Das Handout der Bundeswehr zeigt einen Militärtransporter C17, der vom Feldlager in Masar-i-Scharif Richtung Deutschland fliegt (Archivbild). | dpa

Deutsches Engagement in Afghanistan Einsatz kostete mehr als 17 Mrd. Euro

Stand: 05.10.2021 08:05 Uhr

Mehrere Bundesministerien haben insgesamt mehr als 17,3 Milliarden Euro für den Afghanistan-Einsatz gezahlt. Welche mit deutschem Geld aufgebaute Infrastruktur jetzt von den Taliban genutzt wird, hält die Bundesregierung geheim.

Zwanzig Jahre lang waren die Bundeswehr und deutsche Entwicklungshelfer in Afghanistan im Einsatz, verschiedene Bundesministerien gaben dafür insgesamt mehr als 17,3 Milliarden Euro aus. Einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP zufolge machte den größten Posten dabei das Militär aus.

Für die Beteiligung der Bundeswehr an den Einsätzen "International Security Assistance Force", "Operation Enduring Freedom" und der "Resolute Support Missions" zahlte das Verteidigungsministerium demnach insgesamt rund 12,3 Milliarden Euro. Das Auswärtige Amt gab 1,48 Milliarden Euro an projektbezogenen Personal- und Sachkosten aus, die zusätzlich zum regulären diplomatischen Dienst entstanden. Das Entwicklungsministerium zahlte weitere 2,46 Milliarden Euro, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 33 Millionen Euro.

BND-Ausgaben geheim

Auch beim BND entstanden Ausgaben für den Einsatz. Allerdings legt die Bundesregierung diese nicht offen, weil sie als geheim eingestuft werden. Eine Offenlegung würde "die Aufgabenerfüllung des Bundesnachrichtendienstes stark beeinträchtigen, was wiederum die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder ihren Interessen schweren Schaden zufügen könnte", so die Bundesregierung.

In diesem Zusammenhang soll auch nicht bekannt werden, welche Infrastruktur, die mit deutschem Geld aufgebaut wurde, inzwischen von Taliban genutzt wird. Dies würde Informationen zu den Fähigkeiten, Methoden und dem Wissen des BND "einem nicht eingrenzbaren Personenkreis nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland zugänglich machen", so die Bundesregierung.

Bilanzdebatte beginnt

Am Mittwoch sollen bei einer ganztägigen Veranstaltung mit dem Titel "20 Jahre Afghanistan - Startschuss für eine Bilanzdebatte" erste Schlüsse aus dem Afghanistan-Einsatz gezogen werden. Verteidigungspolitiker aus den Fraktionen von SPD, Grünen, FDP und auch der Union hatten den Termin mit Hinweis auf die anstehenden Sondierungsgespräche abgesagt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hält trotz starker Kritik an dem Termin fest.

Die Bewertung des Einsatzes durch die höchsten Vorgesetzten sei man den Soldaten schuldig, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die abwesenden Fraktionen würden im Anschluss Berichte zu der Konferenz erhalten. Am 13. Oktober ist zudem eine Würdigung des Einsatzes geplant.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.