Sicherheitskräfte auf einer Straße in Chost | Bildquelle: AFP

Verhandlungen mit Taliban Hoffen auf Frieden in Afghanistan

Stand: 19.12.2018 10:54 Uhr

Ein Friedensprozess "war noch nie so greifbar wie heute". So optimistisch äußert sich der UN-Sondergesandte für Afghanistan. Doch das entscheidende Treffen steht noch aus.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Die afghanische Regierung hatte eigentlich auf eine andere Strategie gesetzt - auf den vermeintlich neuen Anti-Terror-Plan von Donald Trump: Wieder mehr ausländische Soldaten, noch mehr Luftangriffe und Einsätze von Sondereinheiten, die die Taliban schwächen sollten, um sie gebeugt an den Verhandlungstisch bomben zu können. Diese Strategie ist nicht aufgegangen.

Die radikalislamische Miliz gewinnt weiter an Boden, verübt blutige Anschläge in den Städten, tötet dabei Zivilisten und afghanische Sicherheitskräfte. Statt mit der afghanischen Regierung zu verhandeln, die aus Sicht der Taliban nur Marionetten des Westens sind, sitzen die radikalen Islamisten nun mit den Weltmächten an einem Tisch: Dabei sind Vertreter aus den USA, aus Russland und jetzt beim Treffen in den Vereinigten Emiraten auch Repräsentanten aus Saudi-Arabien und Pakistan.

Der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto | Bildquelle: AP
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Zuversichtlich mit Blick auf den Friedensprozess in Afghanistan: der UN-Sonderbeauftragte Tadamichi Yamamoto.

"Mehr von der Kriegslogik lösen"

Der UN-Sonderbeauftragte von den Vereinten Nationen für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto, sagt, der entscheidende Schritt sei nun, ein Treffen der afghanischen Regierung mit den Taliban zu arrangieren. Im Sommer dieses Jahres hatte es zum ersten Mal seit vielen Jahren einen dreitägigen Waffenstillstand zwischen den Gegnern gegeben, Kämpfer von beiden Seiten hatten sich Blumen überreicht und umarmt.

"Wenn wir es schaffen, von den ersten Kontakten auf Gespräche überzugehen", sagte Yamamoto in New York, "können wir uns mehr von der Kriegslogik lösen und uns mehr darauf konzentrieren, Möglichkeiten für den Frieden auszuloten." Dann könne man den Blick auf ein stabiles Afghanistan mit Wachstumsmöglichkeiten lenken, anstatt weiterhin Bedrohungen zu fürchten, die von einem instabilen Afghanistan ausgingen.

Positionen liegen weit auseinander

Ein Verhandlungsteam der afghanischen Regierung soll bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist sein, wo es kurz zuvor Gespräche mit den Taliban und den USA gegeben habe. Das Team solle ein erstes Treffen der beiden Konfliktparteien vorbereiten, hatte der afghanische Regierungssprecher auf Twitter geschrieben.

Die Taliban aber hatten wie schon zuvor noch einmal bekräftigt, keine direkten Verhandlungen mit der afghanischen Regierung führen zu wollen. Die Verhandlungspositionen der beiden Konfliktparteien liegen weit auseinander. Während die Taliban vor allem darüber verhandeln wollen, dass die ausländischen Truppen aus Afghanistan abziehen sollen, beharren die demokratischen Vertreter des Landes darauf, dass die internationale Gemeinschaft nicht vor den radikalislamischen Fundamentalisten einknicken dürfe.

"Änderungen an der derzeitigen Verfassung vorzunehmen, um einen Frieden zu verhandeln, ist eine rote Linie, die wir nicht überschreiten dürfen", sagte Ghizaal Harees in New York vor den Vereinten Nationen. Sie gehört zu einer unabhängigen Kommission, die die afghanische Zivilgesellschaft vertritt. "Jeglicher Kompromiss, der die Rechte und Freiheiten unserer Bürger beschneidet, würde alle Errungenschaften, die in Jahrzehnten hart erkämpft wurden, zunichte machen", betonte sie.

Schwierige Voraussetzungen für Wahlen

Im April sollen in Afghanistan eigentlich Präsidentschaftswahlen stattfinden. So wie es um die Sicherheit von Afghanistan gerade bestellt ist, wären die schwer durchführbar, geschweige denn repräsentativ, sagen viele Experten. Daher drängen sämtliche Vertreter an den Verhandlungstischen darauf, dass die Taliban und die afghanische Regierung miteinander reden, statt sich zu bekämpfen.

Friedensprozess "greifbarer denn je"
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
19.12.2018 10:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Dezember 2018 um 10:50 Uhr.

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