Ein Mann hält vor der brennenden Filiale einer Burgerkette in Atlanta ein Schild hoch, auf dem Strafverfolgung für die Polizei gefordert wird. | Bildquelle: dpa

Polizist erschießt Schwarzen Wütende Proteste in Atlanta

Stand: 14.06.2020 07:55 Uhr

Ein neuer Fall von Polizeigewalt in den USA sorgt für Entrüstung. Nach dem Tod eines Schwarzen in Atlanta kam es zu Ausschreitungen. Ein Polizist wurde entlassen, die Polizeichefin reichte ihren Rücktritt ein.

Nach dem erneuten Tod eines Schwarzen durch Polizisten in den USA ist es in Atlanta zu gewaltsamen Protesten gekommen. In der Nacht zum Sonntag brannte das Schnellrestaurant, vor dem am Abend zuvor ein 27-Jähriger von einem Polizist erschossen worden war. "Das Restaurant steht voll in Brand und grenzt an eine Tankstelle. Keine Berichte von jemandem innerhalb des Gebäudes", twitterte die Feuerwehr in Atlanta. Löschkräfte stünden bereit, könnten aber nicht sicher an das Gebäude rankommen, hieß es weiter.

Zuvor hatten Medien von wütenden Protesten in der Nähe des Tatortes berichtet. Demnach hatten Demonstranten auch einen Highway blockiert und dort für ein Verkehrschaos gesorgt. Auf TV-Bildern von Fox News und CNN waren große Flammen zu sehen, die aus einem Gebäude schlugen.

Offenbar Taser auf Polizisten gerichtet

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zu Samstag vor einem Schnellrestaurant in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Bei dem getöteten Mann handelt es sich den Angaben zufolge um den 27-jährigen Rayshard Brooks. Er sei in seinem Wagen an der Zufahrt eines Schnellrestaurants eingeschlafen, teilte die Polizei mit. Andere Fahrzeuge hätten den Wagen umkurven müssen, hieß es.

Proteste und Ausschreitungen nach erneutem Tod eines Schwarzen durch Polizeigewalt
tagesthemen 23:15 Uhr, 14.06.2020, Christiane Meier, ARD New York

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Brooks habe sich dann der Festnahme widersetzt, nachdem er einen Alkoholtest nicht bestanden habe. Laut Medienberichten ist auf einer Videoaufnahme, die ein Unbeteiligter gemacht hat, zu sehen, wie Brooks mit den beiden Polizisten am Boden vor dem Restaurant ringt. Er konnte sich offenbar losreißen und über den Parkplatz rennen. Dabei hatte er einen Gegenstand in der Hand, bei dem es sich um einen Elektroschocker handeln soll, den er zuvor einem der Polizisten entwendet haben soll. Ein zweites Video von der Kamera des Restaurants zeigt, wie Brooks sich im Lauf umdreht und möglicherweise mit dem Elektroschocker auf die ihn verfolgenden Polizisten zielt. Dann schießt ein Polizist, und Brooks stürzt zu Boden.

Christiane Meier, ARD New York, über den jüngsten Todesfall bei einem Polizeieinsatz und die Reaktionen darauf
tagesschau24 18:00 Uhr, 14.06.2020

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Polizist entlassen, Polizeichefin tritt zurück

Der Fall hat bereits personelle Konsequenzen: Ein an dem Einsatz beteiligter Polizist wurde aus dem Dienst entlassen. Ein weiterer sei vom aktiven Dienst auf der Straße suspendiert worden, gab die Polizei bekannt. Am Samstag war bereits Polizeichefin Erika Shields zurückgetreten. Sie wünsche sich, dass Atlanta ein "Vorbild für jene sinnvollen Reformen" sei, die es in den USA landesweit geben sollte. Die Polizeichefin sei mehr als 20 Jahre im Dienst gewesen.

Die Bürgermeisterin Atlantas, Keisha Lance Bottoms, hatte zuvor bereits die Entlassung des Polizisten gefordert. Sie erklärte, sie glaube nicht, "dass dies eine gerechtfertigte Anwendung von tödlicher Gewalt war".

Das Kriminalamt des Bundesstaates Georgia, GBI, warnte dagegen vor voreiligen Schlüssen. Den Ermittlern sei bewusst, dass in solchen Fällen "enorme Gefühle" mit im Spiel seien und dies durch die derzeitige Situation verstärkt werde. Die Staatsanwaltschaft müsse beurteilen, ob es gerechtfertigt gewesen sei, dass der Polizist geschossen habe. GBI-Chef Vic Reynolds kündigte an, dass das Videomaterial der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Parallel teilte ein lokaler Staatsanwalt mit, seine Behörde habe bereits mit Untersuchungen in dem Fall begonnen.

Atlantas zurückgetretene Polizeichefin Shields (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Atlantas Polizeichefin Shields trat nach dem Vorfall zurück.

Seit dem Tod von George Floyd Ende Mai in Minneapolis kommt es in vielen Städten der Vereinigten Staaten, aber auch weltweit, zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt - trotz dessen wiederholter Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

Atlanta: Schwarzer getötet, Polizeichefin tritt zurück
Katrin Brand, ARD Washington
14.06.2020 08:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juni 2020 um 05:00 Uhr.

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