Ein jüdischer Junge vor einem Schulbus in New York. | Bildquelle: REUTERS

Antisemitismus Zahl der Angriffe auf New Yorks Juden steigt

Stand: 22.11.2019 05:30 Uhr

Der New Yorker Stadtteil Brooklyn gilt als das "Tel Aviv Amerikas". 2019 hat die Polizei hier über 50 Prozent mehr antisemitische Übergriffe registriert als im Vorjahreszeitraum - ein Warnsignal für das ganze Land.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Ein Freitagabend im November: In Borough Park, einem Stadtteil von Brooklyn, werden drei orthodoxe Juden auf der Straße angegriffen. Zwei Synagogen werden mit Eiern beworfen. In ein Fenster der chassidischen Mädchenschule im benachbarten Crown Heights wird ein Stein geschmissen.

"Es gab immer vereinzelt Ausbrüche von Antisemitismus in Brooklyn – beispielsweise nach einer militärischen Aktion Israels. Dann war es aber auch wieder vorbei. Was wir jetzt seit rund zwei Jahren in Brooklyn haben, sind aber konstante Angriffe und Vandalismus. Früher gab es Atempausen für die Gemeinden - das hat sich in den vergangenen Jahren geändert", sagt Evan Bernstein.

Er ist der New Yorker Regionaldirektor der Anti Defamation League, einer Organisation, die seit 1913 in den USA gegen Antisemitismus kämpft. Die offiziellen Zahlen bestätigen seine Beobachtung: 2019 hat die New Yorker Polizei über 50 Prozent mehr antisemitische Übergriffe registriert als im Vorjahreszeitraum - die meisten davon in Brooklyn.

Ein Alarmsignal auch für den Bezirksvorsitzenden Eric Adams, der so etwas wie der Bezirksbürgermeister von Brooklyn ist:"Wir haben hier eine der größten jüdischen Gemeinden außerhalb Israels. Wir sind das Tel Aviv Amerikas. Und wenn wir es hier in Brooklyn nicht schaffen, mit diesem Problem fertig zu werden, dann könnte das zum Problem für das gesamte Land werden."

Ein Klima der Angst

In den Vierteln Brooklyns, in denen viele orthodoxe Juden leben, wie Crown Heights, Borough Park und Teile Williamburgs, habe sich ein Klima der Angst ausgebreitet, erzählt Rabbi Eli Cohen. Deshalb sei es wichtig, immer wieder öffentlich Position zu beziehen: "Wann immer es Vorfälle gegeben hat, haben Politiker sofort klar gemacht, dass sie das nicht tolerieren werden. Und das begrüßen wir sehr. Genauso, wie das Engagement der Repräsentanten der unterschiedlichsten Glaubensgemeinschaften hier in Brooklyn, die immer wieder sagen, dass hier kein Platz für Hass ist."

Doch öffentliche Statements allein reichen nicht, sagt Bernstein von der Anti Defamation League. Denn es seien häufig junge Leute, die nach antisemitischen Übergriffen festgenommen werden: "Wir sehen das überall, auch in Schulen gibt es immer wieder solche Vorfälle. Und wir machen uns Sorgen, dass Antisemitismus, Hass, Schießereien und was weiß ich noch, dass das alles zu einer Normalität für junge Leute wird."

"Kein Platz für Hass"-Projekt

Aus diesem Grund steckt seine Organisation allein in Brooklyn eine Viertel Million Dollar in das Projekt "No Place for Hate" - kein Platz für Hass. 40 Schulen aus den Problemstadtteilen nehmen daran teil, doppelt so viele wie im Schuljahr zuvor.

"Bildung ist der Schlüssel. Hass ist gelernt und nicht angeboren. Viel zu oft reagieren wir nur auf Übergriffe. Wir wollen aber proaktiv in die Schulen gehen, mit den acht- bis Zwölfjährigen arbeiten, bevor sie Vorurteile haben oder Steine werfen. Wir binden die Eltern in diese Programme ein und auch die Schulen, um eine Kultur gegen Vorurteile und Hass zu schaffen."

Antisemitismus in New York: Zahl der Angriffe auf Juden steigt
Peter Mücke, ARD New York
22.11.2019 06:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2019 um 05:49 Uhr.

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