Atomkraftwerk Tihange

Belgisches AKW Deutsche Brennelemente für "Bröckelreaktor"

Stand: 28.03.2017 02:14 Uhr

Tausende Risse im Reaktordruckbehälter - zumindest auf deutscher Seite ist man sich sicher: Das belgische Atomkraftwerk Tihange 2 ist ein Sicherheitsrisiko. Doch ausgerechnet Deutschland sorgt für den Weiterbetrieb des "Bröckelreaktors".

Von Jürgen Döschner, WDR

Es war nicht gerade ein kleiner Auftrag: Insgesamt 16 Mal fuhren die Schwertransporter vom niedersächsischen Lingen Richtung Lüttich. Vom 16. Juni 2016 bis zum 14. März 2017. Ihre Fracht: 68 Brennelemente, Brennstoff für Tihange 2, einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Atomreaktoren in Europa. Die jetzt veröffentlichte Liste des "Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit" (BfE) bestätigt den Vollzug einer entsprechenden Genehmigung vom Juni vergangenen Jahres. In Aachen, nur 70 Kilometer von dem umstrittenen Atomkraftwerk entfernt, hat man wenig Verständnis.

"Das ist inakzeptabel", sagt Helmut Etschenberg, Specher der Städteregion Aachen. "Wenn man sieht, wie wir konkret auch die Sorgen artikulieren und vortragen, dann werden wir eigentlich im Stich gelassen. Das geht nicht."

Deutsche Brennelemente für umstrittenes AKW Tihange
nachtmagazin 00:15 Uhr, 29.03.2017, Linda Schildbach, ARD Berlin

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Proteste gegen "Bröckelreaktor"

Tausende Risse im Reaktordruckbehälter von Tihange 2 hatten in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Bürger protestierten, umliegende Städte zogen vor Gericht, NRW-Umweltminister Johannes Remmel sprach von "Bröckelreaktor" und forderte die Stilllegung. Genauso wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: "Wenn mir die besten Experten, die wir bei uns in Sachen Reaktorsicherheit haben, nicht bestätigen können, dass die Sicherheitsreserven von Tihange 2 und Doel 3 eingehalten werden können, dann halte ich es für richtig, die Anlagen vorübergehend vom Netz zu nehmen."

"Wir werden allein gelassen"

Das sagte Hendricks am 20. April 2016. Knapp zwei Monate später im Juni 2016 genehmigte ausgerechnet das der Umweltministerin unterstellte BfE erstmals die direkte Belieferung des AKW Tihange 2 mit Brennelementen aus Deutschland. Für Städteregionsrat Etschenberg eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: "Wir werden allein gelassen. Wir vertreten fast 15 Millionen Menschen, die ihre Sorge artikulieren - und die ist nicht einfach aus heiterem Himmel gekommen. Dazu gibt's gutachterliche Bewertungen. Die Bundesregierung muss uns an der Stelle helfen. Das geschieht nicht."

Verbot wäre deutliches Signal

Dabei hätte Berlin durchaus die Mittel solche Lieferungen zu unterbinden, sagt zumindest die Berliner Rechtsanwältin Cornelia Ziehm. Das Atomgesetz, so schrieb sie in einem Gutachten, gebe der Bundesregierung die entsprechende Handhabe, wenn - wie im Fall Tihange 2 und Doel 3 - die Sicherheit der Bürger durch den Betrieb dieser Reaktoren bedroht werde. Zwar hätte ein Verbot der Lieferung nicht das Aus für Tihange bedeutet. Aber es wäre ein deutliches Signal in Richtung Brüssel gewesen.

Deutsche Brennelemente für Druckwasserreaktor Tihange 2
J. Döschner, WDR
27.03.2017 20:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. März 2017 um 05:26 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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Jürgen Döschner, WDR

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