Annette Dittert sitzt auf einem Liegestuhl auf einem Hügel
Brexit-Diary

Brexit-Diary Warten auf Ausstieg - oder Fortsetzung?

Stand: 19.11.2020 08:53 Uhr

Die Verhandlungen über ein Brexit-Abkommen ziehen sich. Die "Brexiteers" kümmert die Aussicht auf ein Scheitern wenig. Experten erwarten allenfalls eine dürre Übereinkunft.

Von Annette Dittert, ARD-Studio London

Seit Monaten wartet die Welt auf das Ende der Brexit-Verhandlungen. Deadlines werden gesetzt und ignoriert, die Wochen gehen ins Land und nichts geschieht. Jetzt aber droht die letzte ultimative Deadline: der 1. Januar 2021. Denn an diesem Tag endet die Übergangsphase und der Brexit tritt in Kraft. Mit oder ohne Deal.

Annette Dittert

Boris Johnson hat in den vergangenen Wochen immer wieder erklärt, Großbritannien könne auch problemlos ohne Deal aus der EU austreten, das Land werde auch dann wirtschaftlich blühen und gedeihen. Anders als der überwiegende Teil der britischen Wirtschaft sehen dies viele der Brexit-Hardliner in seiner Partei genauso. Nur ein Austritt ohne Deal sei ein wirklich klarer Bruch, um wieder frei und selbstbestimmt als unabhängige Nation zu agieren, sagt zum Beispiel John Redwood im Gespräch: "Wir brauchen keinen Handelsvertrag, um Handel zu treiben. Wir haben jetzt auch ohne Deal eine fantastische Chance, uns selbst zu entwickeln, dann produzieren wir eben unsere eigenen Nahrungsmittel."

Die größten Vorteile eines Austritts ohne Deal, des sogenannten No Deal sei, dass man dann keine halben Sachen mehr machen müsse, erklärt Redwood: "Uns geht es um Freiheit, wir wollen endlich wieder ein unabhängiges Land sein, das nicht mehr von der EU kontrolliert und herumkommandiert wird."

Auf die Atmosphäre kommt es an

Jill Rutter vom Institute for Government, einem unabhängigen Thinktank in London, glaubt, dass ein Deal in der kurzen noch verbleibenden Zeit mittlerweile nur noch so hauchdünn und oberflächlich sein könne, dass die praktischen Folgen sich in der Praxis kaum von einem Austritt ohne Abkommen unterscheiden würden. "Der eigentliche Unterschied liegt im Atmosphärischen. Denn es muss ja nach dem 1.1.2021 in jedem Fall weiterverhandelt werden, egal ob Deal oder No Deal. Und da wäre ein Deal vor Ende des Jahres eine wesentlich positivere Basis für das zukünftige Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU."

Wie auch immer die Verhandlungen in den kommenden Wochen ausgehen, Großbritannien und die EU-Länder müssen sich in jedem Fall ab Anfang Januar auf turbulente Szenen beidseits der Grenzen einstellen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2020 um 11:00 Uhr.