Biden und Putin scherzen zu Beginn eines Gesprächs bei ihrem Treffen in Genf | AP

Treffen von Biden und Putin Rückkehr der Botschafter vereinbart

Stand: 16.06.2021 19:08 Uhr

Drei Stunden und 21 Minuten - so lange dauerte das erste Treffen zwischen Russland Präsident Putin und seinem US-Amtskollegen Biden. Kürzer als erwartet Wichtigstes Ergebnis: Die Rückkehr der Botschafter.

Russland und die USA senden ihre Botschafter nach Angaben des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück auf ihre Posten im jeweils anderen Land. Darauf habe er sich mit US-Präsident Joe Biden verständigt, sagte Putin nach Ende des Treffens in Genf. Ziel sei, die Spannungen im beiderseitigen Verhältnis abzubauen.

"Konstruktive Gespräche"

Putin erklärte in einer Pressekonferenz, der Ton des Treffens mit Biden sei konstruktiv gewesen. "Unsere Einschätzung zu vielen Themen unterscheidet sich, aber nach meiner Ansicht haben beiden Seiten den Wunsch gezeigt, einander zu verstehen und nach Wegen zu suchen, sich anzunähern", sagte Putin. Während der Gespräche sei keine Feindseligkeit zu spüren gewesen.

Russland hatte seinen Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, vor etwa drei Monaten abgezogen. Zuvor hatte Biden Putin als "Killer" bezeichnet. Der US-Botschafter in Russland, John Sullivan, verließ Moskau vor knapp zwei Monaten. Russland hatte ihm nahegelegt, zu Konsultationen nach Washington zurückzukehren.

Putin verteidigt Inhaftierung Nawalnys

Biden habe Putin während der Begegnung auch auf den Fall des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny angesprochen, bestätigte der Kreml-Chef. Putin verteidigte die Inhaftierung Nawalnys. Der Oppositionelle habe bewusst russische Gesetze ignoriert.

"Dieser Mann wusste, dass er gegen geltendes Recht verstößt", so Putin. Nach seinem Krankenhausaufenthalt in Deutschland habe der 45-Jährige Videos im Internet veröffentlicht und sei den Meldeauflagen nicht nachgekommen. "Er hat das gemacht, was er wollte." Er sei bereit gewesen, festgenommen zu werden. Putin erwähnte während der Pressekonferenz in Genf weder den Namen seines Gegners noch den Anschlag auf den im Straflager inhaftierten Oppositionellen.

Außenministerien sollen Gefangenenaustausch ausloten

Offener zeigte sich der russische Präsident eigenen Angaben zufolge beim Thema eines gegenseitigen Gefangenenaustausches. "Präsident Biden hat dieses Thema in Bezug auf amerikanische Staatsbürger in Gefängnissen der Russischen Föderation angesprochen", so Putin und erklärte, hier könnten "gewisse Kompromisse" gefunden werden. Die Außenministerien beider Länder sollten diesbezüglich in Beratungen einsteigen.

Vor dem Gipfel war besonders in den USA über diesen Punkt spekuliert worden. Im Zentrum standen dabei der in Russland inhaftierte ehemalige US-Soldat Trevor Reed und der ebenfalls in russischer Haft befindliche frühere US-Marineinfanterist Paul Whelan. Im Gegenzug könnten Russland der Waffenhändler Viktor Bout und Konstantin Jaroschenko übergeben werden. Letzterer sitzt in den USA wegen eines Drogenvergehens in Haft.

Großes Themenspektrum

Auf der Agenda des Gesprächs hatten darüber hinaus auch die Rüstungskontrolle, eine Kooperation in Konfliktgebieten, die Corona-Pandemie und der Klimawandel gestanden. Zunächst hatte es ein etwa eineinhalbstündiges Treffen im kleinen Kreis gegeben, bei dem außer den Präsidenten lediglich US-Außenminister Antony Blinken und sein russischer Kollege Sergej Lawrow plus je ein Dolmetscher anwesend waren.

Nach einer Pause wurde das Treffen unter Einbeziehung von ranghohen Beratern jeder Seite für etwa 65 Minuten fortgesetzt. Beide Seiten verbrachten damit weniger als drei Stunden miteinander. Vorab war von vier bis fünf Stunden die Rede gewesen. Biden wollte später ebenfalls vor die Presse treten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2021 um 19:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
fathaland slim 16.06.2021 • 23:55 Uhr

23:28, laurisch._karsten

>>http://www.russland.news/lewada-russen-betrachten-die-usa-die-ukraine-und-grossbritannien-als-feindlich/<< Das hat da Tradition. Weswegen Stalin und Molotow ja in den Dreißigern dann doch Hitler den Vorzug gegeben haben. Die Ukraine war damals komplett unwichtig, es gab sie gar nicht als Staat.