Löwen im Akagera-Nationalpark im ostafrikanischen Ruanda. | picture alliance/dpa/African Par

Löwen in Ruanda Der König der Tiere ist zurück

Stand: 09.12.2022 08:35 Uhr

Lange gab es im afrikanischen Ruanda keinen einzigen Löwen mehr. Doch 2016 wurden sieben Tiere im Akagera-Nationalpark wieder angesiedelt - seitdem ist die Population stark gewachsen.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Drei Nashörner stehen eng beieinander und stecken die Köpfe zusammen. Ein viertes stromert um einen Busch herum. "Das sind Breitmaulnashörner", sagt Peninah Kamagaju. "Sie mögen es, wenn die Landschaft etwas offener ist. Und sie sind gerne zusammen unterwegs."

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Kamagaju führt Touristen durch den Akagera-Nationalpark im Osten Ruandas. Das Schutzgebiet hat eine ganz besondere Geschichte: Nach dem Völkermord 1994 in dem ostafrikanischen Land wurde es stark beschnitten. "Wir hatten viele Flüchtlinge, die zurückkamen. Sie waren im Exil geboren und hatten hier kein Zuhause mehr. Darum hat die Regierung beschlossen, dass sie sich auf dem Parkgebiet ansiedeln durften. Die Fläche wurde um fast zwei Drittel verringert."

Breitmaulnashörner | Antje Diekhans

Auch Nashörner wurden wieder erfolgreich angesiedelt im Akagera-Nationalpark. Bild: Antje Diekhans

Löwen wurden ausgerottet in Ruanda

Die Wildtiere verloren einen großen Teil ihres Lebensraums. Außerdem griffen die neuen Siedler zu den Waffen, wenn sie ihre Viehherden vor Raubtieren schützen wollten. Die Folge: Löwen waren bald komplett in Ruanda ausgestorben, erzählt Drew Bantlin, der Naturschutz-Manager des Parks. Er fürchtet eine ähnliche Entwicklung in anderen Ländern auf dem Kontinent. "Es gibt Zahlen, wonach der Bestand an Löwen in einigen Gebieten um 90 Prozent zurückgegangen ist. Die ganze Art ist quasi auf der Intensivstation. Wenn wir nicht gezielt eingreifen, um sie zu schützen, wird es immer weniger Löwen geben."

2001 war der letzte Löwe in Ruanda gesichtet worden. 15 Jahre später entschied die Regierung, die Raubkatzen ins Land zurückzubringen. Sie wurden aus Südafrika eingeflogen. Sieben Männchen und Weibchen aus unterschiedlichen Regionen, um Inzucht zu vermeiden. Sie fühlten sich offenbar schnell in Ruanda heimisch. Inzwischen sind die Rudel auf rund 50 Tiere angewachsen.

Löwen bringen Ökosystem wieder ins Gleichgewicht

Ihre Rolle als Jäger ist wichtig für das Gleichgewicht der Natur, sagt Drew Bantlin. "Die Wiedereinführung der Löwen hat viele Auswirkungen. Aber ein wichtiges Ziel ist, das Ökosystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie haben einen großen Einfluss auf Beutetiere und verhindern, dass es von ihnen zu viele gibt und das Flächen zu stark abgegrast werden. Dadurch wird auch die Pflanzenwelt gesünder."

Bei einer Safari durch den Park sind Löwen allerdings nur schwer zu entdecken. Der Akagera-Nationalpark ist hügelig und teils dicht bewachsen. Rangerin Kamagaju schraubt die Erwartungen von Besuchern darum herunter. "Ich will nicht sagen, dass die Chancen, Löwen zu sehen, nur bei zehn Prozent liegen. Denn einmal habe ich das so eingeschätzt und dann sind uns ständig Löwen über den Weg gelaufen. Wir fahren durch den Park und versuchen einfach unser Bestes."

Auch Nashörner wieder angesiedelt

Doch die Löwen verstecken sich heute. Sie haben zwar Tracker, aber die werden nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Genau wie bei den Nashörnern. Auch sie waren im Park ausgestorben und sind aus Südafrika wieder eingeführt worden. Jetzt leben in Akagera sowohl Breitmaul- als auch Spitzmaulnashörner - neben vielen andern Wildtieren wie Nilpferden in den zahlreichen Seen, Krokodilen, Hyänen, Elefanten, Giraffen und Leoparden. Der Bestand entwickelt sich auch darum gut, weil die umliegenden Dörfer einen Teil der Einnahmen aus dem Tourismus bekommen.

Immer wieder suchen die Wildhüter den Kontakt zur Bevölkerung, um eine wichtige Botschaft weiterzugeben, die auch Kamagaju sehr am Herzen liegt. "Wir müssen die Natur respektieren. Meist sind wir Menschen es, die das Gleichgewicht stören. Wenn wir das nicht ändern, wird es irgendwann weltweit viel weniger Tiere geben."