Bill Birtles | Bildquelle: AFP

Diplomatische Spannungen Australische Journalisten verlassen China

Stand: 08.09.2020 10:28 Uhr

Fluchtartig haben die letzten verbliebenen australischen Journalisten China verlassen. Die Details sind noch unklar - gewiss ist aber: Das ist ein neuer Tiefpunkt in den Beziehungen beider Länder.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die erschreckenden Ergebnisse diplomatischer Zerwürfnissen - mit australischer Untertreibung vorgetragen klingen sie so: "Ich muss sagen, es ist sehr enttäuschend, dass wir unter diesen Umständen ausreisen mussten." Das sagte Bill Birtles, China-Korrespondent des australischen Fernsehsenders ABC.

Am Dienstag ist er in Sydney gelandet, nachdem er mehrere Tage in der australischen Botschaft in Peking verbrachte und beide Länder sich eine diplomatische Auseinandersetzung lieferten.

"Es ist gut, wieder in einem Land zu sein, in dem es Rechtssicherheit gibt. Es war wie ein Wirbelwind, es war keine besonders schöne Erfahrung", sagte Birtles.

"Es ist eine komplizierte Erfahrung"

Auch Birtles' Kollege Michael Smith vom "Australian Financial Review" ist wieder in Australien angekommen, zur großen Erleichterung Australiens und seiner selbst: "Es ist so gut, wieder hier zu sein, so eine Erleichterung, vielen Dank."

Auf die Reporterfrage, ob er sich bedroht gefühlt habe, sagt Smith nur: "Ein wenig. Es ist eine komplizierte Erfahrung."

Diese Erfahrung war, dass den beiden Journalisten in der vergangenen Woche nahegelegt wurde, zu ihrer Sicherheit das Land zu verlassen.

Mike Smith, Korrespondent der Zeitung "Australian Financial Review" in Shanghai. | Bildquelle: dpa
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Mike Smith, Korrespondent der Zeitung "Australian Financial Review" in Shanghai, nach seiner Ankunft am Flughafen.

Nächtlicher Besuch der Polizei

Doch in der Nacht vor der geplanten Abreise bekam Birtles, der Studioleiter für ABC in Peking, Besuch von sieben Polizeibeamten. Sie teilten ihm mit, er könne nicht ausreisen und solle am nächsten Tag zu einer Frage der nationalen Sicherheit befragt werden. Daraufhin begab er sich mit Hilfe australischer Diplomaten in die Botschaft.

Ähnlich erging es Wirtschaftsjournalist Smith in Shanghai. Erst nachdem sie zustimmten, sich in Anwesenheit australischer Diplomaten von der chinesischen Staatssicherheit befragen zu lassen, durften sie schließlich ausreisen.

Australierin festgenommen

Nach Angaben des "Australian Financial Review" ging es um Cheng Lei. Die Australierin arbeitet für den chinesischen Fernsehsender CGTN, sie ist dort eine prominente Moderatorin. Mitte August wurde sie festgenommen, erst zwei Wochen später erfuhr Australien davon. Aber wie der australische Handelsminister Simon Birmingham betonte: Mehr ist nicht bekannt.

Mit Birtles und Smith haben die letzten verblieben Journalisten australischer Medien China verlassen.

"China zu verstehen, das Verhältnis unserer beiden Länder zu verstehen, das ist womöglich die spannendste Geschichte unserer Zeit. Und eigene Leute dort zu haben die uns diese Geschichte erzählen, ist unabdingbar für uns", sagte ABC-Nachrichtenchef Gavin Morris: "Es ist offensichtlich schwer zu wissen, was sich unter diesen Umständen entwickelt. Wir bekamen nicht viel direkte Information darüber, was dort vor sich ging."

Die australische Journalistin Cheng Lei. | Bildquelle: AFP
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Von den chinesischen Behörden in Peking festgenommen: Die australische Moderatorin Cheng Lei, die für einen englischsprachigen Staatssender in China arbeitet.

Neuer Tiefpunkt der Beziehungen

Das Verhältnis der beiden Länder erreicht damit einen weiteren Tiefpunkt. China wirft Australien vor, es mit seiner Forderung nach einer Untersuchung über den Ursprung des Coronavirus verletzt zu haben. Im Gegenzug verhängte China Handelsbeschränkungen für australisches Rind und Gerste.

Australien wirft China unter anderem den Versuch politischer Einflussnahme vor. In Australien gilt eine generelle Reisewarnung für China. Der Grund: das Risiko willkürlicher Festnahme für australische Staatsbürger.

Spannungen verschärft - Australische Journalisten verlassen China
Lena Bodewein, ARD Singapur
08.09.2020 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. September 2020 um 09:10 Uhr.

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