bildquelle: AP
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Die als Stormy Daniels bekannte Pornodarstellerin Stephanie Clifford steht im Mittelpunkt der Affäre.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Was wusste Trump, zum Beispiel über das Schweigegeld an zwei Frauen, mit denen er Affären gehabt haben soll? Cohen sagte: "In der Trump-Organisation ist nichts passiert, was nicht über Trumps Schreibtisch gegangen ist. Er wies mich an, die Zahlungen zu machen, mich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Ich habe die Dokumente geprüft, um ihn zu schützen. Ich war loyal zu jemandem, der keine Loyalität verdient."

Cohen hatte viele Jahre lang für Trump gearbeitet, als Anwalt, aber hauptsächlich als "Fixer“, der Probleme aus dem Weg schafft. Bei den Schweigegeld-Zahlungen war auch das Boulevard-Blatt "National Enquirer" involviert. Der Verlag hat eingeräumt, die Rechte an der Geschichte eines Playboy-Models gekauft zu haben, um sie dann absichtlich nicht zu verwenden.

Cohen sagte, Trump habe großes Interesse daran gehabt: "Sie müssen bedenken, wann diese Dinge auftraten, zwei Wochen vor der Wahl. Er war sehr besorgt, wie das die Wahl beeinflussen könnte."

Präsident bestreitet Anweisungen

Donald Trump | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Trump versuchte sich früh von Cohen zu distanzieren, verwickelte sich aber in Widersprüche.

Präsident Trump wies die Vorwürfe zurück. In einem Interview mit Fox News sagte er, er habe Cohen nie entsprechend angewiesen: "Ich habe ihn nie angewiesen, etwas Falsches zu tun. Ein Anwalt, der Klienten vertritt, soll das Richtige tun. Dafür bezahlt man ihm viel Geld. Er ist Anwalt, ich habe ihn nie angewiesen, etwas Falsches zu tun."

Aus seiner Sicht ist er Opfer übereifriger Ermittler. Seine Erklärungen der Schweigegeldzahlungen hatten sich in der Vergangenheit mehrmals geändert. Zunächst hatte er Berichte darüber zurückgewiesen, jetzt erklärte er, jegliche Zahlungen hätten nichts mit seinem Wahlkampf zu tun gehabt - und damit hätten sie nicht gegen Gesetze verstoßen.

Trump wird angreifbar

Trump warf seinem früheren Anwalt vor, er habe sich für schuldig erklärt, um den Präsidenten zu blamieren. Wenn die Vorwürfe Cohens stimmen, stände Trump im Zentrum der Affäre um die Schweigegeldzahlungen. Das könnte ihn für die Justiz angreifbar machen. Allerdings gibt es Richtlinien, dass amtierende Präsidenten in so einem Fall nicht angeklagt werden dürfen.

Die Verurteilung Cohens war eines der Ergebnisse der Ermittlungen zum russischen Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen und die Frage, ob es eine Kooperation von Trumps Wahlkampfteam mit Russland gegeben hatte.

Sonderermittler Robert Mueller hatte dafür plädiert, Cohens Strafmaß zu reduzieren, weil er wichtige Hinweise geliefert habe. Die Schweigegeld-Zahlungen und andere Vergehen Cohens werden von Ermittlern in New York untersucht, weil sie nicht mit dem Kern der Russland-Ermittlungen zu tun haben.

 

US-Präsident unter Druck: Trumps Ex-Anwalt Cohen packt aus
Jan Bösche, ARD Washington
14.12.2018 17:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. Dezember 2018 B5 aktuell um 16:34 Uhr und NDR Info um 17:20 Uhr.

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