Mercedes-Stern | Bildquelle: REUTERS

Umstrittene Werbung in China Daimlers Ärger wegen Dalai-Lama-Zitat

Stand: 07.02.2018 04:46 Uhr

Der Autokonzern Daimler hat nach Protesten aus China ein Werbebild aus seinem Instagram-Kanal gelöscht. Darauf zu lesen war ein harmloses Zitat des Dalai Lama. Der gilt in China als Staatsfeind.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Auf dem von Daimler geposteten Instagram-Foto ist ein weißes Mercedes-Coupé zu sehen, darüber steht folgendes Zitat des Dalai Lama:

"Betrachte die Lage von allen Seiten, und Du wirst offener werden."

Harmloser geht’s nicht, könnte man meinen. Doch in China gilt der Dalai Lama wegen seines Einsatzes für mehr Autonomie in Tibet als Staatsfeind. Entsprechend beschwerten sich nationalistische chinesische Internetnutzer beim deutschen Autokonzern und der löschte das Posting umgehend.

Dalai Lama | Bildquelle: AP
galerie

Der Dalai Lama gilt in China als Staatsfeind.

Dreifache Entschuldigung

Es folgte eine gleich dreifache Entschuldigung: Bei dem Instagram-Eintrag habe es sich um eine extrem irrtümliche Botschaft gehandelt, teilte Daimler mit. Man erkenne, dass man die Gefühle der Menschen in China verletzt habe. Und: Daimler werde sein Verständnis für die chinesischen Werte vertiefen, hieß es.

Das Ironische an dem Vorgang: Instagram ist in China wegen der scharfen Internetzensur komplett geblockt. Das fragliche Posting dürfte in China also nur sehr wenige Menschen überhaupt erreicht haben.

Spott und Entsetzen für Daimler

Daimlers demütige Entschuldigung sorgte im nicht-chinesischen Internet für Spott und Entsetzen. Demokratie-Aktivisten weltweit warfen dem Konzern Feigheit und Selbstzensur vor. Die Internationale Kampagne für Tibet ICT sprach von einem "beschämenden Kotau vor der Diktatur". Auch Human Rights Watch kritisierte Daimlers Entscheidung, das Posting zu löschen.

Der Vorgang verdeutlicht zwei Dinge: Wer im bevölkerungsreichsten Land der Welt Geschäfte machen will, kann es sich nicht leisten, auch nur ansatzweise von der vorgegebenen staatlichen chinesischen Linie abzuweichen. Das gilt erst Recht für viele große deutsche Dax-Konzerne, die in China inzwischen einen Großteil ihrer Gewinne machen.

Zweitens zeigt der Fall, dass Chinas Staats- und Parteiführung ihre Werte und politischen Vorstellungen immer rigoroser auf der Welt ausbreitet. Davon betroffen sind auch Internetplattformen, die in China überhaupt nicht zugänglich sind.

China: Selbstzensur bei Daimler wegen harmlosen Dalai-Lama-Posts
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
07.02.2018 05:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Februar 2018 um 08:31 Uhr.

Darstellung: