Autos werden in Emden verschifft | Bildquelle: dpa

Anhörung im US-Handelsministerium US-Autoindustrie warnt vor Zöllen

Stand: 20.07.2018 11:07 Uhr

Die kritischen Stimmen um die von US-Präsident Trump angedrohten Autoimportzölle werden immer lauter. Auch im eigenen Land mehrt sich die Kritik: Selbst amerikanische Hersteller argumentieren gegen höhere Zölle.

Vertreter der Autobranche aus dem In- und Ausland haben die US-Regierung bei einer Anhörung im Handelsministerium eindringlich vor den angedrohten Importzöllen gewarnt. Auch amerikanische Hersteller argumentierten gegen höhere Zölle für Import-Autos. Eine Lobbygruppe von US-Autohändlern warnte, dass die Zölle den Absatz um zwei Millionen Fahrzeuge jährlich senken würden. Sie legte eine Studie vor, wonach die Zölle mehr als 117.000 Arbeitsplätze bei den Autohändlern und damit etwa zehn Prozent der Stellen kosten könnten.

Hunderte Mitarbeiter ausländischer Hersteller demonstrierten vor dem Ministerium aus Sorge um ihre Jobs gegen die Pläne. Eine Gruppe von 150 Kongress-Abgeordneten forderte parteiübergreifend in einem Brief einen Verzicht auf die Zölle.

Zusätzliche Zölle bedeuteten tiefen Einschnitt

Zusätzliche Zölle würden einen tiefen Einschnitt in die Verflechtung zwischen den Unternehmen bedeuten und Arbeitsplätze in den USA gefährden, sagte der Präsident des deutschen Branchenverbands, Bernhard Mattes, bei einer Anhörung des US-Handelsministeriums.

Ähnlich äußerte sich der US-Verband Alliance of Automobile Manufacturers, zu dem US-Hersteller wie General Motors und ausländische Produzenten wie Volkswagen und Toyota gehören. "Höhere Autozölle werden neben der Wirtschaft auch amerikanische Familien und Arbeitern schaden", sagte Verbandsvizepräsidentin Jennifer Thomas. Der Preis eines importierten Autos würde um fast 6000 Dollar und der eines in den USA gebauten Autos um 2000 Dollar steigen.

Autoindustrie-Hearing im Handelsministerium in Washington | Bildquelle: AP
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Im US-Handelsministerium wurde bei einer Anhörung am Donnerstagabend über die angedrohten Autozölle diskutiert.

Die Anhörungen gehören zu dem laufenden Verfahren für neue Zölle. Das Ministerium prüft, ob die nationale Sicherheit der USA durch übermäßige Importe in Gefahr ist. Mit dem Argument "Nationale Sicherheit" hatte die Regierung schon die Zölle auf Stahl und Aluminium erhöht.

Webasto-Chef droht mit Stellenabbau

Holger Engelmann, Chef von Webasto, einem traditionsreichem Autozulieferer in Oberbayern, reiste extra nach Washington an, um gegen neue Zölle für die Autoindustrie zu argumentieren: "Sie haben uns in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg beigebracht, wie wichtig freier Handel und offene Märkte sind. Wir haben gelernt, dass das ein Antrieb des Erfolges ihrer Nation war. Darum hoffe ich, dass sie die richtige Entscheidung treffen."

Webasto hat sechs Standorte in den USA, beschäftigt dort 1800 Mitarbeiter. Darum appellierte Engelmann nicht nur emotional, er drohte auch: "Wir wären einer Situation ausgesetzt, die unsere US-Werke stark unter Druck setzt. Das könnte dazu führen, dass es keine weiteren Investitionen gibt, keine Entwicklungen mehr, und eine deutliche Reduzierung der Belegschaft." Engelmann war einer von dutzenden Industrievertretern, die sich für die Anhörungen angemeldet hatten.

Überstürzte Handlungen mit unerwarteten Konsequenzen

Es muss etwas getan werden - das war dagegen das Argument der Gewerkschaft "United Auto Workers". Gewerkschafts-Vertreterin Jennifer Kelly sagte, die Autoproduktion in den USA sei in den vergangenen 17 Jahren zurückgegangen, über 400.000 Stellen seien verlorengegangen, teilweise in billigere Länder verlagert. "Wir wissen, die Autoindustrie ist global, mit komplexen Zulieferketten", sagte Kelly. "Wir warnen, dass überstürzte Handlungen unerwartete Konsequenzen haben können, auch Massenentlassungen. Das heißt aber nicht, dass wir nichts unternehmen sollten."

Sechs Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung

Sollten die USA die angedrohten Zölle auf importierte Autos erheben, würde das die deutsche Wirtschaft nach Darstellung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) etwa sechs Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung kosten.

Er nehme die Drohungen von US-Präsident Trump "sehr ernst", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Solche Zölle wären "international rechtswidrig". Zudem würden sie nicht nur Arbeitsplätze in Deutschland und Europa kosten, sondern auch Jobs und Investitionen in den USA treffen.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer | Bildquelle: dpa
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Der DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte, er nehme die Drohungen von US-Präsident Trump "sehr ernst".

Wie sich die US-Regierung entscheidet, ist noch offen. Handelsminister Wilbus Ross sagte bei der Anhörung, dafür sei es noch zu früh. Trump hatte damit gedroht, europäische Autos mit einem Einfuhrzoll von 20 Prozent zu belegen, sollte die EU ihre Handelsbarrieren nicht abbauen.

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2018 um 07:37 Uhr.

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