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Taliban in Kabul "Es herrscht eine große Unruhe"

Stand: 15.08.2021 13:49 Uhr

Die Situation in Kabul ist nach dem Vorrücken der Taliban unübersichtlich. Vereinzelt komme es zu Panikkäufen, sagte der Leiter des örtlichen Caritas-Büros bei tagesschau24. Die Situation könnte sich vor allem für Frauen schnell verschlechtern.

Nach dem Vormarsch der Taliban auf Kabul herrscht Anspannung in der afghanischen Hauptstadt. "Es herrscht eine große Unruhe in der Stadt", sagt Stefan Recker, Leiter des Afghanistan-Büros der Hilfsorganisation Caritas International, im Gespräch mit tagesschau24. Es komme zu Panikkäufen in den Geschäften, vor den Banken in der Stadt gebe es wohl lange Schlagen. Gleichwohl bestätigten sich die Meldungen, wonach die Taliban in den Außenbezirken stehen geblieben sind. "Ich habe noch nichts davon gehört, dass hier in der Stadt gekämpft wird", sagt Recker.

Vereinzelt seien Schüsse zu vernehmen, so Recker. "Das sind aber wahrscheinlich Schüsse, um Plünderer zu vertreiben." Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas seien am Morgen nach Hause geschickt worden. Er selbst befinde sich derzeit noch im Büro in Kabul, so Recker. "Ich werde auch mein Möglichstes tun, nicht raus zu gehen momentan."

Mit Blick auf die weitere Arbeit im Land sagte Recker: "Auch die Taliban brauchen Hilfsorganisation, um die größte Not hier im Lande anzugehen. Die werden mit Sicherheit versuchen, Hilfsorganisationen hier zu unterstützen, zumindest zu tolerieren." Für die Frauen im Land würde sich die Situation, sollten die Taliban ein Kalifat erreichten, indes verschlechtern. Recker hoffe daher, dass seine Mitarbeiterinnen weiter arbeiten könnten, um auch künftig weibliche Hilfsbedürftige zu unterstützen.

"Es ist eine Tragik"

Auch der ehemalige NATO-General Hans-Lothar Domröse hat die Sorge, dass mit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan viele demokratische Fortschritte im Land zunichte gemacht werden könnten. "Ich fürchte, dass genau das, was wir wollten, nämlich: Menschenrechte durchsetzen, die Unabhängigkeit der Gerichte, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Wahlrecht - dass das alles hinüber ist", sagte Domröse im Gespräch mit tagesschau24. "Es ist eine Tragik."

Im Gegensatz zur aktuellen Regierung seien die Taliban nicht durch freie Wahlen mandatiert. Das seien "irgendwelche Glaubenskrieger", die nun sagten, sie machten es besser. "Das wird fürchterlich", so Domröse. Er verglich ein mögliches Kalifat der Taliban mit dem sogenannten "Islamischen Staat" einst im Irak. "Insbesondere für Mädchen und Frauen habe ich schlimmste Befürchtungen."

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