Soldat in Afghanistan | Bildquelle: AP

Bericht des US-Sonderinspektors Afghanische Regierung verliert an Boden

Stand: 23.11.2018 13:45 Uhr

Der US-Sonderinspektor für Afghanistan hat eine ernüchternde Bilanz gezogen: Die Regierung kontrolliert nur noch 226 von 407 Distrikten. Der Erfolg im Kampf gegen die Taliban sei "minimal".

Mehr als ein Jahr nach dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strategiewechsel in Afghanistan sind die radikalislamischen Taliban dort weiter auf dem Vormarsch.

Die afghanische Zentralregierung in Kabul übe nur noch in 226 von 407 Distrikten des Landes Einfluss aus, heißt es in dem in Washington vorgelegten Fortschrittsbericht des US-Generalinspektors für Afghanistan (SIGAR). Dies sei die bislang niedrigste registrierte Zahl.

Laut dem Bericht stieg die Zahl der umkämpften Provinzen, die weder von der Regierung noch von den Taliban kontrolliert werden, um zehn - auf 132 der insgesamt 407. Demnach ist ein Drittel (32,4 Prozent) der Distrikte in dem südasiatischen Land umkämpft. Etwa zwölf Prozent der Distrikte stehen unter der Kontrolle der Taliban - das waren Ende Juli 49 der 407 Distrikte. Die Zahl der getöteten afghanischen Sicherheitskräfte sei im Zeitraum von Mai bis September dieses Jahres auf einen Höchststand gestiegen.

Kämpfer der Taliban in Surkhroad (Afghanistan) | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Die Fortschritte im Kampf gegen die Taliban ist laut dem US-Generalinspektor "minimal".

In Afghanistan vergeht kaum ein Tag ohne Gewalt: So hatte sich erst gestern ein Selbstmordattentäter vor dem größten Gefängnis Afghanistans, in Kabul, in die Luft gesprengt und sieben Menschen getötet. Der Angriff galt einem Bus, der Mitarbeiter der Haftanstalt transportierte, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. In dem weitläufigen Pul-e-Charchi-Gefängnis sind Hunderte verurteilte Straftäter untergebracht, darunter viele Kämpfer der Taliban. Auch die Wahl in Afghanistan im Oktober war von Gewalt überschattet.

Zerstörter Bus nach Anschlag in Afghanistan | Bildquelle: AP
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Zerstörter Bus nach dem jüngsten Anschlag in Kabul. Sieben Menschen kamen ums Leben.

Kaum Fortschritt im Kampf gegen die Taliban

Genaue Zahlen zu den Getöteten nannte der Generalinspektor in seinem Bericht nicht. Die US-Regierung veröffentlicht Zahlen seit vergangenem Jahr auf Bitten Afghanistans nicht mehr. Der Generalinspektor resümierte, dass die von den USA unterstützten afghanischen Streitkräfte "minimalen oder gar keinen Fortschritt" im Kampf gegen die Taliban gemacht hätten.

Die Regierung in Kabul kontrolliere noch Gebiete, in denen rund 65 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebten. Vor einem Jahr hatte der damalige Kommandeur der NATO-Mission in Afghanistan, John Nicholson, als Ziel ausgegeben, dass die Regierung bis 2019 mindestens 80 Prozent der Bevölkerung kontrollieren solle.

Seit einem Jahr veränderte US-Strategie

Präsident Trump hatte im vergangenen Jahr eine überarbeitete Afghanistan-Strategie vorgelegt. Er schickte mehrere Tausend zusätzliche US-Soldaten in das Land. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, afghanische Kräfte auszubilden und zu beraten.

Der US-Generalinspektor für Afghanistan war vom Kongress in Washington eingesetzt worden. Er legt regelmäßige Berichte zum Stand des Wiederaufbaus in Afghanistan vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. November 2018 um 12:00 Uhr.

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