Anwohner versammeln sich am Ort eines Selbstmordanschlages in der afghanischen Hauptstadt Kabul. | AFP

Afghanistan Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag

Stand: 25.10.2020 09:13 Uhr

Die Gewalt in Afghanistan hört nicht auf: In Kabul starben zahlreiche Schüler bei einem Selbstmordanschlag des IS. Zuvor hatten die Taliban Anschläge verübt. Der Geheimdienst meldete die Tötung eines Al-Kaida-Führers.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Bei Anschlägen in Afghanistan sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Ein besonders schwerer Anschlag wurde in Kabul verübt. Ein Selbstmordattentäter der Terrororganisation "Islamischer Staat" sprengte sich vor einer Bildungseinrichtung in der Hauptstadt in die Luft. Laut afghanischem Innenministerium starben 24 Menschen, 57 wurden verwundet.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

IS bekennt sich zu Anschlag

Ein Selbstmordattentäter habe versucht, sich Zugang zu der Einrichtung im westlichen Stadtteil Dascht-e Bartschi zu verschaffen, so das Innenministerium. Als er von Sicherheitskräften entdeckt wurde, habe er den Sprengsatz in einer engen Gasse gezündet, hieß es. Unter den Opfern seien vor allem Schülerinnen und Schüler. Sie seien in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden und würden dort behandelt, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Waheed Majroh.

Rohullah, einer der Augenzeugen, berichtet: "Alle Opfer waren Teenager, Jungs und Mädchen, zwischen 17 und 18 Jahre alt. Wir haben die Verletzten und auch die Leichen zum Krankenhaus gebracht. Alles junge Leute."

Seema, eine junge Frau, überlebte den Anschlag, weil sie sich zum Zeitpunkt der Explosion im Innern des Gebäudes aufgehalten hatte. "Vor dem Haus waren viele Schülerinnen und Schüler, denn es war gerade Pause und der Unterricht sollte wieder beginnen. Dann gab es diese Explosion, obwohl Sicherheitsleute da waren. Ich habe überlebt, denn ich habe mich drinnen mit einer Freundin unterhalten", sagt Seema.

Die Taliban hatten umgehend dementiert, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Später bekannte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" zu der Tat. Ein "heldenhafter Märtyrer" habe einen Sprengstoffgürtel in einer Ansammlung von Schiiten gezündet, teilte der IS auf seiner Internetplattform mit.

Angriffe der Taliban

Zuvor waren in der östlichen Provinz Ghazni neun Menschen von einer Bombe am Straßenrand getötet worden. Der Sprengkörper explodierte, als ein Kleinbus vorbeigefahren sei, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs. Als Polizisten zu Hilfe eilten, sei ein zweiter Sprengsatz hochgegangen und habe zwei Beamte getötet. Zu diesem Anschlag hat sich bislang noch niemand bekannt. Medienberichten zufolge gehen die Behörden jedoch davon aus, dass es die Taliban waren.

Wie das afghanische Fernsehen unter Berufung auf das Innenministerium berichtete, gab es allein in dieser Woche mehr als 350 Angriffe der Taliban auf Regierungstruppen und öffentliche Einrichtungen, darunter zwei Selbstmordanschläge und mehr als 50 Sprengstoffanschläge. Mehr als 50 Zivilisten seien dabei ums Leben gekommen, hieß es.

Bei Gegenangriffen der afghanischen Sicherheitskräfte seien mehr als 400 Taliban getötet worden. Unabhängige Bestätigungen für die Angaben gibt es nicht.

Ranghoher Al-Kaida-Anführer getötet

Der afghanische Geheimdienst meldete zudem die Tötung eines ranghohen Al-Kaida-Mitglieds. Abu Muhsin Al-Masri sei der stellvertretende Befehlshaber der Terrororganisation für den indischen Subkontinent gewesen, hieß es in der Mitteilung, die per Twitter verbreitet wurde.

Das US-Justizministerium habe Al-Masri 2018 auf der Liste der am meisten gesuchten Terroristen geführt.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 25. Oktober 2020 um 07:09 Uhr.