Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde | Bildquelle: dpa

Report zum Klimaschutz "Es reicht nicht"

Stand: 14.11.2018 06:00 Uhr

Vor gut drei Jahren beschlossen die Staaten auf der UN-Klimakonferenz in Paris, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu senken. Ein Bericht kommt jetzt zum Ergebnis: Die Anstrengungen dafür werden nicht reichen.

Von Werner Eckert, SWR

Große Versprechen abzugeben ist das eine, wichtiger ist es, sie auch einzuhalten. Im Jahr 2015 erklärten die Staaten der Welt in Paris, dass sie den menschengemachten Anstieg der globalen Temperatur auf "deutlich unter zwei Grad" beschränken wollen. In Artikel 14 des Paris-Abkommens heißt es zudem, dass die UN-Klimakonferenz in regelmäßigen Abständen überprüfen soll, ob dies auch genug sei, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Für die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die G20, hat die Organisation Climate Transparency das jetzt schon einmal überprüft. Der klare Befund: Es reicht nicht.

Selbst wenn alle Staaten beim Klimaschutz genau das täten, was sie ankündigten, führte das in der Summe immer noch zu einem Temperaturanstieg von etwa 3,2 Grad Celsius.

Nebelschwaden bei einem Windrad bei Sehnde (Niedersachsen) | Bildquelle: dpa
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Erneuerbare Energien: Viele Länder unternehmen nach Meinung von Experten nicht genug für den Klimaschutz.

Politische Beschlüsse reichen nicht

Der "Brown to Green"-Bericht wurde von 14 wissenschaftlichen Instituten und Denkfabriken erstellt. Demnach hat lediglich Indien nationale Vorgaben festgelegt, die - wenn man sie zum weltweiten Maßstab machte - eine Begrenzung auf zwei Grad möglich machte.

Für die EU, aber auch die USA, liegt der Wert demnach bei etwa 2,5 Grad, für China zwischen 3 und 4 Grad. Wenn die Welt sich Russland, die Türkei und Saudi-Arabien als Beispiele nähme, stiege die Temperatur um mehr als vier Grad, heißt es in dem Bericht.

Die Studie versucht auch abzuschätzen, ob die politischen Beschlüsse und Maßnahmen, die schon laufen, überhaupt geeignet sind, diese Ziele zu erreichen. Auch das ist in vielen Ländern extrem unwahrscheinlich: etwa in Argentinien, Brasilien, Kanada, Mexiko, Südkorea, der Türkei und in den USA.

Ein indischer Bauer geht über ausgetrockneten Boden. | Bildquelle: dpa
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Bauer in Indien: Ein Amerikaner trägt immer noch so viel zum Klimawandel bei wie sieben Bewohner Indiens, so der Brown-to-Green-Bericht.

Mehr Treibhausgase als 1990

Heute produzieren die G20-Staaten laut Bericht 60 Prozent mehr Treibhausgase als 1990. Trotz aller Verbesserungen in der Technik, trotz gestiegener Energieeffizienz. Und das liegt auch nicht nur am Bevölkerungswachstum. Auch pro Kopf gerechnet gibt es einen deutlichen Anstieg von 20 Prozent. Das bedeutet: Die Einwohner dieser Staaten verbrauchen schlicht mehr fossile Energie - zum Heizen, Autofahren und um ihre Nahrungsmittel zu produzieren.

Dennoch gibt es laut Bericht erhebliche Unterschiede: Weit überdurchschnittlich sind die Emissionen pro Kopf in den USA, Kanada, Australien und Saudi-Arabien. Ein Amerikaner trägt immer noch so viel zum Klimawandel bei wie sieben Bewohner Indiens oder zwei Chinas - wobei den Chinesen auch noch alle Güter zugerechnet werden, die in ihrem Land nur erzeugt, aber in den USA benutzt oder verbraucht werden.

Den schmutzigsten Strom gibt es laut Bericht unter den G20 in Südafrika. Es folgen Australien und Indonesien. Entscheidend ist dabei jeweils ein sehr hoher Anteil an Kohlekraftwerken.

Am meisten Benzin pro Kopf verbrauchen die USA vor Kanada und Australien. Frankreich, Großbritannien und Japan bekommen gute Noten für ihre Pläne, Autos mit Verbrennungsmotoren nur noch zeitlich beschränkt zuzulassen.

Hohe Auflagen in Europa

Im Bereich Industrie bekommt die EU gute Noten wegen ihrer hohen Auflagen für neue Anlagen. Die Industrie in China, Südafrika und Russland produziere am schmutzigsten.

Kanada, Deutschland und die USA verbrauchen laut Bericht am meisten Heizenergie pro Kopf. Viele Single-Haushalte mit hohem Pro-Kopf-Verbrauch und großen Wohnungen beeinflussen in Deutschland den Durchschnitt.

Die aktuellen politischen Beschlüsse sollen den Ausstoß an Klimagasen von derzeit 905 Millionen Tonnen auf 735 Millionen Tonnen im Jahr 2030 senken - also um knapp 20 Prozent. Im Klimaschutzplan der Bundesregierung sind aber bis dahin maximal 560 Millionen Tonnen vorgesehen - also minus 40 Prozent.

Die Entwicklung ist also auch hier nicht mit den Zusagen im Paris-Abkommen vereinbar. Das liegt vor allem an den Kohlekraftwerken und am Verkehr. Als ermutigendes Zeichen wertet der Bericht die Förderung der Erneuerbaren Energien.

Hohe Subventionen

Brasilien, Australien, Italien und Saudi-Arabien haben die höchsten Subventionen für fossile Brennstoffe. In Italien sind das enorme Diesel-Verbilligungen für viele Bereiche.

Klimaschutz kostet Geld: Viele ärmere Staaten auf dieser Welt können sich weder saubere Technik noch die Anpassung an den Klimawandel leisten. Deshalb spielt die internationale Klimafinanzierung eine wichtige Rolle.

Die Industriestaaten haben zugesagt, ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar für dieses Thema "zu mobilisieren". Oft verbergen sich hinter diesem Begriff schlicht Verkäufe von Kraftwerken oder Technologie aus Deutschland in andere Länder - also eher ein Geschäft als eine Hilfe.

Aber ein Teil muss auch als direkte Hilfe - öffentliche Gelder - fließen. Hier zahlen Japan, Frankreich und Deutschland nach dem Bericht am meisten. Die USA haben zu diesem Punkt keine Zahlen geliefert.

"Brown-to-Green"-Report: Schlechte Note für deutsche Klima-Anstrengungen
Angela Ulrich, ARD Berlin
14.11.2018 10:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2018 um 23:43 Uhr.

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