Start der chinesischen Trägerrakete mit einer Raumsonde an Bord in Richtung Mars | dpa

Reise zum Roten Planeten China startet erste Mars-Mission

Stand: 23.07.2020 09:39 Uhr

Die bislang ambitionierteste Mars-Mission Chinas hat erfolgreich begonnen. Die Sonde "Tianwen-1" befindet sich nun auf dem Weg zum Roten Planeten. Sie soll dort nach unterirdischem Wasser suchen und Gesteinsarten erforschen.

Die Sonde "Tianwen-1" ist gegen 6.45 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumzentrum auf der chinesischen Insel Hainan auf einer Trägerrakete des Typs "Langer Marsch 5" gestartet.

Im Februar 2021 soll das Raumschiff den Nachbarplaneten der Erde in 55 Millionen Kilometern Entfernung erreichen. "Tianwen-1" soll zunächst einige Wochen lang den Mars umkreisen, Daten sammeln und Fotos machen.

"Die Erde ist unsere Wiege, aber man kann ja nicht für immer in der Wiege liegen bleiben", sagte Bao Weimin in einer Online-Wissenschaftssendung vor einigen Wochen. Bao ist Direktor beim federführenden Hersteller der Tianwen-Sonde. "Wir müssen also das All bereisen. Zuerst besuchen wir unseren Nachbarn, den Mars, schauen uns dort um. Wir werden erkunden, ob der Mars die Zukunft der Erde sein kann."

"Rover" soll nach Wasser suchen

Für den Frühsommer ist dann geplant, dass sich vom "Tianwen"-Raumschiff ein Landemodul mit "Rover" an Bord löst. Das Modul soll weich auf der Mars-Oberfläche landen und den "Rover" absetzen.

Das ist ein sehr kompliziertes und anspruchsvolles Verfahren und bisher nur der US-Raumfahrtbehörde NASA gelungen. Landemodule gingen mehrmals verloren oder schlugen hart auf dem Mars auf. Auch Chinas erste Mars-Mission, die den Planeten aus dessen Umlaufbahn erkunden sollte, war vor neun Jahren gescheitert. 2011 hatte ein chinesischer Raumgleiter eine russische Expedition begleitet. Er ging jedoch verloren, als es dem Raumschiff nicht gelang, aus der Erdumlaufbahn zu treten.

Bei chinesischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herrscht nun aber großer Optimismus - so auch bei Long Lehao, einem 82-jährigen chinesischen Weltraumforscher-Veteranen. Er sagte im Staatssender CCTV: "Mit solch einer umfassenden Marslandemission, mit den drei Komponenten, sind wir weltweit die ersten."

Chinas Mars-Mission "Tianwen-1"

Der Missionsname "Tianwen" bezieht sich auf einen mehr als 2000 Jahre alten chinesischen Text. Er lässt sich in etwa übersetzen mit: "Himmelsfragen", "Himmlische Fragen" oder "Fragen an den Himmel".
Das Raumschiff "Tianwen 1" besteht aus drei Komponenten: dem eigentlichen Raumschiff, einem Landemodul und dem Mars-Roboter "Rover".

Auch andere unterwegs zum Mars

Bei der "Tianwen"-Mission handelt es sich bereits um den zweiten Start für einen Flug zum Mars in dieser Woche. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag eine Rakete aus Japan gestartet. Die USA planen den Start eines Mars-Rovers in der kommenden Woche.

Am liebsten auch in der Raumfahrt eine Großmacht

China strebt die Führungsrolle in der Raumfahrt an und will mit der Mars-Mission seine technologischen Fähigkeiten und Ambitionen unter Beweis stellen. In den kommenden Jahren will die Staats- und Parteiführung weitere "Tianwen"-Missionen zum Mars schicken. 2022 soll eine eigene Raumstation namens "Tiangong" (Himmelspalast) im All in Betrieb genommen werden.

Langfristig soll auch ein Chinese oder eine Chinesin den Mars betreten - möglichst vor den US-Amerikanern und spätestens 100 Jahre, nachdem in China die Kommunisten an die Macht gekommen sind. Das wäre dann im Jahr 2049.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2020 um 07:30 Uhr.