Nur wenige Menschen halten sich im Bereich für internationale Flüge auf dem internationalen Flughafen Narita auf. | dpa

Corona-Pandemie Japan als unerreichbares Ziel

Stand: 11.12.2021 17:06 Uhr

Seit fast zwei Jahren lässt Japan so gut wie niemanden ins Land - als einziger G7-Staat. Darunter leiden etwa Studierende oder Menschen, die in Japan arbeiten wollten. Doch trotz einer WHO-Rüge bleibt die Regierung hart.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Alisa aus Tübingen hat alles auf Japan gesetzt. Sie hat Englisch und Deutsch studiert und wollte an einer japanischen Sprachschule unterrichten. Stattdessen kellnert sie jetzt im Asia-Restaurant ihrer Eltern.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Seit fast zwei Jahren wartet sie auf eine Einreisemöglichkeit. "Ich liebe Japan, ich habe versucht, die Sprache und die Kultur zu lernen, und nun schwindet ein bisschen meine Liebe für das Land, weil ich mich ein bisschen alleingelassen fühle. Ich hätte mir einfach einen Plan gewünscht", sagt Alisa. Eine konkrete Persoektive hat sie bis heute nicht.

Fernunterricht zu schwierigen Uhrzeiten

Ähnlich wie ihr geht es Matthias - für sein Studium der interkulturellen Kommunikation an der Uni in Dresden wollte er sein Pflicht-Auslandssemester in Japan absolvieren. Daraus wurde Fernunterricht mit Augenringen.

"Das Semester bestand aus früh um eins Unterricht zu haben bis mittags. Es war nicht möglich, nebenbei etwas Effizientes wie einen Nebenjob zu machen wegen der Zeitverschiebung und allem", sagt Matthias.

Japaner müssen bei Rückkehr in Quarantäne

Alisa und Matthias haben beide Partner in Japan, die sie ewig nicht gesehen haben, weil für Japaner die Wiedereinreise in ihre Heimat mit Quarantäne verbunden ist und sich das viele beruflich nicht leisten können.

Beide haben Verständnis für die strengen Einreiseauflagen Japans - allerdings ärgern sie sich, dass es für Menschen mit Arbeitsvertrag oder Studierende keine Ausnahmen gibt, so wie für Japaner, die nach Europa reisen. 

"Dass wir in Europa japanische Studenten, Arbeitnehmer und Familienangehörige willkommen heißen, finde ich ganz, ganz toll. Aber da gibt es keine Gegenseitigkeit, und das finde ich sehr schade", so Alisa.

Protest - ohne Erfolg

Matthias hat, wie auch Alisa, schon viele Briefe an Behörden und Botschaften geschrieben, sich Netzwerken angeschlossen, die gegen die Einreisebeschränkungen protestieren. Doch bislang ohne Erfolg. Deutschland, die EU - alle schweigen, keiner übt laut Kritik an Japan.

"Dass das alles so hingenommen und akzeptiert wird und nicht gesagt wird: Das geht nicht, weil es bilaterale Abkommen sind und unsere Studenten auch was wert sind. Dass absolut nichts von der Regierung kommt - das ist etwas, worüber ich sehr frustriert bin und was ich mir auch nicht erklären kann", sagt Matthias.

Selbst das kleine Öffnungsfenster Japans im November bot offenbar nicht einmal 100 Menschen die Möglichkeit einzureisen, weil dermaßen viele Papiere ausgefüllt und eingereicht werden mussten.

Dem Italiener Davide Rossi, der in Japan lebt, ist es zu verdanken, dass inzwischen auch japanische Medien über die Problematik berichten. Der Studentenberater hat viele Protestaktionen organisiert.

Betroffenen fehlt jede Perspektive

Er hat in der Vergangenheit viele Geschichten über Leid gehört und meint: "Ich finde, jemand in Europa muss hier mal deutliche Worte finden - ein Politiker oder eine öffentliche Stimme - und Japan zumindest bitten, die Grenzen wieder zu öffnen oder den Menschen eine zeitliche Perspektive zu geben."

Rossi hat jedes Verständnis für Japans Vorsicht, doch wehrt er sich gegen Willkür und fordert gleiche Einreisechancen für alle. "Das Virus guckt nicht auf den Pass. Die Gefahr, das Virus ins Land zu bringen, ist immer gleich hoch, egal ob man Japaner oder Ausländer ist."

In Japan sieht man das selbst trotz einer Rüge der WHO bislang anders. Regierungschef Fumio Kishida will mit den Grenzschließungen Entschlusskraft beweisen. Bislang dankt es ihm das Volk mit guten Zustimmungswerten.

 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Dezember 2021 um 00:42 Uhr.